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Erneuerbare Energien

Strommarkt ohne Zufallsgewinne – das Aus für die Alternative Biogas?

Aus den derzeit entstehenden Zufallsgewinnen können längst nicht alle Erzeuger von erneuerbarem Strom denselben Vorteil schöpfen, warnt das Hauptstadtbüro Bioenergie. Es könnte zu Stilllegungen von Biogasanlagen kommen.
am Montag, 12.09.2022 - 12:57 (4 Kommentare)

Das Hauptstadtbüro Bioenergie warnt: Wenn von Anlagen der Erneuerbaren Energien die Strommarkterlöse gedeckelt werden, droht eine teilweise Stilllegung von Bioenergieanlagen. Doch genau das sieht ein Vorschlag der EU-Kommission vor.

Den Deckel will die Kommission nach Angaben des Hauptstadtbüros Bioenergie bei Erlösen von über 20 Cent pro Kilowattstunde einführen. Ziel soll es sein, den Stromproduzenten einen Teil ihrer hohen Gewinne – sogenannte Zufallsgewinne – abzuschöpfen, um ihn für die Entlastung der Verbraucher zur Verfügung zu stellen.

Aus Sicht des Hauptstadtbüros Bioenergie werden die besonderen Umstände für die Betreiber von Biosenergieanlagen im Vorschlag der EU-Kommission aber nicht berücksichtigt. In der Folge könne es sogar zu Stilllegungen von Anlagen kommen. Die EU beziehungsweise die Bundesregierung würde gegen ihr eigenes Ziel arbeiten, wegen der Gas- und Energiekrise mehr Biogasstrom für den eigenen Markt zu produzieren.

Biogas nicht mit Windkraft oder Photovoltaik zu vergleichen

Für Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüro Bioenergie, ist der Kommissionsvorschlag „ein verheerendes Zeichen“ und „nicht zu Ende gedacht“. Er ignoriere die bestehenden energiewirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Unterschiede, die es zwischen der Stromerzeugung aus Biomasse und der Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie gibt.

Denn beim Betrieb von Biogasanlagen fallen Brennstoffkosten an. Wie die Betriebskosten in der Landwirtschaft seien diese mit Beginn des Kriegs in der Ukraine gestiegen. Eine Deckelung der Strommarkterlöse auf 20 Cent/kWh würde laut Rostek bedeuten, dass die meisten Anlagen ihre Brennstoffkosten nicht mehr decken können. Noch schwieriger werde es, für Ertüchtigungsinvestitionen Rücklagen zu bilden.

„Das Ziel der Bundesregierung zur Überbrückung der Gasmangellage mehr Biogasstrom in den Markt zu bringen und mehr erneuerbare Wärme bereitzustellen, wird nicht nur konterkariert. Vielmehr droht eine Teilstilllegung des Anlagenbestands“, sagt Rostek.

Flexible Stromerzeugung in Biogasanlagen lohnt sich nicht mehr

Hinzu komme, dass für Biogasanlagenbetreiber kein Anreiz mehr bestehe, flexibel Strom zu erzeugen. Wird der Strom aus Wind- und Solarenergie knapp, können Biogasanlagen mehr produzieren und somit den Anstieg der Börsenstrompreise dämpfen. Das Gesamtsystem wird stabilisiert.

Weil die Börsenstrompreise im Moment aber immer über 20 Cent/kWh liegen, wäre es für Biogasanlagenbetreiber nicht mehr attraktiv, die Stromerzeugung in Zeiten zu verlagern, in denen Windkraft- und Photovoltaikanlagen weniger produzieren. Durch die Abschöpfung der Mehrerlöse würde der Anreiz der Verlagerung verloren gehen. Auch Investitionen in den Anlagenflexibilisierung würden zurückgefahren.

Deckelung bremst Holzheizkraftwerke aus

Ökonomische Anreize benötigt darüber hinaus die Verbesserung der Leistung von Holzheizkraftwerken. Das flexible Umstellen zwischen der Erzeugung von elektrischer und thermischer Energie benötigt Wärmespeicher. Zum Ausbau der Wärmespeicher gebe es ebenfalls noch einen hohen Investitionsbedarf – und Investitionen müssten über den Strompreis belohnt werden.

„Die Bundesregierung muss deshalb unbedingt bei der Ausgestaltung der Erlösabschöpfung die Spezifika von Bioenergieanlagen berücksichtigen und sie von der pauschalen Deckelung der Strommarkterlöse bei 20 Cent/kWh ausnehmen. Die Bioenergieverbände arbeiten bereits an konstruktiven Vorschlägen“, kündigt die Leiterin des Büros an.

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