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Biomasse

Neue Nachhaltigkeitsdebatte: Streit um E10-Mehrverbrauch

von , am
28.02.2011

Berlin - Über den Klimaschutz- und den Mobilitätsbeitrag von Ottokraftstoff mit einem zehnprozentigen Bioethanolanteil (E10) gehen die Meinungen auseinander.

Die Kommission beschließt, dass bei der Bewertung der Treibhausgasbilanz von Biokraftstoffen auch die geschätzten Folgen der globalen Landnutzungsänderungen (Indirekte Landnutzungsänderung − ILUC) berücksichtigt werden. © Maik Grabosch/pixelio
Fest steht, dass der Heizwert von Bioethanol mit 26,66 MJ/kg nur 62 Prozent des Benzinwertes von 43,31 MJ/kg erreicht und dadurch öfter getankt werden muss. Fakt sind gleichzeitig die Nachhaltigkeitsvorschriften der Europäischen Union mit klaren Vorgaben zur Klimagaseinsparung durch Biosprit.
Die Zeitschrift Auto-Bild sorgte nun mit einer Testfahrt mit einem VW Golf 1.4 für Wirbel, wonach sich ein Mehrverbrauch von rund fünf Prozent mit E10 ergeben soll. Diesen Angaben widersprach vergangene Woche der Bundesverband der Deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe). "Wegen des maximal um 1,9 Prozent geringeren Energiegehaltes von E10 gegenüber herkömmlichem Super sind die fünf Prozent Mehrverbrauch, von denen Auto-Bild berichtet, ausgeschlossen", meinte Prof. Bernhard Geringer von der TU Wien. Aussagekräftige Verbrauchswerte seien nicht mit "einfachen Versuchsfahrten" ermittelbar. Dafür seien wissenschaftlich klar definierte Messmethoden notwendig.

Kraftstoffsteuer auf Energiegehalt umstellen

Um unterschiedlichen Energiegehalten bei Kraftstoffen Rechnung zu tragen, regt der BDBe eine Umstellung der Kraftstoffsteuer auf den Energiegehalt an. Das wäre zum Nachteil von Diesel, dessen Anteil an der deutschen Pkw-Flotte aufgrund der Steuerbegünstigung in den vergangenen Jahrzehnten stetig gestiegen ist.
Mit einer Ausrichtung am Energiegehalt könnten laut BDBe-Geschäftsführer Dietrich Klein "steuerliche Ungerechtigkeiten" vermieden werden.

Biokraftstoffverband kritisiert BUND

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) schaltete sich ebenfalls in die Debatte ein. Die Preise von E10 würden von den großen Mineralölkonzernen bestimmt, die damit auf Kosten der Verbraucher sehr viel Geld verdienten. Dies könne jedoch nicht als Argument gegen Bioethanol und Biodiesel gelten.
Zudem attackierte der VDB Umweltorganisationen wie den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ebenso wie den Verkehrsclub Deutschland (VCD) wegen ihrer Kritik an Biokraftstoffen. "Wer wie der BUND darauf beharrt, dass Ethanol eine schlechtere Umweltbilanz aufweisen kann als fossile Kraftstoffe, hat die jüngste Gesetzgebung zu Biokraftstoffen nicht begriffen und kennt die deutsche Herstellungspraxis nicht", erklärte VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann. Bioethanol aus Deutschland spare nicht nur die gesetzlich vorgeschriebenen 35 Prozent an CO2, sondern stoße bereits jetzt 50  bis 80 Prozent weniger Treibhausgase aus als fossiles Superbenzin.
Der BUND und der VCD wiederholten seit mehr als zehn Jahren, dass es intelligente Verkehrssysteme und kleinere Autos geben müsse, ohne dass etwas passiert sei. Nun gebe es mit Biokraftstoffen eine wirksame Möglichkeit, fossile Kraftstoffe zu ersetzen und damit Treibhausgasemissionen einzusparen. Anstatt einzugestehen, dass ihre politischen Forderungen noch umgesetzt werden müssten und nicht gegen Biokraftstoffe sprächen, bekämpften der BUND und VCD Biodiesel und Bioethanol als sinnvolle Alternative, monierte Baumann.

Schädliche Landnutzungsänderungen vermeiden

In Reaktion auf die BUND-Haltung erklärte zudem der BDBe, dass die Produktion von Biokraftstoffen indirekte Landnutzungsänderungen (ILUC) bewirke, sei keineswegs nachgewiesen. "Sollte die EU-Kommission zu dem Ergebnis kommen, dass ILUC-Effekte auftreten, so muss eine politische Lösung gefunden werden, etwa durch bilaterale Abkommen mit Staaten, die Bioethanol produzieren", unterstrich der BDBe-Vorsitzende Norbert Schindler, der für die CDU im Bundestag sitzt. Ziel müsse es sein, alle schädlichen Arten von Landnutzungsänderungen zu vermeiden, und zwar direkt in den Regionen, in denen sie aufträten. Dass das funktioniere, zeige das Beispiel Brasilien, wo infolge nationaler Gesetze die Rodung des Regenwaldes bereits erheblich zurückgegangen sei. Schindler stellte klar, dass die Behauptung, die Bioethanolproduktion begünstige Monokulturen, im Widerspruch zur landwirtschaftlichen Praxis stehe. Bioethanol werde aus fünf verschiedenen Getreidearten und aus Zuckerrüben hergestellt.
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