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Biomasse

Studie: Biokraftstoffe sind keine Preistreiber

von , am
20.06.2013

Brüssel - Biotreibstoffe sind nicht die Ursache für hohe und volatile agrarische Rohstoffpreise. Vielmehr würden grundlegende Marktfaktoren wie Ölpreis, Wechselkurse, Wetterextreme und Ad-hoc-Handelspolitik-Einschränkungen ihre Wirkung zeigen.

Als problematisch bezeichnete Baumann die Obergrenze für auf Anbaubiomasse basierte Biokraftstoffe. © Heino Pattschull/fotolia.com
Dies geht aus einer Studie der Universität Gießen hervor, die bei einer gemeinsamen Konferenz von der deutschen Union zur Förderung von Öl und Proteinpflanzen (UFOP), dem Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) und den EU-Landwirte- und -Genossenschaftsverbänden Copa-Cogeca in Brüssel präsentiert wurde.

Perspektiven für die Armutsbekämpfung

"Vor dem Hintergrund, dass lokale Märkte in den Entwicklungsländern regelmäßig von den Veränderungen der globalen Agrarpreise ausgenommen werden, hatten starke Preisschwankungen in den vergangenen Jahren nur einen minimalen Einfluss auf Regionen, in denen Menschen Hunger leiden. Diese Entkopplung der Märkte in den Entwicklungsländern führt aber häufig zu einer Verschärfung der Hungerproblematik", sagte Michael Schmitz von der deutschen Universität Gießen und Autor der Studie "Do biofuels contribute to price volatility and food insecurity?"
 
Hunger und Armut seien vielmehr das Ergebnis schlechter Regierungen, von Korruption und Bürgerkriegen sowie extremer Wetterereignisse. Schmitz sieht in Biokraftstoffen durchaus eine Chance für einige Entwicklungs- und Schwellenländer mit zusätzlichen Export-Einnahmen und gleichzeitiger Senkung der Import-Aufwendungen für fossile Energieträger.

Glaubwürdige Argumentation gefordert

Kritik übte Jo Swinnen, von der Universität Löwen, Belgien, am thematischen Kurswechsel von internationalen und Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) in den vergangenen Jahren. "Wurden bis zum Jahr 2006 weltweit niedrige Agrarpreise als ein Faktor für den globalen Hunger ausgemacht, sind es seit 2009 die hohen Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe. NGOs haben ihre Argumentation völlig gedreht, was die Frage aufwirft, wie glaubwürdig die Kritik vor 2006 und seit 2009 wirklich ist ", zeigte Swinnen auf.
 
In der Tat könnte die Situation auf den eigenen Haushalt heruntergebrochen werden: "Lebensmittel-Produzenten profitieren von hohen Preisen und Konsumenten leiden darunter ", so Swinnen, der von den NGOs eine differenzierte Auseinandersetzung forderte, auch wenn es um Biokraftstoffe gehe.

Pesonen: Positive Nebeneffekte mit großer Wirkung

"Die Diskussion "Teller versus Tank " bewegt sich abseits der Realität und in eine völlig falsche Richtung ", warnte Pekka Pesonen, Generalsekretär von Copa-Cogeca. Schließlich würde die Produktion von Biokraftstoff gleichzeitig wertvolles Futtermittel liefern. Der Großteil des Getreides verbleibe in der Futtermittelwirtschaft. "Werden weniger Biodiesel und Bioethanol in Europa hergestellt - wie es einige NGOs fordern -, muss die EU mehr Sojaschrot importieren", warnte der Generalsekretär.
 
Darüber hinaus würde die Produktion von Biokraftstoffen in der Europäischen Union den Bodenbedarf in Nicht-EU-Ländern entlasten und der Abholzung von tropischen Regenwäldern entgegenwirken. "Einschnitte bei Biotreibstoffen werden die Abhängigkeit von Futtermitteln in der EU erhöhen und die Biodiversität weiter einschränken. Die "Teller versus Tank "-Debatte ist fehlgeleitet - Politiker sollten dem ein Ende setzen", forderte Pesonen.
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