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Netzausbau

Netzbetreiber wollen zwei weitere Stromtrassen von Nord nach Süd

Netzausbau Stromtrasse
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
06.02.2019

Für den Ausbau der erneuerbaren Energien bei einer gleichzeitig deutlichen Verringerung der Kohleverstromung sind zwei über den Bundesbedarfsplan hinausgehende leistungsfähige Gleichstromverbindungen erforderlich. Das geht aus dem Netzentwicklungsplan (NEP) 2030 in der Version 2019 hervor, den die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW im Internet veröffentlicht haben.

Die Netzbetreiber gehen davon aus, dass das innerdeutsche Gefälle bei der Stromerzeugung weiter zunehmen wird. Während in Nord- und Ostdeutschland in allen Szenarien die Erzeugung die lokale Nachfrage um mehr als das Doppelte übertrifft, herrscht in Süd- und Westdeutschland ein Erzeugungsdefizit, so die ÜNB. Nach ihren Berechnungen müssen zwischen etwa einem Viertel und der Hälfte der jährlichen Stromnachfrage in diesen Bundesländern aus in- und ausländischen Importen gedeckt werden.

Gegenüber dem vorherigen NEP 2030 aus dem Jahr 2017 könne ein deutlich größerer Anteil erneuerbarer Energien mit einem geringeren zusätzlichen Netzausbau in das System integriert werden, so die Netzbetreiber. Mit dem vorgeschlagenen Netz halten sie die Integration von 65 % erneuerbarer Energien bei Einhaltung der Vorgaben des Klimaschutzplans 2050 für möglich.

Tausende Kilometer zusätzlich

Nach den Berechnungen im NEP sind Gleichstromverbindungen mit einer Kapazität von insgesamt 4 GW erforderlich, die Strom von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bis nach Baden-Württemberg auf einer Gesamtlänge von etwa 1.160 km transportieren.

In einem anderen Szenario sind weitere rund 2.900 km an Netzverstärkungen im Bestand und rund 450 km an Neubaumaßnahmen erforderlich, die noch nicht Bestandteil des Bundesbedarfsplans sind.

Investitionskosten an Land von über 50 Milliarden Euro

Die ÜNB schätzen die Investitionskosten für die vorgeschlagenen landseitigen Maßnahmen auf rund 52 Mrd Euro.

Für das Zubau-Offshorenetz ergebe sich eine Länge je nach Szenario von 1.924 km bei einer Übertragungsleistung von etwa 6,4 GW bis hin zu 3.439 km bei einer Übertragungsleistung von rund 12,1 GW. Das veranschlagte Investitionsvolumen für das deutsche Offshore-Netz beträgt je nach Szenario zwischen 18 Mrd Euro und 27 Mrd Euro.

Gelegenheit zur Stellungnahme

Zu diesem ersten Entwurf können Verbände, Unternehmen, wissenschaftliche, politische oder gesellschaftliche Organisationen sowie Städte und Gemeinden, Landkreise und Privatpersonen bis zum 4. März Stellung nehmen. Im zweiten Entwurf, der voraussichtlich im Frühjahr veröffentlicht wird, sollen die Ergebnisse der Konsultation mit dargestellt werden. Dieser zweite Entwurf wird der Bundesnetzagentur zur Prüfung übergeben.

Mit Material von AgE
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