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Treibstoff

Mobilität: Wasserstoff aus Biogas herstellen

Wasserstofftanks, Windrad und Photovoltaikanlage
am Samstag, 23.01.2021 - 05:00 (1 Kommentar)

Wasserstoff im Mobilitätsbereich ist nicht tot. Der chemische Treibstoff kann mit vielen Vorteilen punkten. Welche das sind und warum Biogasanlagenbetreiber davon profitieren, erklärt Biogasunternehmer Hendrik Becker im Interview.

Weltweit setzen Regierungen und Unternehmen auf Elektromobilität. Sehen Sie für den Einsatz von Wasserstoff hier noch eine Chance?

Für den Einsatz von Wasserstoff gibt es genügend Nischen. Gleichzeitig bin ich selbst überzeugter Elektroautofahrer. In unserem Unternehmen nutzen wir zudem viele Biogas-Autos. Ich glaube, auf lange Sicht gesehen, wird es wohl so sein, dass die E-Mobilität den größten Teil auf unseren Straßen abdecken wird.

Je schwerer die Fahrzeuge allerdings werden, desto aufwendiger wird die Energiespeicherung. Bei Bussen und anderen Schwertransportern können Wasserstoff und Biomethan – also die chemischen Energieträger – eine wichtige Rolle spielen. Beim Wasserstoff sehe ich den Busverkehr als lukrative Nische, weil wir damit emissionsfrei in den Städten unterwegs sein können. Das ist eine gute Alternative zur elektrischen Variante. Wasserstoff ist im dezentralen Kontext sehr interessant, wenn man das mit Biogas kombiniert.

Aber ist Wasserstoff wirklich der richtige Weg? Ist das nicht zu teuer, wenn sich nun alle Bestrebungen in Richtung Elektromobilität entwickeln?

Wenn wir überlegen, dass der Mobilitätsbereich ungefähr ein Drittel an Energie benötigt, und davon nur knapp sechs Prozent erneuerbare Treibstoffe sind, finde ich die Diskussion, ob Wasserstoff oder Elektromobilität die richtige Technik sind, nicht angebracht. Die grundsätzliche Diskussion sollte lauten, wie wir mehr saubere Energie auf die Straße bekommen. Solange ein Verhältnis von 94 zu 6 Prozent besteht und nicht umgekehrt, ist ihre Frage unnötig. Wir müssen jede Nische nutzen und darin die Vorteile erkennen und kommunizieren.

In welchen Nischen hat Wasserstoff im Vergleich zu Elektromobilität Vorteile?

Nach wie vor ist es ein großes Thema, wie nachhaltig unsere Batterien sind. Es spielt sicherlich mit hinein. Das andere ist, dass wir beim Wasserstoff gegenüber der Elektromobilität höhere Energiedichten haben und damit andere Lasten bewegen können – ohne anhalten zu müssen. Grundsätzlich sollte möglichst viel elektrische Energie direkt verwendet werden. Erst im zweiten Schritt sollte man den Strom alternativ einsetzen und über Speicherung nachdenken. Bei den fluktuierenden Energieträgern wie Photovoltaik und Windkraft können wir Wasserstoff mithilfe der Elektrolyse aus den Überschüssen generieren. Die elektrischen Anlagen sind in Deutschland vorhanden, was somit sehr sinnvoll ist. Alternativ den Wasserstoff aus dem Ausland zu importieren, solange wir die regionalen und dezentralen Potenziale nicht nutzen, ist für mich wiederum unakzeptabel.

Kann ich als Biogasanlagenbetreiber Wasserstoff vor Ort herstellen?

Im Biogasbereich können wir durch verschiedene Prozesse Wasserstoff in der Biogasanlage produzieren. Ein Beispiel wäre die dunkle Fermentation, die direkt ein Drittel Wasserstoff und zwei Drittel Methan produziert. Das Me-than, das dort entsteht, können wir durch weitere verschiedene Prozesse nutzen, zum Beispiel im Rahmen der Dampfreformierung, und dann das Methan zu Wasserstoff umwandeln. Ob das sinnvoll ist, muss man im Einzelfall betrachten, weil Methan bereits ein guter Energieträger ist, den man vielfältig nutzen kann.

In welchen Situationen könnte es denn sinnvoll sein, Methan in Wasserstoff umzuwandeln?

Wenn man beispielsweise Wasserstoffbusse in der Innenstadt damit versorgen will, kommt man um diesen Schritt nicht herum. Toll ist auch, dass man bei so einem Verfahren die Chance hat, den anfallenden Kohlenstoff abzuscheiden und ihn im Anschluss zu lagern.

Das vollständige Interview erscheint demnächst in der Februar-Ausgabe des agrarheute Energie-Magazins.

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