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Aus der Wirtschaft

Netzausbau: Weniger Bürgerbeteiligung als erwartet

von , am
19.12.2013

Bayreuth - Die aktuelle, überwiegend kritische Berichterstattung zu Energiewende, Netzausbau und dortigen Beteiligungsmodellen hat sich negativ auf die Bürgerbeteiligung ausgewirkt.

Am Netzausbau wollen sich kaum Bürger finanziell beteiligen. © pholidito/fotolia.com
Zu diesem Schluss ist der Übertragungsnetzbetreiber TenneT nach Auswertung des Zeichnungsverhaltens für sein erstes Netzausbauprojekt an der Westküste Schleswig-Holsteins mit Bürgeranleihen gekommen.
 
Dabei konnten die Gebietsansässigen und Grundstückseigentümer aus den Landkreisen Nordfriesland und Dithmarschen in die Bürgeranleihe Westküstenleitung investieren.

Informationsangebote verhalten aufgenommen

Der Startschuss für die erste "Bürgerleitung" fiel am 14. Juni 2013. Am 30. September endete die Zeichnungsfrist. Zu Beginn und nach Fristende hatte TenneT Befragungen durchführen lassen. Dabei wurde laut TenneT deutlich, dass eine finanzielle Beteiligungsmöglichkeit von den Bürgern zwar grundsätzlich begrüßt wird, für viele tatsächlich aber, teilweise aus finanziellen Gründen, nicht in Frage kommt. Dies zeige sich auch im generell verhaltenen Interesse der Bürger an den Informationsangeboten zur Bürgeranleihe wie dem Callcenter oder den Dialogveranstaltungen. Während 33 Prozent der Befragten die Idee der Bürgeranleihe zu Beginn der Zeichnungsfrist als sehr gut und 49 Prozent als gut bewerteten, hätten zum Ende der Frist rund 30 Prozent weniger die Idee einer finanziellen Beteiligung als "sehr gut" gewertet. Zudem habe sich die Anzahl derer, die die Idee als "sehr schlecht" bewerteten, mehr als verdoppelt.

Post für 160.000 Haushalte

Entsprechend habe sich auch das Interesse an den Zeichnungen der Anleihe entwickelt. Ab August mit Einsetzen der kritischen öffentlichen Debatte zum Beteiligungsmodell sei die Nachfrage deutlich gesunken.
 
Insgesamt wurden die Zeichnungsunterlagen für die Bürgeranleihe den Angaben zufolge 1 492 mal angefordert; 142 Haushalte zeichneten dann tatsächlich die Bürgeranleihe. Die Zeichnungssumme beträgt nun 833.000 Euro. Der Übertragungsnetzbetreiber hatte rund 160.000 Haushalte angeschrieben. TenneT bewertete die finanzielle Beteiligung in Verbindung mit Bürgerdialog und Genehmigungsverfahren trotz des eher verhaltenen Erfolges als einen möglichen zusätzlichen Weg, um die Menschen vor Ort bei Planung und Bau von Leitungsprojekten einzubinden.

Vertrauen muss erst aufgebaut werden

Im Vergleich mit Beteiligungsmodellen bei den erneuerbaren Energien, die eine deutlich höhere Akzeptanz genießen, sei zudem deutlich geworden, dass nicht nur die Akzeptanz der Bürger vor Ort für den Netzausbau notwendig sei, sondern auch Vertrauen in neue, noch zu etablierende Beteiligungsmodelle geschaffen werden müsse, um die Energiewende gemeinsam und erfolgreich umzusetzen. Das Unternehmen kündigte an, mit der Politik weiter im Gespräch zu bleiben und seine Erfahrungen bei der Weiterentwicklung der Bürgerbeteiligung einzubringen.
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