Login
Wind

Praxisbericht über eine Klein-Windkraftanlage

von , am
06.12.2013

Auf einer Alpe im Allgäuer Alpenvorland installierte ein findiger Konstrukteur ein Klein-Windkraftrad. Wie er dabei vorgegangen ist und welche Erfahrungen er gemacht hat, lesen Sie hier:

Neben seiner Klein-Windkraftanlage befindet sich auch eine Solaranlage auf der Alpe. © Klein-Windkraftanlagen.com
Der Betreiber, Günter Bischoff, ist vor zwanzig Jahren ins Allgäu gezogen und betreibt seitdem eine Alpe für Jungvieh. Ursprünglich war er Inhaber eines Konstruktionsbüros im Bereich Innenausbau. Sein technisches Verständnis erlaubte ihm die Umsetzung des Kleinwind-Projekts ohne größere externe Hilfe, berichtet das Fachportal Klein-Windkraftanlagen.com.
 
Wichtigster Beweggrund für den Betreiber sei der Wunsch nach einer aktiven Gestaltung der Energiewende gewesen. Wirtschaftlichkeit oder Rendite hingegen zweitrangig. Eine Amortisierung der Anlage erwarte er nicht. Die Erzeugung von Strom durch Windenergie macht ihn unabhängiger. Nicht zuletzt sei es der Spaß an der Technik, die Freude am Windrad merke man ihm an.

Zwei Drittel des Strom werden selbst verbraucht

Der durch die Kleinwindkraftanlage produzierte Strom werde über eine Stromleitung ins rund 700 Meter entfernte Wohnhaus transportiert. In den ersten beiden Betriebsjahren habe der Betreiber rund zwei Drittel des Windstroms selbst verbrauchen können. Überschüssigen Strom speise er ins Netz ein. Die Erteilung der Baugenehmigung für die Kleinwindkraftanlage habe ein halbes Jahr gedauert.

Standort der Kleinwindanlage

Die Lage und die unmittelbare Umgebung einer Kleinwindanlage seien entscheidend für die Windverhältnisse und resultierenden Stromerträge. Die Windturbine stehe auf einer Alpe in 1.040 Meter über NN an einem Südhang, eine freie Anströmung des Windes erfolge aus nordöstlicher bis südwestlicher Richtung. In westlicher Richtung vom Windgenerator befinde sich eine Fichtenzeile. Richtung Norden gehe es 15 Meter bergauf zu einem Bergkamm. Eine Installation unmittelbar in Kammlage war nicht vorteilhaft, da der in westlicher Richtung liegende Waldstreifen einen zu starken Einfluss auf die Windverhältnisse gehabt hätte. Aus westlicher und nördlicher Richtung sei somit das Windenergiepotenzial limitiert.

Der meiste Windstrom wird im Dezember und Januar erzeugt

Eine Aufzeichnung der Erträge eines Jahres im Zeitraum von Juli 2011 bis Juni 2012 ergebe eine Stromproduktion von 3.380 Kilowattstunden. In der Tabelle unten lasse sich gut erkennen, dass die Monate Dezember und Januar mit Abstand die höchsten Erträge bringen. 45 Prozent der jährlichen Stromproduktion fällt auf die beiden Wintermonate.

Die Suche nach dem passenden Windradanbieter

Bei der Suche nach einem geeigneten Kleinwindrad rät Günter Bischoff jedem Kleinwind-Interessenten, sich mindestens drei Referenzanlagen und deren Ertragszahlen zeigen zu lassen. Der Hersteller solle eine ehrliche Auskunft zu den Jahresenergieerträgen bei realistischen Windbedingungen geben (z.B. 4 Meter/Sekunde mittlere Jahreswindgeschwindigkeit). Vollmundigen Versprechungen der Anbieter, vor allem wenn sie allzu positiv sind, solle man kritisch begegnen. Schließlich habe er sich für die Heywind 5.0 vom Hersteller Heyde Windtechnik entschieden. Das Kleinwindrad mit einer Nennleistung von 5 kW bei 11 m/s Windgeschwindigkeit habe einen Rotordurchmesser von 4,5 m. Als Sturmsicherung umfasst die Heywind eine Helikopterstellung, d.h. bei zu starkem Wind schwenkt der Rotor nach hinten, um die Windangriffsfläche zu verringern.
 
Als Wechselrichter kommen zwei SMA Windyboy 3.300 zum Einsatz. Es erfolge eine Einspeisung auf zwei Phasen. Die Windturbine sitze auf einem Dreieck-Gittermast mit aufgesetztem Rohrmast im Flügelbereich, die Rotorhöhe betrage 15 Meter. Der Betreiber überprüfe täglich die Erträge der Windkraftanlage und erstelle langfristige Statistiken. Über eine Webcam habe er die Anlage jederzeit auf seinem Computer im Blick.    
Auch interessant