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RWE-Tagebau

Letzter Landwirt von Lützerath: Das Dorf muss weg trotz Kohleausstieg

Eckhardt Heukamp 2021: Da bestand noch Hoffnung, den Hof zu behalten. Nun ist der Landwirt ausgezogen, bis zum Wochenende muss er Maschinenhalle, Werkstatt und Scheune räumen.
am Donnerstag, 06.10.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Der Kohleausstieg ist beschlossen und um 8 Jahre vorgezogen, das haben Habeck und Co. beschlossen. Das Dorf Lützerath im Rehinland wird trotzdem der Kohlegewinnung zum Opfer fallen. Der letzte Landwirt des Dorfs, Eckhardt Heukamp, räumt nun seine Scheune aus, bevor sein Hof abgerissen wird.

Die allerletzte Hoffnung für Landwirt Eckhardt Heukamp starb am Dienstagabend. Da stellten sich die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck vor die Kamera und verkündeten: Der Kohleausstieg in NRW wird auf 2030 vorgezogen. Für viele eine gute Nachricht, nicht für den Bauern aus Lützerath. Denn Lützerath muss weichen - das ist der zweite Teil des Deals, den die Politik mit dem Braunkohleriesen RWE abgeschlossen hat. Eckhardt Heukamp ist das Bauernopfer dieses Handels. Sein Hof wird der Abrissbirne zum Opfer fallen, sein Land abgebaggert.

„Ich darf noch meinen Betrieb ausräumen, die Werkstatt und die Maschinenräume. Bis zum Wochenende muss alles raus sein“, erklärt der Landwirt gegenüber agrarheute. „Im Moment wohne ich im Weyerhof zur Miete, das ist ein aufgegebener Bauernhof, den die RWE gekauft hat, und schaue, dass ich rechtzeitig meinen ganzen Kram aus dem Hof in Lützerath rauskriege.“

Vorgezogener Kohleausstieg beschlossen

Aus Sicht der nordrhein-westfälischen Regierung ist das Abbaggern der Kohle unter dem Örtchen Lützerath unvermeidbar, betonte Mona Neubaur in der Pressekonferenz. Der Strom aus der Lützerather Braunkohle werde gebraucht, um den um 8 Jahre vorgezogenen Kohleausstieg schaffen zu können. Eine Insellösung für das Örtchen Lützerath sei unmöglich.

Landwirt ist enttäuscht

Die Räumung des Dorfs und auch des Hofs des letzten Landwirts in Lützerath, Eckhardt Heukamp, ist rechtlich abgesegnet. Die RWE setzt nun also durch, was sie bereits im April 2022 vor Gericht durchsetzen konnte. Ackerbauer Heukamp ist trotzdem sauer: „Also wird mein alter Hof abgerissen. Dabei hätte man Lützerath aussparen können, liebe grüne Partei. Aber mein Hof wurde dem Braunkohleausstieg geopfert.“

Die Grünen, die ja eigentlich für die Rettung von Lützerath gestanden haben, hätten nichts dafür getan, den Ort zu retten. „Berufen wird sich auf drei Gutachten, dass der Abriss nötig ist, die sind so aber noch gar nicht veröffentlicht“, erklärt Heukamp resigniert. „Man zimmert sich das Haus so, wie man will. Da kann man nichts mehr machen.“

Kritik an den Grünen

Klimaaktivisten und regionale Bündnisse wie „Alle Dörfer bleiben“ protestieren, doch die Entscheidung ist gefallen. Im Gegenzug zum Tagebau-Deal verpflichtet sich RWE übrigens dazu, mehr in Erneuerbare Energien zu investieren - so soll künftig im Rheinischen Revier 1 Gigawatt Strom mit Wind und Solarkraft erzeugt und in Gaskraftwerke investiert werden.

1,5 Grad-Obergrenze einhalten

Mona Neubar ist hoffnungsvoll, durch den Beschluss der Einhaltung der im Pariser Klimaabkommen vereinbarten kritischen Obergrenze von 1,5 Grad Erderwärmung näherzukommen. Die Ministerin betonte zudem, dass durch den Handel mit der RWE weitere Dörfer im Braunkohlerevier vor dem Abriss bewahrt würden. Ein kleiner Trost immerhin, sagt Eckhardt Heukamp. Für ihn selber allerdings ist die Zukunft ungewiss: „Ich kann hier im Weyerhof für ein dreiviertel Jahr bleiben, dann muss ich nach Alternativen suchen.“

Ob er nochmal in der Landwirtschaft tätig wird, weiß er nicht: „Es ist sehr schwierig, hier ein Hofgebäude oder ein Altgebäude zu finden. Ich bin 58 Jahre, ich habe keinen Nachfolger - ich weiß nicht, ob ich nochmal neu starten soll.“ Zudem sei der Ackerbau auf dem Neuland, also dem wieder aufgeschütteten Boden des Tagebaus eine Herausforderung: „Es gibt es kein Grundwasser, das wird es auch zu meinen Lebzeiten nicht mehr geben. Möglich sind eigentlich nur Sonderkulturen. Bei den aktuellen Kosten für Stickstoffdünger etc. kann ich die Kosten dafür aber nicht decken.“

Das Ende von Lützerath ist also vermutlich auch das Ende von Heukamps Traumberuf Landwirt. „Schade, weil man hätte es verhindern können. Die Politik hätte es verhindern können“, sagt Heukamp. „Jetzt wird Lützerath geopfert.“

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