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Photovoltaikanlage: Lohnt sich die Investition noch?

Solaranlage auf Dach eines Milchviehstalls
am Mittwoch, 06.03.2019 - 09:38

Wer ausreichend Strom produziert, kann seinen Überschuss verkaufen. Ob diese Option ein lukratives Geschäftsmodell für Landwirte werden kann, erläutert Stefan Hader, Geschäftsführer der E.Vita GmbH Stuttgart, im Interview.

Lohnt es sich als Landwirt noch, in eine Photovoltaikanlage zu investieren?

Meine klare Antwort auf ihre Frage lautet ja. Als Energieversorger bekommen wir hautnah mit, wie sich der Energiemarkt entwickelt. Im Moment zersplittert sich der Markt sehr stark und die Dezentralisierung der Energieerzeugung steigt weiter an. Wenn ich als Landwirt vor der Wahl stünde, ob ich weiter Strom von außen beziehe oder mir Eigenerzeugungsanlagen beschaffe, ist die Antwort darauf relativ einfach.

In den kommenden Jahren wird es keine preisgünstigere Form der Energieversorgung geben, als den Strom, den ich selbst erzeuge, auch gleich selbst zu verbrauchen. Als Energiedienstleister raten wir jedem Betreiber, möglichst früh in die Eigenversorgung einzusteigen. Den Strom wird es nicht billiger geben. Und in dem Moment, in dem ich als Landwirt diesen Weg eingeschlagen habe, kann ich meinen restlichen Strom, den ich nicht nutze, veräußern.

Wer also einen neuen Stall plant, sollte sein Dach mit Solarpanels bestücken. Dabei kann man also nichts falsch machen?

Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist letztendlich ein Wirtschaftsunternehmen. Und wenn ich ein wirtschaftliches Unternehmen führe, ist es wichtig, dass ich eine möglichst hohe Stabilität in meiner Kalkulation habe und damit möglichst verlässlich für die Zukunft planen kann. Schauen Sie sich einfach mal die Strompreisentwicklung im vergangenen Jahr an. Wir hatten einen extremen Preisanstieg und wir sehen, dass alle, die Strom kaufen, mit diesem Anstieg nicht gerechnet haben und dementsprechend unzufrieden sind.

Wenn ich mir jetzt einen landwirtschaftlichen Betrieb nehme, der ausreichend Dachflächenfür Photovoltaikanlagen hat, dann hat er zwei riesige Vorteile: Erstens ist der Strom im Vergleich zu dem, was man kaufen kann, günstig. Das kann man durchrechnen, weil die Energiebezugskosten mittlerweile fast schon der kleinste Anteil sind. Zweitens: Je höher mein Eigenversorgungssanteil ist, umso stabiler ist mein Strompreis. Ich werde unabhängiger von den Entwicklungen am Markt, weil ich selber die Eigenversorgungsquote erhöhe. Das gibt mir die Möglichkeit – zumindest bei den Energiekosten – für die Zukunft meines Betriebs stabil zu planen. Der Strom wird nämlich nicht teurer als der Preis, zudem ich ihn erzeugte.

Grundsätzlich mag Ihre These stimmen, aber wenn man sich einen einzelnen Betrieb anschaut, entscheiden die Details, ob sich eine neue Energieerzeugungsanlage rentiert. Gibt es Kriterien, woran Sie die Entscheidung für eine PV-Anlage festmachen?

Entscheidend ist sicherlich, wie hoch mein Stromverbrauch ist. Wenn ich einen landwirtschaftlichen Betrieb mit überwiegender Tierhaltung habe, habe ich einen deutlich höheren Strombedarf, als wenn ich auf die Feldwirtschaft spezialisiert bin. Man sollte natürlich vermeiden, dass man zu überdimensioniert plant, und seine Erzeugungskapazitäten am Strombedarf ausrichten, den man braucht. Gleichzeitig haben andwirte den großen Vorteil, dass sie ausreichend Flächen haben.

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