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Kleinwindkraftanlagen: Welche Erfahrungen haben Betreiber gemacht?

von , am
15.04.2014

Straubing - Welche Erfahrungen haben Betreiber mit dem Kleinwindradbetrieb in Bayern gemacht? Welche Faktoren sind für den Erfolg wichtig? Die Ergebnisse der C.A.R.M.E.N.-Umfrage zeigen es.

80 Prozent der befragten Anlagenbetreiber in Bayern würden Kleinwindkraftprojekt weiterempfehlen. © C.A.R.M.E.N.
C.A.R.M.E.N. e.V., die bayerische Koordinierungsstelle für Nachwachsende Rohstoffe und Erneuerbare Energien und nachhaltige Ressourcennutzung, führte Ende 2013 eine Umfrage unter rund 80 Betreibern von Kleinwindkraftanlagen in Bayern durch. Ziel der Umfrage war es, die Erfahrungen der Betreiber über die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren des Kleinwindradbetriebs in Bayern zu sammeln und daraus Rückschlüsse zu ziehen, die für zukünftige Kleinwindprojekte von Nutzen sind. Die Ergebnisse sind nun verfügbar.

Anlagenstandort: Höhere Lagen

Die Grafik bildet das Verhältnis von Standort in den jeweiligen Regionen zur Volllaststundenzahl ab. © Grafik: C.A.R.M.E.N
Zur Wahl des Anlagestandortes hat die C.A.R.M.E.N.-Umfrage ergeben, dass es tendenziell von Vorteil ist, Anhöhen als Anlagenstandort auszuwählen. Allerdings sei dies von der Situation vor Ort abhängig. Wenn sich die Anhöhe beispielsweise in einer hügeligen Landschaft befindet, in der weitere, vorgelagerte Erhebungen die Windströmung aus der Hauptwindrichtung verstellen, kann dadurch der positive Effekt aufgehoben werden, so die Beurteilung.
 
Auffällig sei für die Autoren der Studie, dass etwa ein Drittel der von der Umfrage erfassten Anlagen an ihrem jeweiligen Standort weniger als 200 Volllaststunden pro Jahr erzielen, was einer wirtschaftlich nicht empfehlenswerten, unterdurchschnittlichen Anlagenauslastung entspreche.

Nicht einmal jeder zweite machte Windmessung

In Punkto Windmessung zeigte die Umfrage, dass 48 Prozent der Befragten im Kleinwindbereich auf vor dem Aufstellen der Anlage auf eine Messung verzichtet hat.
 
Wo Messungen durchgeführt wurden, sagen die Autoren, wiesen die schlussendlich erzielten Stromerträge teils erhebliche Abweichungen von den prognostizierten Werten auf, meist lagen letztere deutlich über den realen Erträgen.
 
Die Anlagenwirtschaftlichkeit wird neben der Windhöffigkeit und der Anlagenauslegung, die über die Volllaststundenzahl und Stromerträge entscheiden, maßgeblich von den Anlagenkosten bestimmt. Hierbei verursachen die anfänglichen Investitionskosten das Gros der finanziellen Belastung.

Die Frage nach den Kosten

Bei der vorliegenden Umfrage lagen die Investitionen bei 28 Prozent (%) der Anlagen bei bis zu 10.000 Euro, weitere 40 % der Befragten gaben Anlagenanschaffungskosten in der Größenordnung zwischen 10.000 und 20.000 Euro an, darüber hinaus hatten jeweils zwölf Prozent zwischen 20.000 und 30.000 beziehungsweise zwischen 30.000 und 40.000 Euro investiert.
 
Die Umfrage sollte zudem ermitteln, welche laufenden Kosten mit einer Kleinwindanlage üblicherweise einhergehen. Im Ergebnis veranschlagen 68 % der Betreiber Betriebskosten unter 250 Euro pro Jahr, 27 % zwischen 250 und 500 Euro pro Jahr und nur vier Prozent 750 bis 1.000 Euro pro Jahr.
 
Knapp 60 % der befragten Kleinwindkraftbetreiber nutzen ihren selbstproduzierten Strom sowohl für den Eigenverbrauch und als auch zur Netzeinspeisung. 

Positiv in der öffentlichen Wahrnehmung

Die Frage nach der öffentlichen Wahrnehmung der Kleinwindkrafträder ergab, dass in der Nachbarschaft 64 % der Umfrageteilnehmer eine positive Beurteilung wahrnahmen, in der übrigen Öffentlichkeit erfuhren sie sogar Zustimmung von 80 %.
 
Weniger positiv fiel die Frage nach der Zufriedenheit mit dem Genehmigungsablauf aus. Die Zahl positiver Angaben war hier mit etwa 42 % der Befragungsteilnehmer niedriger als bei den übrigen Werten mit Ausnahme der Anlagenwirtschaftlichkeit, welche die wenigsten Teilnehmer zufrieden stellte: Lediglich gut 16 % der Befragten gaben an, sehr oder recht zufrieden mit der Wirtschaftlichkeit ihrer Anlage zu sein, wohingegen 36 % eine moderate bis starke Unzufriedenheit artikulierten.
 
Die Umfrage habe den Autoren eine aufschlussreiche Übersicht erbracht, wenngleich sie darauf hinweisen, dass sie infolge der kleinen Anzahl der Befragten nicht als repräsentativ angesehen werden sollte. Abschließend bleibt festzuhalten, dass 80 % der befragten Anlagenbetreiber dafür aussprechen, ein Kleinwindkraftprojekt weiterzuempfehlen.
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