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Neue Solarförderung: Top oder Flop?

© Marina Lohrbach / Fotolia
von , am
16.07.2013

Berlin - Ein Jahr nach der Reform der Photovoltaikförderung fällt die Bilanz sehr unterschiedlich aus: Umweltminister Peter Altmaier ist zufrieden, die Hersteller verweisen auf einen Umsatzeinbruch.

CDU/CSU und SPD wollen den Bestandsschutz bei bestehenden Anlagen einhalten. © Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Ein Jahr nach der Reform der Photovoltaik-Förderung fällt die Bilanz in Politik und Wirtschaft sehr unterschiedlich aus. Während Bundesumweltminister Peter Altmaier von einem Erfolg spricht und den Ausbau der Photovoltaik auf einem nachhaltigen Kurs sieht, beklagen die Hersteller deutliche Umsatzeinbrüche.
 
Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) Photovoltaik-Produktionsmittel weist darauf hin, dass der Umsatz der Branche in Deutschland im ersten Quartal 2013 fast 35 Prozent (%) kleiner ausgefallen sei als im Vorjahreszeitraum.

VDMA: Überkapazitäten, unbeständige Rahmenbedingungen

Der VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel nannte als Ursachen für den Einbruch der Umsätze in der Branche die von den Herstellern aufgebauten Überkapazitäten, eine nachhaltige Verunsicherung der Märkte durch ständig wechselnde Rahmenbedingungen sowie eine Vielzahl von Handelskonflikten im Solarbereich.
Der Geschäftsführer der Plattform, Florian Wessendorf, machte deutlich, dass der deutsche Photovoltaik-Maschinenbau im internationalen Vergleich jedoch nach wie vor gut dastehe. Mit einem Weltmarktanteil von mehr als 50 % hätten die deutschen Unternehmen ihre hervorragende Wettbewerbsposition auch Anfang dieses Jahres erfolgreich behaupten können.
 
Die internationale Ausrichtung der deutschen Photovoltaik-Zulieferer werde abermals durch die hohe Exportquote unter Beweis gestellt. So seien im ersten Quartal 2013 fast 92 % der Umsätze im Ausland erwirtschaftet worden. Die Auftragseingänge befanden sich nach Angaben von Wessendorf zu Jahresbeginn auf einem anhaltend niedrigen Niveau. Auch die Investitionsbereitschaft deutscher Kunden habe sich Anfang 2013 als dürftig herausgestellt. Der Geschäftsführer sieht die mittel- und langfristigen Perspektiven für den Photovoltaik-Maschinenbau in Deutschland trotz der aktuellen Probleme positiv. Neben dem Fokus auf Technologieführerschaft und der Senkung der eigenen Produktionskosten stünden strategische Allianzen und gemeinsame Entwicklungsplattformen auf der Agenda.
 
BSW-Solar: Technologievorsprung nicht verspielen
 
Unterdessen warnte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) davor, Deutschland als Solarenergiestandort aufzugeben. Die Bundesregierung solle das Tempo der Energiewende nicht weiter drosseln, sondern den Umbau der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien kraftvoll vortreiben. Andernfalls, so der BSW-Solar, könnte Deutschland den in den letzten Jahren mühsam erarbeiteten Technologievorsprung verspielen.
BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig hält nicht nur wachsende Exportchancen, sondern weiterhin auch einen attraktiven Binnenmarkt für unverzichtbar, um den Solarstandort Deutschland zu sichern. Nach seiner Ansicht befindet sich die Solarwirtschaft derzeit in einer harten Konsolidierungsphase, die vor allen Dingen auf weltweite Überkapazitäten und einen aktuellen Markteinbruch in Europa zurückzuführen sei. Das Potential der Solarenergie sei jedoch auch in Deutschland bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Ein Anstieg der Verbraucher-Strompreise könne vermieden werden, wenn der durch Wind- und Solarstrom ausgelöste Preisverfall der Großhandelsstrompreise endlich an die Verbraucher weitergegeben werde, so Körnig.

Altmaier: Reform übertrifft die Erwartungen

Altmaier hob hervor, dass der Erfolg der Reform die seinerzeit geäußerten Erwartungen bei weitem übertreffe. Nach zwei Gesetzesnovellen in den Vorjahren, die weitgehend wirkungslos geblieben seien, habe man nun die angestrebten Ziele vollumfänglich erreicht. Der Minister geht davon aus, dass der Ausbau der Photovoltaik nach drei Jahren mit Rekord-Ausbauzahlen von jeweils mehr als 7.000 MW in diesem Jahr erstmals wieder auf den vorgesehenen Pfad von 2.500 MW bis 3.500 MW zurückkehren dürfte.
 
Der Ressortchef erinnert daran, dass die Vergütungssätze für Photovoltaik in den letzten Jahren drastisch um zwei Drittel abgesenkt worden seien; im kommenden Herbst werde die Vergütung für Freiflächenanlagen erstmals unter zehn Cent je Kilowattstunde absinken. Altmaier geht davon aus, dass die Photovoltaik ab 2017/18 ganz ohne Einspeisevergütungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) marktfähig sein werde.
Zusätzlich habe sich die Struktur des Ausbaus verändert. Neue Anlagen würden zunehmend zum Zwecke des Eigenverbrauchs von Strom installiert, was die Differenzkosten für die EEG-Umlage weiter senke. Damit sei der Photovoltaik-Neuausbau nicht länger ein Kostentreiber für den Anstieg der EEG-Umlage.

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