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Biogas

Streit um Biogas-Nutzungspfade

von , am
09.02.2011

München - Biogas ist in der kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung am effizientesten. Das hat die Agentur für Erneuerbare Energien herausgefunden. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe widerspricht den Thesen der AEE.

Die Warengenossenschaften profitierten von der Investitionsbereitschaft in erneuerbare Energien. © Mühlhausen/landpixel
Biogas erreicht seinen maximalen Wirkungs- und Versorgungsgrad, wenn es gleichzeitig zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. In der so genannten Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) weist es zudem die beste Klimabilanz auf. Zu diesem Ergebnis kommt die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) in einem Vergleich unterschiedlicher Nutzungspfade von Biogas hinsichtlich ihrer Strom- und Wärmeerträge, ihrer Wirkungsgrade, der Zahl der versorgten Haushalte und der jeweiligen Klimabilanz.
Aufgrund des begrenzten Flächenpotenzials für den Anbau von Energiepflanzen sollte Biogas so effizient wie möglich, also in KWK eingesetzt werden, empfiehlt die Agentur für Erneuerbare Energien. Eine Stromerzeugung ohne Wärmenutzung oder die rein thermische Verwendung von aufbereitetem Biogas in Erdgasthermen sei hingegen aus dieser Sicht suboptimal.
 

Fachagentur trägt Ergebnisse nicht mit

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) will die Ergebnisse der Biogas-Effizienvergleiches allerdings nicht mittragen: "Nach Einschätzung der FNR müssen auf absehbare Zeit verschiedene Verwertungsoptionen für Biogas parallel und technologieoffen entwickelt und implementiert werden, um die unter anderem im Energiekonzept der Bundesregierung formulierten langfristig orientierten politischen Ziele sinnvoll verwirklichen zu können. Hier kommt der Verbesserung der energetischen Effizienz entlang der gesamten Biogas-Nutzungskette eine prioritäre Aufgabe zu."
Eine abschließende, allgemeingültige Bewertung der beschriebenen Optionen hält die FNR insbesondere in der gewählten Form zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht. Zudem seien für den Biogas-Vergleich Randbedingungen gesetzt worden, deren Wahl das Ergebnis im Wesentlichen vorweg nehme. In der Interpretation der Ergebnisse durch die AEE werde dies nicht ausreichend hervorgehoben und begründet, wirft die Fachagentur Nachwachsen Rohstoffe dem Leistungsvergleich der Agentur für Erneuerbare Energien vor.
 

KWK-Nutzungsvarianten schnitten am Besten ab

Folgende Nutzungspfade von Biogas wurden von der AEE verglichen:
  1. KWK vor Ort:
    Biogas wird in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) für die Strom- und Wärmeerzeugung genutzt (= KWK); der Strom wird vollständig ins Netz eingespeist, die Wärme zu 60 Prozent vor Ort verbraucht.
  2. Einspeisung + KWK:
    Das Biogas wird auf Erdgasqualität aufbereitet, ins Erdgasnetz eingespeist und andernorts in einem BHKW für die Strom- und Wärmeerzeugung genutzt; der Strom wird vollständig ins Netz eingespeist, die Wärme zu 100 Prozent vor Ort verbraucht.
  3. Rein thermische Nutzung:
    Das Biogas wird auf Erdgasqualität aufbereitet, ins Erdgasnetz eingespeist und andernorts in einem Erdgasheizkessel zu Wärme, nicht jedoch zu Strom umgewandelt.
  4. Rein elektrische Nutzung:
    Das Biogas wird in einem BHKW für die Stromerzeugung genutzt; der Strom wird vollständig ins Netz eingespeist, die anfallende Wärme bleibt ungenutzt.
Verglichen wurden jeweils die Erträge aus Biogas von einem Hektar Maisanbau. Mit dieser Menge lassen sich den AEE-Ergebnissen zufolge beim Nutzungspfad "KWK vor Ort" statistisch 4,3 Haushalte mit Strom und 0,5 Haushalte mit Wärme versorgen. Bei der rein thermischen Nutzung könne mit derselben Menge Biogas lediglich der Wärmebedarf von 1,4 Haushalten gedeckt werden. Ähnlich seien die Größenverhältnisse auch in der Kategorie Klimaschutz: Gegenüber den Nutzungspfaden "KWK vor Ort" und "Einspeisung + KWK" könne bei der rein thermischen Nutzung von Biogas weniger als die Hälfte der Treibhausgase eingespart werden.
Im Ergebnis schnitten die von der AEE untersuchten Nutzungsvarianten mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in allen Kategorien am besten ab. Schlusslicht des Vergleichs war die reine Wärmeproduktion mit aufbereitetem Biogas in haushaltsüblichen Erdgasthermen. "Die Ergebnisse zeigen, dass eine eindimensionale Nutzung von Biogas lediglich zur Strom- oder Wärmeerzeugung nur zweite Wahl sein kann", bilanziert Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. (pd/ez)  

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