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Aus der Wirtschaft

Kommentar: Faktenarm, aber meinungsstark

von , am
14.06.2013

Berlin - Die Bioenergieerzeugung bietet viel Potenzial für Konflikte. Catrin Hahn von der Zeitschrift joule
kommentiert die derzeitige Stimmungsmache gegen die Branche.

Catrin Hahn / Redakteurin Joule
Faktenarm, aber meinungsstark, so machen derzeit einige Kreise Stimmung gegen die Bioenergie, eifrig assistiert von Medien, wahlkämpfenden Politikern und manch konventionellem Energieproduzenten. Mit dieser anschaulichen Bemerkung umschrieb  beim 3. Projekttag Bioenergie des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Berlin Prof. Dr. Jürgen Augustin die derzeitige Branchenlage. Landwirte kennen diese Situation mit dem Rücken an der Wand zu stehen und sich gegen Argumente mit Totschlagqualität wehren zu müssen ist seit Jahren eine ihrer Aufgaben wahrscheinlich eine, die in der Beliebtheit noch deutlich hinter dem Ausfüllen der Anträge zur Betriebsprämie rangiert.

Das Konfliktpotenzial ist groß

Doch es gibt keine andere Möglichkeit, als sich der Diskussion zu stellen, ergänzte Professor Augustin vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg. Das Konfliktpotenzial ist eben besonders groß, weil Aufgaben der Bioenergieerzeugung mit Ernährung und Landschaftsschutz zusammenfielen. In den Augen mancher Kritiker eine Bedrohung ungeachtet der Tatsache, dass z.B. im Falle des Rapsöles für die Biokraftstoffherstellung auch reichlich Proteinfutter erzeugt wird. So soll, fordert Augustin, ein jeder an seinem Platz am Image der Branche arbeiten. Wissenschaftler sollen forschen, Politiker sollen fördern und positiv begleiten und die Erzeuger von Bioenergie sollen fachlich einwandfrei arbeiten und sich der Diskussion stellen.

Die Bedeutung der Kommunikation

Auch Staatssekretär Clemens Neumann aus dem BMELV verwies in seinen einleitenden Worten auf die Bedeutung der Kommunikation. Um die von der Bundesregierung in ihrem Energiekonzept formulierten ehrgeizigen Ziele zu verwirklichen, ist sie eine der Grundvoraussetzungen. Wie sehr es damit noch hapert, zeigt gerade die Kölner PR-Agentur Krampitz Communications mit der Studie "Ziel erreicht? Kommunikation von Biomasse-, Solar- und Windfirmen". Eines der ersten und ziemlich besorgniserregenden Ergebnisse: Nur jedes dritte Unternehmen kommuniziert strategisch und zielgerichtet. Zwar halten die meisten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für wichtig, aber nur wenige Unternehmen stellen ein nennenswertes Budget für PR-Maßnahmen zur Verfügung.
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