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Erneuerbare Energien

So befreien Sie kleine Photovoltaikanlagen von der Einkommensteuer

Solaranlage auf einem Garagendach
am Mittwoch, 23.06.2021 - 13:41 (Jetzt kommentieren)

Für den Ertrag aus Photovoltaikanlagen muss dem Finanzamt eine Gewinnprognose übermittelt werden – auch wenn es sich nur um eine kleine Solaranlage handelt. Das können Sie mit einem Antrag auf Liebhaberei vermeiden. Zuerst sollten Sie aber prüfen, ob sich dieser Schritt für Sie lohnt.

Ist eine Tätigkeit als Liebhaberei eingestuft, geht das Finanzamt davon aus, dass Sie mit ihr keinen Gewinn erzielen wollen. In der Folge werden die Gewinne, aber auch die Verluste aus der Tätigkeit nicht bei der Einkommensteuer berücksichtigt.

Kleine Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) führen in vielen Fällen mittlerweile kaum noch zu Gewinnen oder sogar zu Verlusten, erklärt das Steuerberatungsunternehmen Ecovis. Davon sind durch immer weiter sinkende Einspeisevergütungen immer mehr Betreiber von Photovoltaikanlagen betroffen. Der Gesamtgewinn kann so klein ausfallen, dass der Aufwand, die Solaranlage in der Steuererklärung aufzuführen, unverhältnismäßig hoch ist.

In diesem Fall können Sie unter bestimmten Voraussetzungen eine neue Vereinfachungsregel nutzen, die Ihre Photovoltaikanlage als Liebhaberei anerkennt.

Klarheit für Sie und das Finanzamt

Wie Ecovis erläutert, haben die Finanzämter in der Vergangenheit einerseits von den Anlagenbetreibern Nachweise über positive Totalgewinnprognosen gefordert, um die Erträge aus den Solaranlagen in der Einkommensteuererklärung zu berücksichtigen. In anderen Fällen seien Finanzämter davon ausgegangen, dass keine Gewinnerzielungsabsicht bestehe – hier sei die Liebhaberei also unterstellt worden. Für viele Anlagenbetreiber habe das bedeutet, dass sie ihre Anlaufverluste nicht anerkannt wurden.

Probleme mit dem Finanzamt kann es also sowohl bei Gewinnen als auch bei Verlusten geben. Mit einem Antrag auf Liebhaberei schaffen Sie für sich und die Behörde Klarheit. Doch der Antrag sollte gut überlegt sein.

Liebhaberei wirkt sich auf Vergangenheit und Zukunft aus

Der Antrag auf Liebhaberei gilt sowohl für die Zukunft als auch für alle noch änderbaren Vorjahre. „PV-Anlagenbetreiber sollten sich gut überlegen, ob sie den Antrag auf Liebhaberei stellen. Denn wenn das Finanzamt Bescheide der Vorjahre verfahrensrechtlich ändern kann, darf es dort bereits geltend gemachte Verluste streichen“, sagt Ecovis-Steuerberater Erwin Reichholf. Für die Vorjahre drohe dann eine Steuernachzahlung – schlimmstenfalls mit sechs Prozent Zinsen jährlich.

Reichholf weist aber darauf hin, dass die Vereinfachungsregel für viele Betreiber von Photovoltaikanlagen „eine echte Erleichterung“ ist. So entfalle auch die Einnahmenüberschussrechnung (Anlage EÜR) bei der Einkommensteuererklärung.

Auf die Umsatzsteuer hat der Antrag auf Liebhaberei laut Ecovis keinen Einfluss.

Welche Voraussetzungen muss meine Photovoltaikanlage erfüllen?

Die installierte Leistung der PV-Anlage darf maximal 10 kW betragen, um die Liebhaberei beantragen zu können.

Darüber hinaus muss sich Ihre Solaranlage auf einem Ein- oder Zweifamilienhausgrundstück befinden. Dabei muss es sich um ein Grundstück für eigene Wohnzwecke oder um ein unentgeltlich überlassenes Grundstück handeln. Wichtig ist, dass das Wohngrundstück privat genutzt wird. Garagen, Carports oder sonstige Installationsflächen auf dem Grundstück werden anerkannt, erläutert Ecovis.

Außerdem muss die Photovoltaikanlage nach dem 31. Dezember 2003 in Betrieb genommen worden sein.

Wie Ecovis mitteilt, werden auch vergleichbare Blockheizkraftwerke (BHKW) mit einer elektrischen Leistung von bis zu 2,5 kW begünstigt, wenn sie die sonstigen Voraussetzungen für Photovoltaikanlagen erfüllen.

Wie beantrage ich die Liebhaberei?

Den Antrag müssen Sie schriftlich bei Ihrem Finanzamt stellen. Es genügt ein einfacher Brief oder eine E-Mail. Bei der Beantragung müssen Sie deutlich machen, dass Sie die Vereinfachungsregelung nach dem Schreiben des Bundesministeriums für Finanzen vom 02.06.2021 nutzen wollen. Die Finanzverwaltungen stellen aber auch Musterformulare zur Verfügung, auf denen Felder für alle nötigen Pflichtangaben enthalten sind.

Aufgeführt werden müssen die Steuernummer, die Leistung der Anlage, das Datum der erstmaligen Inbetriebnahme und der Installationsort.

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