Login
Spezielles

Studie: Energiewende wird billiger als gedacht

von , am
20.03.2013

Berlin - Umweltminister Peter Altmaier hat für die Energiewende Kosten in Höhe von einer Billion Euro angekündigt. Eine neue Untersuchung widerlegt diesen Betrag.

Energiegenossenschaften: Das Rezept um EEG-Projekte durchzusetzen? © Mühlhausen/landpixel
Die Energiewende wird deutlich günstiger als von Bundesumweltminister Peter Altmaier behauptet. Das geht zumindest aus einer Gegenrechnung zu den Kosten der energetischen Neuausrichtung Deutschlands hervor, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) und der Energiegenossenschaft Greenpeace Energy vorgenommen hat.
 
"Altmaiers `Billion` summiert falsche Kosten und verschweigt mögliche Erträge", erklärte der Leiter Energiepolitik bei Greenpeace Energy, Marcel Keiffenheim. Mit seiner einseitigen Darstellung blende der Bundesumweltminister die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Chancen der Energiewende aus.

Mehrkosten zu hoch angesetzt

"Schon heute wissen die Bürger und Unternehmer, dass die volkswirtschaftlichen und ökologischen Gewinne bei weitem den Aufwand für den Umbau unserer Energieversorgung rechtfertigen; wir sollten diese Motivation alle gemeinsam erhalten", ergänzte BEE-Geschäftsführer Dr. Hermann Falk. Nach seinen Angaben haben die Wissenschaftler die Kostenblöcke der Altmaier-Rechnung analysiert, aus denen sich die "Billionen-Schätzung" zusammensetzt. Die FÖS-Analyse ergibt laut BEE, dass allein die Mehrkosten für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien dreimal zu hoch beziffert sind. Während Altmaiers Rechnung 677 Milliarden Euro ansetze, fielen hier netto nur 203 Milliarden Euro und damit weniger als ein Drittel an.

Vermeidung von Umweltschäden

Noch bedeutsamer sei, dass Altmaiers Rechnung die Ersparnisse durch vermiedene Umweltschäden ausklammere, hob Falk hervor. Dazu zählt er etwa den geringeren Ausstoß von Treibhausgasen; dafür seien laut Analyse 362 Milliarden Euro zu verbuchen. Ziehe man davon die Mehrkosten für regenerativ erzeugten Strom ab, bleibe unterm Strich bei den reinen Stromerzeugungskosten eine Ersparnis von 159 Milliarden Euro. Erstaunlich sei außerdem, dass der Bundesumweltminister in seiner Kostenschätzung sämtliche makroökonomischen Effekte ignoriere, die der Ausbau erneuerbarer Energien mit sich bringe: "Vermiedene Importe fossiler Brennstoffe in Milliardenhöhe werden genauso wenig berücksichtigt wie die starken Konjunkturimpulse für die heimische Wirtschaft", kritisierte Falk.

Fragwürdige "Billion-Rechnung"

Die FÖS-Studie lege ferner offen, dass Altmaiers "Billionen-Schätzung" weder die Jahr für Jahr sinkenden Vergütungssätze für Neuanlagen noch die preissenkenden Effekte der "Erneuerbaren" an der Strombörse berücksichtige. Unbeachtet blieben auch die Milliardensummen, die in konventionelle Kraftwerke investiert werden müssten, gäbe es die Energiewende nicht.
Auch interessant