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Kosten für Strom

Strompreise fallen unter 20 Cent – Was haben Stromkunden davon?

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Dr. Olaf Zinke, agrarheute
am Montag, 19.12.2022 - 12:23 (Jetzt kommentieren)

Die Strompreise am Spotmarkt haben sich seit Anfang Dezember halbiert und lagen am Ende der vorigen Woche zwei Tage hintereinander unter 19 Cent je kWh. Auch am Terminmarkt gehen die Strompreise zurück, auch wenn nicht ganz so stark wie am Spotmarkt. Seltsamerweise fallen auch am Gasmarkt die Preise deutlich – und liegen am Montag nur noch bei 10,7 Cent je KWh im Vergleich zu mehr als 15 Cent zum Beginn der vorigen Woche.

Strompreise am Spotmarkt.

Am Sonntag (18.12) wurde Strom für den Baseload-Kontrakt am deutschen Spotmarkt mit 192 Euro je MWh gehandelt (Vorwoche: 434 Euro) und der Peakload-Termin kostete 247 Euro je MWh (Vorwoche 524 Euro).

Da reibt man sich doch verwundert die Augen – die Strom- und Gaspreise fallen am Spotmarkt, obgleich sich die Gasspeicher rasant geleert haben und die Bundesnetzagentur auch schon Alarm geschlagen hat. Doch der Markt interpretiert Daten und Marktaussichten offenbar anders als die Strom- und Gasversorger – die ihren Kunden durchweg Erhöhungen ab Januar geschickt haben und auch als die Politik.

Möglicherweise hat aber auch die in der vorigen Woche beschlossene Gas- und Strompreisbremse für den deutlichen Preisrückgang an den Spotmärkten und den Terminmärkten gesorgt. Auch in den anderen europäischen Ländern geben die Strompreise jedenfalls sehr deutlich nach. So lagen die Spotmarktpreise am Sonntag in Frankreich nur noch bei 200 Euro je MWh - im Vergleich zu 465 Euro in der Vorwoche. In den Niederlanden kostete der Strom aktuell 194 Euro je MWh - im Vergleich zu 428 Euro in der Vorwoche.

Auch am Terminmarkt sind die Preise für die kommenden Monate gefallen. So kostete der sogenannte Baseload-Kontrakt für den Dezembertermin rund 270 Euro je MWh bzw. 27 Cent je kWh. Für den Januar 2023 kostet Strom am Terminmark ebenfalls deutlich weniger als 40 Cent - nämlich nur 28,0 Cent je kWh.

Für den teuersten Monat – den Februar 2023 – mussten die Stromhändler und Versorger umgerechnet 29,6 Cent je kWh ausgeben, und damit deutlich weniger als die Verbraucher derzeit und künftig zahlen müssen (auch wenn man Netzgebühren und Steuern berücksichtigt).

Einigung auf deutlich niedrigeren Gaspreisdeckel in der EU

Gaspreise am Spotmarkt.

Die Erdgaspreise fallen im laufenden Handel am Montag (19.12) ebenfalls deutlich und notieren nur noch bei 108 Euro je MWh und damit auf dem niedrigsten Stand seit einem Monat - bei einem Rückgang von 30 % gegenüber der Vorwoche (152 Euro).

Offenbar lassen die Sorgen um die Gas- und Strom-Versorgung in Europa nach. Die erste Kältewelle in Europa geht zu Ende und auch die Industrienachfrage dürfte während der Weihnachtsfeiertage sinken, sagen Analysten.

Am 17. Dezember lag der EU-Gasspeicherstand bei 84,2 % der Kapazität. Analysten sehen den deutlich geschrumpften Füllstand, wegen der Rekord-LNG-Importe und der Verbesserung der Windenergieversorgung in Deutschland sowie durch die wieder bessere Verfügbarkeit von Kernenergie aus Frankreich, jedoch nicht als besonders kritisch an.

Gleichzeitig helfen fast 700 Milliarden Euro an staatlicher Unterstützung für Unternehmen und Haushalte in Europa bei der Bewältigung der Energiekrise.

Auf politischer Ebene wird außerdem erwartet, dass sich die Staats- und Regierungschefs der EU nach monatelangen Verhandlungen am heutigen Montag (19.12) endlich auf eine Gaspreisobergrenze einigen. Diese soll offenbar nur noch bei 188 Euro je MWh liegen.

Die Obergrenze würde dann ausgelöst, wenn die Gaspreise am wichtigsten europäischen Handelsplatz (TTF) drei Tage lang die Marke von 188 Euro pro Megawattstunde überschreiten. Die 188-Euro-Grenze wäre sehr viel niedriger als die ursprünglich von der Europäische Kommission vorgeschlagenen 275 Euro je MWh.

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