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Biogas

'Trog oder Tank' statt 'Teller oder Tank'

© Liane M./fotolia
von , am
07.05.2013

Anders als vermutet, konkurriert Biogas nicht mit der Lebensmittel-, sondern mit der Futtermittelproduktion. Diese Ansicht vertritt Christian Böse von der E.ON Bioerdgas GmbH.

Christian Böse, Leiter der Abteilung Substratmanagement bei der E.ON Bioerdgas GmbH. © Werkbild
Christian Böse leitet bei der E.ON Bioerdgas GmbH die Abteilung Substratmanagement. Der ehemalige Berater der EU-Kommission und Weltbank beobachtet die nationalen und internationalen Agrarmärkte. Nach seiner Einschätzung liegt der Einfluss von Biogas auf die Weltagrarpreise bei 0,5 Prozent, erklärt er im Gespräch mit Rouven Zietz, Redakteur der dlv-Fachzeitschrift Joule.

Trog oder Tank, statt Teller oder Tank

In Deutschland schwelt nach wie vor die Thematik Tank gegen Teller. Christian Böse sieht die Konkurrenz hingegen eher zwischen Trog oder Tank. "In Deutschland werden fas 60 Prozent der Fläche für den Anbau von Futter-, nicht für Nahrungsmittel genutzt. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass am Ende 30 bis 40 Prozent der vom Verbraucher gekauften Lebensmittel in den Müll geworfen werden, relativiert sich das sehr schnell."
 
Weltagrarpreise nur wenig von Energieproduktion beeinflusst
 
Insgesamt schätzt Böse den Anteil der Energieproduktion aus nachwachsenden Rohstoffen an der Weltagrarpreisen als gering ein. Der deutsche Anteil an den weltweiten Energieflächen betrage lediglich 0,14 Prozent. "Schon daran kann man erkennen, dass der Einfluss auf die Weltagrarpreise minimal ist", so Böse. In Deutschland werden seiner Aussage zufolge auf sechs bis sieben Prozent Pflanzen für Biogas angebaut - dies entspreche aber auch der Fläche, die hierzulande zwischen 2004 und 2005 stillgelegt gewesen sei.

Erneuerbare Energie keine Konkurrenz zur Welternährung
 
Auch für die Zukunft sieht Böse keine wirklich Konkurrenz zwischen der Produktion von erneuerbarer Energie und der Welternährung. "Die Welternährungsorganisation geht davon aus, dass in den Jahren 2005 bis 2050 70 Prozent mehr Nahrungsmittel produziert werden müssen, um die wachsende Bevölkerung, aber auch das sich ändernde Konsumverhalten beispielsweise in China und Indien abfangen zu können".
Böse gibt zu bedenken, dass die Nahrungsmittelproduktion in den zurückliegenden 50 Jahren um 148 Prozent gestiegen sei. "Wir müssten also nur knapp die Hälfte der jährlichen Wachstumsrate haben wie in den letzten 50 Jahren. Das wird in den Entwicklungs- und Schwellenländern realisiert." Denn dort sei noch großes Potential - sowohl beim Ertrag, als auch bei den Flächen - vorhanden.
Das ganze Gespräch können Sie sich hier als Podcast anhören ...
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