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Wind

Kommentar: Erpressung oder Missverständnis?

von , am
20.02.2013

Berlin - Die Windbranche ist entsetzt. So wie es aussieht, setzt eine Landesgruppe des NABU die Betreiber von Windanlagen unter Druck. Oder ist das doch nur ein Missverständnis? Catrin Hahn von der Joule kommentiert.

Der Bundesrat findet den Gesetzentwurf zu Mindestabständen von Windrädern zu Baugebieten 'überflüssig und kontraproduktiv'. © Mühlhausen/landpixel
Liebe Leser,
ein Schlagabtausch zwischen einer Verlagsgruppe und einem Umweltverband sorgt für Entsetzen in der Windbranche. In einem Zeitungsbericht wurde der Eindruck erweckt, als hätte ein Landesverband des Naturschutzbund NABU eine neue Geldquelle aufgetan, die, wenn sie Schule macht, Investoren und Betreiber von Windrädern das Fürchten lehren könnte. Was war passiert?


Die Zeitungen der DuMont-Gruppe (Frankfurter Rundschau, Kölner Stadtanzeiger, Berliner Zeitung, Mitteldeutsche Zeitung) berichteten am 16. Februar über einen Fall von - so klang es jedenfalls - Erpressung durch den hessischen NABU: Ein kleiner Windpark in der Nähe von Gießen, ordnungsgemäß errichtet, betrieben von Hessen-Energie bzw. als Bürgerwindanlage und seit einem halben Jahr am Netz, bekam Post vom Verwaltungsgericht, dass fünf der sieben Anlagen sofort stillzulegen wären. Sie stünden in einem sensiblen Schutzgebiet, nämlich in einem Korridor für Zugvögel. Einige Monate Stillstand und etwa eine Million Euro Verlust für Investoren und Betreiber folgten. Dann einigte man sich, der NABU - übrigens einer der am besten finanzierten Umweltverbände Deutschlands - zog die Klage gegen eine Spende von 500.000 Euro zurück. 
{BILD:556767:gif}In dem Bericht von Jakob Schlandt, Wirtschaftsautor der Frankfurter Rundschau, fand sich dazu ein aufschlussreiches Zitat von Konrad Volkhardt, Chef des Kreisverbands Werra-Meißner. Der kann sich solche Beispiele gesetzlich durchgesetzten Ablasshandels gut als Geschäftsmodell vorstellen: "Die Naturschutz-Ausgleichsmaßnahmen für den Bau von Windrädern sind völlig mangelhaft. Wir wollen erreichen, dass etwa eine halbe Million Euro pro kleinem Windpark in eine Umweltstiftung fließen. Dafür würden wir dann auf Klagen verzichten".
Nun finden viele andere das Ausmaß der Ausgleichsmaßnahmen sicherlich völlig ausreichend. Wie dem auch sei - das Angebot, über eventuell vorhandene Mängel gegen eine Pauschalzahlung hinwegsehen zu können, spricht schon eher für ein ausgeprägtes Interesse an gefüllten Verbandskassen als für Sorge um die Natur.
Der NABU Hessen reagierte auf die Veröffentlichung mit ziemlich gereizten Stellungnahmen (www.nabu.de), in denen er die Vorwürfe als völlig absurd zurückwies. Man sei grundsätzlich für einen deutlichen Ausbau regenerativer Energien, es käme aber darauf an, den Ausbau der Windenergie naturverträglich zu gestalten.
In der neuen Ausgabe der Joule können Sie lesen, wie ernst ein Projektierungs- und Betreiberunternehmen für Erneuerbare Energien die Naturschutzauflagen nehmen ....
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