Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Aus der Praxis

Nutzung von Biomethan als Kraftstoff: Landwirte berichten

Biogastankstelle von oben
am Dienstag, 17.01.2017 - 13:45 (Jetzt kommentieren)

Zu Biomethan aufbereitetes Biogas ist ein nachhaltiger regionaler Kraftstoff. Der agrarmanager stellt zwei Landwirte vor, die mit unterschiedlicher Infrastruktur Biomethan für die Mobilität vermarkten.

Die Motivation für Landtechnikhersteller Traktoren mit Gasantrieb herzustellen war, wie beispielsweise bei New Holland, dass Landwirte mit einem Kraftstoff vom eigenen Acker fahren können. Um mit Biogas zu fahren, muss das normale Biogas mit rund 60 Prozent Methananteil aufbereitet und dann mit 200 bar in die Tanks gedrückt werden. Das kann

  • theoretisch an den knapp 200 in Deutschland ins Erdgasnetz eingespeisten Biogasanlagen,
  • überall am Erdgasnetz durch bilanzielle Entnahme oder
  • als Insellösung mit Biogas-Aufbereitung vor Ort erfolgen.

Der agrarmanager hat in seiner aktuellen Ausgabe Januar 2017 zwei Energielandwirte vorgestellt, die Biogas als Kraftstoff nutzen.

1. Biomethanvermarktung im großen Stil

Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas, betreibt als Landwirt zwei Biogasanlagen. Gemeinsam mit seiner Frau führt er zwei landwirtschaftliche Betriebe mit 142 Hektar (ha) Ackerland und 61 ha Grünland im Wendland bei Dannenberg. Außerdem hält er Schweine und Pferde.

Die erste Biogasanlage mit mittlerweile 225 kW nutzt Seide als NaWaRo-Anlage. Sie wurde 1998 gebaut. Der Strom wird verkauft und die Wärme vor Ort genutzt. Die zweite, größere Anlage mit 700 kW wurde 2006 errichtet und wird von anderen Landwirten zu rund zwei Dritteln mit Mais versorgt. Hinzu kommen Abfälle, Zuckerrüben und Hühnertrockenkot. Nachdem die Anlage gut lief, war der zweite Schritt die Aufbereitung und Vermarktung des Gases.

Seit 2013 nimmt Horst Seidel bei der Stromvermarktung an der Regelenergie teil. Die Abwärme wird ins nahe Gewerbegebiet verkauft und für die Gasaufbereitung genutzt. Rund 200 Nm3/h werden zu Biomethan aufbereitet und ins naheliegende Erdgasnetz eingespeist.

Das Biomethan wurde zuerst komplett an KWK-Anlagenbetreiber verkauft. Für die Durchleitung müssen 0,65 ct/kW an den Netzbetreiber gezahlt werden. Inzwischen sind als Abnehmer 4 Tankstellen dazugekommen. So geht rund ein Drittel des Biomethans in die Mobilität.

Auch bei den Erlösen bringt die Mobilität rund ein Drittel. Wenn die große Biogasanlage 2026 aus der EEG-Vergütung fällt, will Horst Seide das gesamte Biogas in die Mobilität vermarkten.

2. Inseltankstelle

Juliane und Winfried Vees in Eutingen im Gäu in Baden-Württemberg errichteten 2004 eine Biogasanlage mit 180 kW, welche zwei Jahre später durch ein 265-kW-Aggregat ergänzt wurde. Sie stellten außerdem die Milchproduktion ein und errichteten 2007, 2010 und 2011 Photovoltaikanlagen. 2010 wurde ein 265-kW-Aggregat zu den beiden vorhandenen dazugestellt. So kann der Betrieb flexibel bei der Verstromung sein.

In acht Jahren endet die EEG-Zeit für die Biogasanlage. Deshalb hat sich Winfried Vees schon vor zwei Jahren dazu entschieden, in die Vermarktung des Biogases als Kraftstoff einzusteigen. So will er sich auf die Zeit vorbereiten, wenn es keine gesetzliche Abnahmeverpflichtung mehr gibt.

Da in praktikabler Entfernung zum Hof keine Erdgasleitung liegt, fiel die Entscheidung für eine Inselanlage. Gemeinsam mit einem Ingenieurbüro errichtete er eine Gasaufbereitungsanlage für rund 15 m3/h. Den für Gasfahrzeuge nötigen Druck von 200 bar zu erzeugen macht wenig Probleme. Es gibt passende Verdichter.

Die Gasaufbereitung arbeitet mit einem Membranverfahren. Das Gas wird in Membrankontraktoren mit entsalztem Wasser in Kontakt gebracht. Da das CO2 eine viel höhere Wasserlöslichkeit als Methan hat, geht es bei Kontakt mit Wasser schneller in Lösung. Danach wird das CO2 mittels Unterdruck wieder aus dem Wasser entfernt. Für das Verfahren sind nur ein geringer Druck und wenig Strom erforderlich. Die komplette Gasaufbereitung einschließlich einem Druckspeicher ist in einem 40-Fuß-Container untergebracht. Ohne großen Aufwand ist eine Verdopplung der Aufbereitungskapazität möglich, Platz dafür ist im Container.

Ihre Erfahrungen mit Biogas und Photovoltaik gegen die Eheleute Vees gerne weiter: Aus dem alten Kuhstall wurde ein Seminarraum. Interessenten sind willkommen, um sich über Erneuerbare Energien auszutauschen. Mehr Informationen unter www.energiehof-weitenau.de.
 

Einen Kommentar von Jörg Möbius vom agrarmanager zu dem Thema finden sie hier: "Die Stimmung hellt sich auf"

Mobil mit Biomethan

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...