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Studie: Ökologische Vorteile durch Offshore-Windparks

von , am
05.11.2013

Ein neues Gutachten besagt, dass das Leben im Meer von Offshore-Windparks profitieren kann. Umweltschützer jedoch zeigen sich kritisch gegenüber diesen Erkenntnissen.

Eine neue Studie zeigt die Vorteile von Offshore-Windparks für die Unterwasserwelt auf. © Eva Eckinger
Die Studie wurde vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zusammen mit den Bundesministerien für Umwelt und Verkehr initiiert. Untersucht wurde während der letzten fünf Jahre das Gebiet rund um den Testpark Alpha Ventus, der 45 Kilometer nördlich von Borkum liegt. Dort sind Windräder in einer Wassertiefe von circa 30 Metern angebracht.
 
Alpha Ventus ist einer von zwei großen Windparks in der Nordsee, während sich sieben weitere in Ost- und Nordsee gerade im Bau befinden. Er war der erste, der 2010 in Betrieb genommen wurde und verfügt über neueste Methoden wie Bilderfassungssysteme zur Analyse von Vogelbewegungen sowie Fischecholote.

Größere Artenvielfalt

Bei den Untersuchungen hat man nun festgestellt, dass die Artenvielfalt an Fischen gewachsen ist. Es wurde ein Anstieg von bisher dort eher weniger verbreiteten Fischarten wie Seebull, Makrele und Leierfisch registriert. Auch die Zahl an Muscheln, Seesternen, Seeanemonen oder Seelilien wuchs im Beobachtungszeitraum merklich.

Gründe für die positive Entwicklung

Grund für die reichere Artenvielfalt sei der Wegfall der Schleppnetzfischerei in dieser Gegend. Zudem entstehen aus den Fundamenten der Windturbinen künstliche Riffe, die in Expertenkreisen schon länger als mögliche neue Biotope für Meeresorganismen untersucht werden. So beschäftigt sich unter anderem ein Projekt des Alfred-Wegener-Instituts mit der Ansiedlung von Hummern in Windparks.

Einfluß auf die Vogelwelt

Während die Unterwasserwelt scheinbar von den Offshore-Anlagen profitiert, zeigen Meeresvögel unterschiedliche Reaktionen. So suchen Möwen dort Nahrung und lassen sich keineswegs von den Windparks abschrecken. Basstölpel und Seetaucher hingegen halten sich eher fern.
 
Entgegen der Befürchtungen geraten Seevögel laut BSH auch nur selten in die großen Windräder: "Die Bewegungen und Beleuchtungen der Windenergieanlagen scheinen die Vögel zu verscheuchen. Das senkt das Kollisionsrisiko erheblich". Jedoch räumte man ein, dass die endgültigen Auswirkungen in vollem Umfang noch unklar sind.

Meeressäuger unbeeinflusst

Auch bei streng geschützten Meeressäugern wie Schweinswalen hatte man befürchtet, sie würden sich weiterhin fern halten, nachdem sie in der Bauphase bis zu 20 Kilometer Abstand gehalten hatten. Doch seit bei den Anlagen Normalbetrieb herrscht, kommen auch sie wieder zurück. Mittlerweile wurde zudem ein Lärmgrenzwert festgelegt, der von den Windparkbetreibern eingehalten werden muss.

Kritik durch Umweltschützer

Die vorgestellte Studie wird von Umweltschützern hingegen scharf kritisiert. Die gewonnenen Erkenntnisse seien keineswegs so positiv und aussagekräftig, wie sie von der Regierung dargestellt werden. So meint Nadja Ziebarth, Bund-Meeresschutzexpertin: "Dass einige Fischarten beim Wegfall der Fischerei zunehmen, sagt mehr über die Überfischung, als über einen positiven Effekt von Windanlagen aus." Ziebarth kritisierte auch den Lärmgrenzwert zum Schutz der Schweinswale beim Bau der Offshore-Anlagen. Dieser werde meist nicht eingehalten.
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