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Aus der Wirtschaft

Tankstellen vermelden Absatzplus für E10

von , am
11.03.2011

Berlin - Im Chaos um den Biosprit E10 gibt es ein Zeichen der Entspannung: Einige Tankstellen melden ein Absatzplus. Nach wie vor gilt E10 aber als Ladenhüter.

CropEnergies wirft Brüssel vor, durch andauernde Diskussionen das Marktwachstum und auch die Einführung von E10 in EU-Ländern zu bremsen. © Gerd Altmann/pixelio.de
Die freien Tankstellen in Deutschland verspüren in einzelnen Regionen einen leicht anziehenden Verkauf beim Biosprit E10. "Wir haben den Eindruck, dass es langsam besser wird", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (bft), Axel Graf Bülow. Er wollte aber keine konkreten Zahlen nennen, auch der Rest der Branche gibt sich weiter bedeckt. Dennoch gilt E10 vielerorts als Ladenhüter. Nach den beim "Benzingipfel" vereinbarten besseren Informations- und Werbemaßnahmen hoffe der bft, dass es rasch eine Trendwende gibt. Bülow betonte, dass die sogenannte E10-Winterware bis April verkauft werden müsse.

DBV befürwortet Biosprit

Ein Befürworter der E10-Einführung ist auch der Vorsitzende des Fachauschusses Nachwachsende Rohstoffe des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Rainer Tietböhl. E10 sei klimafreundlich und nachhaltig produziert. Beim "Benzin-Gipfel" erklärte er: "Den Beschlüssen zum Klimaschutz müssen auch die Erfolg versprechenden Taten folgen." Die Markteinführung von E10 an den Tankstellen sei ein konsequenter Schritt zur Umsetzung der Klimaziele. "Zudem kann die Landwirtschaft mit den nachwachsenden Rohstoffen eine größere Unabhängigkeit von den Erdölimporten für die Wirtschaft Deutschlands leisten", betonte Tietböhl. Die Vorteile für die Umwelt erkenne man daran, dass Bioethanol aus deutscher Produktion vom Acker bis in den Tank heute nur halb so viel CO2 verursache. Es seien Verringerungen der Treibhausgase um 70 Prozent möglich, stellte der DBV-Vorsitzende fest.

Absatz muss gesteigert werden

Mit mehr Biosprit will die Regierung das Klima schützen und Deutschland unabhängiger vom Öl machen. Die Einführung geht auf die Biosprit-Richtlinie der EU von 2009 zurück. Sie schreibt vor, dass bis 2020 zehn Prozent der im Verkehr verbrauchten Energie erneuerbar sein muss. Um das  Ziel zu erreichen, setzen neben Deutschland mehrere Regierungen auf E10. Der Super-Biosprit mit zehn Prozent Ethanol aus Getreide und Zuckerrüben soll zur neuen Haupt-Benzinsorte werden. Bisher macht E10 aber nach Schätzungen nur einen Anteil von 40 Prozent am gesamten Superbenzin-Verkauf aus. Da die Mineralölbranche von einem 90-Prozent-Anteil ausgegangen war, muss sie nun sehen, wie mit einer besseren Information der Verbraucher der Absatz gesteigert werden kann.
Bundesweit gibt es 15.000 Tankstellen, an denen E10 aber vorerst nur an etwa jeder zweiten zu haben ist. 93 Prozent der Autos vertragen den Sprit.

Angst vor Motorschäden bei Verbrauchern

Die Polizei in Schleswig-Holstein tankt weiterhin Super - der Biosprit E10 ist aus Angst vor Motorschäden tabu. "Bevor wir einen Teil unseres Fuhrparks lahmlegen oder größere Reparaturen riskieren, gehen wir auf Nummer sicher", sagte Sprecherin Jessica Wessel in Kiel. Die auch auf dem "Benzingipfel" nicht eindeutig geklärte Haftungsfrage und die Tatsache, dass Autofahrer wohl mit teuren Gutachten einen E10-Motorschaden beweisen müssten, gelten als Hauptgründe für die Zurückhaltung an den Zapfsäulen.
Linke-Chef Klaus Ernst fordert zur Beruhigung der Autofahrer ein E10-Verträglichkeitssiegel. "Es muss verbindliche Schadenersatzregeln geben", sagte Ernst der dpa. Listen an Tankstellen, Briefe und vage Versicherungen reichten nicht aus. 

Schlechte Informationspolitik: Mehrheit der Deutschen gegen E10

Nur zehn Prozent der Deutschen wollen laut "ARD-Deutschlandtrend" den umstrittenen Biosprit E10 tanken. 61 Prozent der Deutschen sind demnach dafür, die Einführung zu stoppen, nur 32 Prozent der Befragten wollen, dass die Einführung von E10 fortgesetzt wird.
Für die schlechte Informationspolitik machen 51 Prozent der Deutschen die Bundesregierung verantwortlich. 29 Prozent meinen, dass dafür in erster Linie die Mineralölkonzerne verantwortlich sind. Neun Prozent sehen die Verantwortung für die schlechte Informationspolitik bei den Autoherstellern.
 
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