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Bioenergie

Aus Gülle und Klärschlamm: Hohenheimer stellen neuen Biokraftstoff her

Diesel tanken am Traktor
am Mittwoch, 07.07.2021 - 10:00 (Jetzt kommentieren)

Forscher haben Diesel aus Klärschlamm hergestellt. So könnte der Biomasse-Kraftstoff der Zukunft aussehen.

Wissenschaftlern ist es gelungen, aus Klärschlamm und anderer Biomasse Diesel und Kerosin zu produzieren. Auf diese Weise könnte die Kraftstoffproduktion in Zukunft nachhaltiger und klimafreundlicher funktionieren. 

Klärschlamm und Stroh im Dieseltank

Für die Produktion verwendeten die Forscher Klärschlamm, aber auch Spirulina-Algen und Weizenstroh. Auch bei Variationen der verschiedenen Zutaten war die Herstellung des Biomasse-Rohöls erfolgreich.

Außerdem zeigte sich, dass mit dem Verfahren auch Kraftstoffproduktion in einem industriellen Maßstab möglich ist. Das kann dazu beitragen, Alternativen zu fossilen Brennstoffen zu schaffen und den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Mit Hitze und Druck zu Öl

Mit dem neuartigen Hydrothermalen Liquefaktions-Prozess (HTL) lassen sich Kraftstoffe aus verschiedenen Arten von Biomasse oder -abfällen erzeugen.

Der HTL-Prozess wandelt Biomasse (mit einem Trockensubstanzgehalt von 20 %) in ein Bio-Rohöl um. Möglich machen das Temperaturen um 350 °C. Ein Druck von 200 bar bewirkt, dass die Flüssigkeit nicht verdampft.

Anschließend wird das Bio-Rohöl durch eine Behandlung mit Wasserstoff und hohem Druck weiter aufgewertet. So verschwinden Stickstoff und Sauerstoff aus dem Bio-Rohöl. Aus dem Endprodukt lassen sich verschiedene Kraftstoffe, etwa Diesel oder Kerosin destillieren.

Kraftstoffproduktion ohne Flächenkonkurrenz

Die Vorteile liegen auf der Hand: Nach Aussage der Entwickler ist der HTL-Prozess kostengünstiger als andere bisher verfügbare Wege der Kraftstoffproduktion aus Biomasse.

Da sich auch Klärschlamm oder Gülle dazu nutzen lassen, kann der HTL-Prozess außerdem zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft beitragen. So gibt es keine Flächenkonkurrenz mit der Lebens- und Futtermittelproduktion. Bislang werden Klärschlämme wegen möglicher Schadstoffbelastung größtenteils verbrannt.

Hinter der Entwicklung steht das europäische HyFlexFuel-Projekt. Daran beteiligt sind Forscher der Universitäten Hohenheim, Aarhus und Aalborg sowie des Deutschen Biomasseforschungszentrums e.V..

Mit Material von Universität Hohenheim
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