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Biomasse

Potenzial von Bioabfällen nur zur Hälfte genutzt

von , am
13.12.2012

Magdeburg - Bioabfälle aus Haushalten in Sachsen-Anhalt bieten noch Potenzial für energetisch-stoffliche Nutzungen. Voraussetzung ist, dass eine optimierte Erfassung und Verwertung im Land erfolgt.

Neue Wege in der Biomassenutzung sind in Bayern künftig förderfähig. © www.landpixel.de
Das geht aus der aktuellen Biomassepotenzialstudie hervor, die in Magdeburg vorgestellt wurde. Im Vergleich zum Jahr 2006 wurden bis zum Jahr 2010 die Mengen an Bio- und Grünabfällen um 8.330 Tonnen pro Jahr gesteigert.
 
Die Analyse der derzeitigen Situation zeigt, dass in einigen Entsorgungsgebieten Potenzial zur weiteren Getrenntsammlung von Bio- und Grünabfall besteht. In diesen Gebieten, insbesondere den Entsorgungsgebieten, die bisher keine Bioabfallsammlung über Biotonne anbieten, sollten die Erfassungsmengen zukünftig weiter gesteigert werden.

Beinahe Verdoppelung möglich

Bei einer auf eine intensive Erfassung der Bio- und Grünabfälle ausgerichteten Abfallwirtschaft in allen Entsorgungsgebieten im Land wäre eine Erhöhung der über Biotonne erfassten Bioabfälle von ca. 120.000 Tonnen auf etwa 255.000 Tonnen pro Jahr und der Grünabfälle von rund 86.000 Tonnen auf ca. 150.000 Tonnen pro Jahr möglich. Die Staatssekretärin im Landwirtschafts- und Umweltministerium, Anne-Marie Keding sagte dazu: "Großes Potenzial sehe ich hierbei für die Kommunen. Eine dezentrale Energieversorgung ermöglicht, die Wertschöpfung aus Erneuerbaren Energien vor Ort zu belassen. Die energetisch-stoffliche Nutzung von Bioabfällen kann Konkurrenzen zur Nahrungsmittelproduktion verringern." Die Biomassepotenzialstudie biete dabei wichtige Handlungsempfehlungen für die weitere Arbeit der Abfallwirtschaft.

Eine Alternative zur Vergärung

Die Ergebnisse der Studie haben außerdem gezeigt, dass kein freies Potenzial in der Ernährungsbranche für energetische Nutzungen existiert. Durch Umlenkung von geeigneten Stoffströmen sind jedoch in begrenztem Maße Potenziale zu erschließen, was bereits das Interesse einiger Firmen geweckt hat. Das würde bedeuten, ein Teil der Abfälle, welche bisher in der Landwirtschaft verwertet werden bzw. ausschließlich kompostiert werden, könnten aufgrund ihrer stofflichen Eignung einer Vergärung mit anschließender Nachkompostierung zugeführt werden. Dadurch stünde zusätzlich ein frei verfügbares Potential von rund 57.000 Tonnen pro Jahr zur Verfügung.

Biomassepotenzialstudie im Fokus

Im Jahr 2007 wurde für das Land Sachsen-Anhalt die "Biomassepotenzialstudie Sachsen-Anhalt 2007 – derzeitige und zukünftige Potenziale sowie stoffliche und energetische Nutzungsmöglichkeiten" erarbeitet. Die vorliegende Studie – mit Bezugsjahr 2010 – versteht sich als vertiefende Ergänzung vorgenannter Studie für den Bereich der biogenen Stoffe und Abfälle aus den Wirtschaftszweigen Nahrungs- und Futtermittelherstellung, Getränkeherstellung sowie Gastronomie. Mit dieser Studie werden die theoretischen Betrachtungen und Berechnungen der Studie von 2007 um direkt für Sachsen- Anhalt erhobenes Datenmaterial und darauf basierende Berechnungen ergänzt. Die Studie wurde erarbeitet von der Dresdener Firma INTECTUS GmbH - Abfallwirtschaft und umweltintegratives Management.

Windenergie und Biomasse vorne

In Sachsen-Anhalt werden über 40 Prozent der Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Energien erbracht. Stärksten Anteil innerhalb der erneuerbaren Energien hat die Windenergie mit 65 Prozent. Mit einem Anteil von etwa 27 Prozent folgt die Produktion von Strom aus Biomasse an zweiter Stelle. Insgesamt sind im Land rund 275 Biogasanlagen in Betrieb.
  • Die Ergebnisse der Studie sind auf der Internetseite des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt (www.mlu.sachsen-anhalt.de) zu finden.
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