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Schwache Rapsernte setzt Biokraftstoffindustrie unter Druck

von , am
28.11.2011

Die schwächelnde europäische Biodieselindustrie gerät wohl unter zusätzlichen Druck: Aufgrund der enttäuschenden Rapsernte 2011 dürfte der Import von Biodiesel aus Drittstaaten zunehmen.

Die EU-Kommission hat die Entscheidung verschoben, ob sie die bestehenden Anti-Dumping-Zölle auf argentinischen und indonesischen Biodiesel deutlich abgesenkt. © Mühlhausen/landpixel
Laut einem Situationsbericht der US-Agrarattachés in mehreren EU-Mitgliedstaaten verfehlte die europäische Rapsernte mit 19,4 Millionen Tonnen das Vorjahresergebnis heuer um 1,3 Millionen Tonnen oder 6,3 Prozent. Allein in Deutschland fiel die Ernte um 1,6 Millionen Tonnen kleiner aus. Auch Polen, Rumänien und Dänemark droschen weniger Raps als noch 2010. Der Rückgang konnte durch besser als zunächst erwartete Produktionszahlen in Frankreich, Großbritannien, Österreich und Spanien nicht kompensiert werden.

Weltmarkt für Rapssaat weiter angespannt

Nach Einschätzung der US-Agrarexperten wird es der EU nur teilweise gelingen, die Versorgung durch höhere Rapseinfuhren aus der Ukraine, Australien und Kanada sicherzustellen. Der Weltmarkt für Rapssaat bleibt angespannt und die Preise sind hoch. Daher dürfte die Verwendung von Sonnenblumen zunehmen. Aber auch die Importe von Biodiesel aus Ländern wie Argentinien und Indonesien werden steigen, sagen die US-Agrarattachés voraus. Vor allem Mitgliedstaaten, die die gemeinschaftliche Erneuerbare-Energien-Richtlinie mit ihren Anforderungen an eine nachhaltige Erzeugung von Biokraftstoffen noch nicht umgesetzt haben, dürften vermehrt Ware aus Drittstaaten einführen. Das wird die Lage der europäischen Biodiesel-Hersteller erschweren.
 
EBB: Erneuerbare-Energien-Richtlinie schneller umsetzen
 
Nach Angaben des Europäischen Biodieselverbandes (EBB) litt die Industrie schon 2010 unter massiven Überkapazitäten. Die installierte Produktionskapazität von 21,9 Millionen Tonnen wurde bei einem Ausstoß von 9,6 Millionen Tonnen Biodiesel nur zu 44 Prozent ausgelastet. Heuer dürfte die Erzeugung erstmals in der Geschichte der noch jungen Branche im Vergleich zum Vorjahr sogar zurückgehen. Der EBB fordert die Europäische Union darum dringend auf, die Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie zu beschleunigen und faire Wettbewerbsbedingungen für Importware zu schaffen.
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