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Biogas

Stromdirektvermarktung: Managementprämie und Regelenergie

© Mühlhausen/landpixel
von , am
10.06.2015

Die Mehrheit der Biogasanlagen verkauft ihren Strom über Händler an der Strombörse. Was es mit Managementprämie und Regelenergie auf sich hat, lesen Sie hier.

Die Stromdirektvermarktung wurde für viele Betreiber von Biogasanlagen finanziell interessant. © Mühlhausen/landpixel
Als der Gesetzgeber 2012 das Marktprämienmodell einführte, entwickelte sich die Stromdirektvermarktung für Biogasanlagen zu einer finanziell interessanten Alternative zur Festeinspeisung. Das Modell garantiert, dass die Stromproduktion auch beim Verkauf an einen Direktvermarkter nicht unter die gesetzlich garantierte EEG-Vergütung fallen kann. 
 
Vergütungsexperte Michael Wolter von der Backmann & Domröse Unternehmensberatung gibt in der LAND & Forst einen kurzen Überblick über die Managementprämie sowie Regelenergie.

Feste Mehrerlöse durch Managementprämie

Im Rahmen des Marktprämienmodells garantierte man Biogasanlagen, zusätzlich zu der sicheren Vergütung nach dem jeweiligen EEG, eine Managementprämie, wenn diese ihren Strom an einen Direktvermarkter liefern. Die Managementprämie wird vom Energieversorgungsunternehmen gezahlt und stellt einen festen Mehrerlös durch die Direktvermarktung dar. In der Regel wird sie mit dem Direktvermarkter geteilt. In guten Verträgen erhält die Anlage etwa 75 % der gezahlten Prämie.

Bereitstellung von Regelleistung

Höhere Mehrerlöse erhoffte man sich anfangs durch die Bereitstellung von Regelleistung, so Michael Wolter. Bei der Regelleistung erhält der Betreiber der BiogasanlageGeld für die Reduzierung (negative Regelleistung) oder Steigerung (positive Regelleistung) der eigenen Produktion, wenn es im Übertragungsnetz zu Spannungsschwankungen kommt.

Steuerung durch Fernwirktechnik

Seit dem April 2015 ist die Fernsteuerbarkeit für Biogasanlagen, die in der Direktvermarktung sind, vorgeschrieben. Bei einigen kleineren Direktvermarktern werden die Kosten für die Fernwirktechnik sowie deren Einbau auf die Biogasanlage abgewälzt. Größere Direktvermarkter arbeiten hier mit einer Einbaupauschale, Pool- oder Marktgebühr, die in der Regel deutlich unter dem Preis liegt, den eine einzelne Anlage für Kauf und Einbau der Technik aufbringen muss.

Feste Aufteilung der Mehrerlöse

In den meisten Verträgen wird eine feste Aufteilung der Mehrerlöse aus der Regelleistung vereinbart. Je nach Direktvermarkter sowie Größe des Pools an Anlagen, die geschlossen bei einem Direktvermarkter unter Vertrag stehen, kann die Weiterleitung stark schwanken. In guten Verträgen werden hier Weiterleitungen von etwa 70% erzielt. Der Großteil der Erlöse aus der Regelleistung stammt aus dem Leistungspreis.

Der Leistungspreis: Vergütung der Möglichkeit zur Regelung

Der Leistungspreis wird für die einfache Bereitstellung von Regelleistung gezahlt, die im Bedarfsfall abgerufen werden kann. Hier ist es unerheblich, ob die Anlage tatsächlich nur teilweise oder überhaupt nicht geregelt wird. Vergütet wird die Möglichkeit zur Regelung.
 
Der Leistungspreis wird bei Ausschreibungen durch die Übertragungsnetzbetreiber ermittelt. Ein Direktvermarkter kann ein Angebot für Regelleistung abgeben, das im Fall der Annahme auch den Leistungspreis für die jeweilige Zeitscheibe vorgibt. Bei der Sekundärregelleistung gelten diese Preise für jeweils eine Woche.

Der Arbeitspreis: Vergütung der tatsächlichen Leistungsreduktion

Neben dem Leistungspreis erhält die Biogasanlage auch einen Arbeitspreis, der für die tatsächliche Leistungsreduktion ausgezahlt wird. Dieser Arbeitspreis wird in der Ausschreibung festgelegt. Je nach Höhe des Arbeitspreises kann die Anzahl der Leistungsreduktionen gesteuert werden, da die Schaltung einer Anlage nach der Höhe des verlangten Arbeitspreises erfolgt.

Leistungspreis deutlich gefallen

Der durchschnittliche Leistungspreis war in den letzten Jahren nur geringen Schwankungen ausgesetzt. In der Biogasbranche wurde die Regelleistung daher als eine gute Möglichkeit zur Generierung nicht unerheblicher Mehrerlöse angesehen.
 
Seit Anfang 2014 ist der Leistungspreis jedoch deutlich gefallen. Als Grund wird vor allem die bessere Steuerung der Stromnetze und Verbrauchseinheiten angeführt. Einen großen Anteil dürfte aber auch der Anstieg des Regelenergieangebots durch die vielen Biogasanlagen, die in die Regelleistung eingestiegen sind, haben.
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