Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Studienergebnisse

Kommunen behindern den Ausbau von Photovoltaikanlagen

Solardächer im Wohngebiet
am Mittwoch, 02.11.2022 - 14:45 (1 Kommentar)

Gemeinden mit hohen rechtlichen Anforderungen an den Bau von Photovoltaik(PV)-Anlagen erzeugen weniger Solarstrom. Das bestätigen Auswertungen der Ruhr-Universität Bochum.

Einige Kommunen haben hohe Anforderungen, wenn es um den Bau einer PV-Anlage geht. Obwohl die Priorität in Deutschland die Sicherung der Energieversorgung mit erneuerbaren Energien ist, verfolgen Gemeinden oft eigene Ziele. Besonders kommunale Bauvorschriften stehen im Konflikt mit dem Ausbau erneuerbarer Energien. Gründe hierfür sind beispielsweise der Schutz des historischen Ortsbilds.

Ein Forschungsteam der Georgia State University in Atlanta hat die Auswirkungen untersucht. Die Studie zeigt, dass viele Gemeinden Bauvorschriften erlassen haben, die Installationen von PV-Anlagen festsetzen. In diesen Gemeinden wird 10,4 Prozent weniger Solarstromleistung erzeugt als in vergleichbaren Gemeinden.

Ausbauziele von PV übersteigen historischen Trend

Der Preis von Solarstrom wurde in den letzten zwei Jahren durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz und dem stetigen Zuwachs an Solaranlagen geprägt und verringert. Dadurch hat der Anteil an erneuerbaren Energien im Energiemix deutlich zugenommen.

„Die Ausbauziele sind jedoch immens und übersteigen den historischen Trend deutlich“, sagt Andreas Löschel, Professor für Umwelt-/Ressourcenökonomik und Nachhaltigkeit der Ruhr-Universität. „In unserer aktuellen Studie erforschen wir zum ersten Mal, ob baurechtliche Vorgaben, insbesondere das Baugestaltungsrecht, ein entscheidendes Hindernis für den Ausbau der Solarenergie darstellen.“

Vorschriften und Bauleitpläne hemmen die Installation von PV-Anlagen

Die Forschenden haben die Rolle von Vorschriften und Bauleitplänen untersucht, die Gemeinden erlassen und somit den Bau von PV-Anlagen betreffen. Sie verknüpften damit die Daten aller Solaranlagen in Deutschland, die aus dem Marktstammregister der Bundesnetzagentur für die Jahre 1991 bis 2020 stammen.

Die Ergebnisse einer Umfrage bezogen sie zusätzlich mit ein. Dadurch ließen sich systematische Informationen zu den kommunalen Anforderungen und rechtliche Vorgaben erheben, die den Bau von Solaranlagen betreffen. Die Studie zeigt, dass mehr als 15 Prozent der Gemeinden von einer oder mehreren Regelungen bezüglich der Installation von PV-Anlagen betroffen sind. Zielgenaue rechtliche Vorgaben sind am häufigsten vertreten.

Welt-Ranking: Diese Länder erzeugen am meisten PV-Strom

Gemeinden mit hohen Anforderungen haben 10,4 % weniger PV-Strom

„Wir unterscheiden in der Umfrage zwischen drei häufigen Vorschriften“, erklärt Béla Figge von der Georgia State University: „Erstens, dass Solaranlagen nicht von der Straße sichtbar sein dürfen. Zweitens, dass Solaranlagen kein Licht auf andere Gebäude oder die Straße reflektieren dürfen. Drittens, dass Solaranlagen in das Dach oder die Wände integriert sein müssen.“

Variationen dieser drei Vorschriften sind verbreitet, relativ selten hingegen sind Verbote von PV-Anlagen und lokale Förderungsprogramme. Lösche betont: „Wir können zeigen, dass Gemeinden, die rechtliche Anforderungen in Bezug auf Photovoltaikanlagen erlassen, 8,9 Prozent weniger Photovoltaikanlagen aufweisen und 10,4 Prozent weniger Solarstromleistung haben.“

PV-Anlagen zwischen 5 und 10 kW sind am stärksten betroffen

Am stärksten betroffen sind davon kleine und mittlere Solaranlagen zwischen 5 und 10 kW. Forschende schlagen deshalb vor, Solaranlagen zeitnah zu entwickeln, die sowohl optisch ansprechend gestaltet sind, als auch sich in die vorhandene Bausubstanz integrieren lassen.

Zu viel Unsichtbarkeit ist jedoch auch nicht gewünscht. Untersuchungen zeigen den Peer-Effekt. Dieser besagt, dass sich Nachbarn optisch inspirieren lassen und ebenfalls Solaranlagen bauen. Dafür dürften diese jedoch nicht zu versteckt sein.

Kommentar

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...