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Biomasse

UBA ruft zu stärkerer Kaskadennutzung von Biomasse auf

von , am
28.02.2014

Dessau-Roßlau - Die Kaskadennutzung von Biomasse weist eine bessere Ökobilanz auf als alle anderen Nutzungsvarianten für nachwachsende Rohstoffe und sollte deshalb in Zukunft stärker gefördert werden.

UBA ruft zu stärkerer Kaskadennutzung von Biomasse auf Stofflichen Einsatz und anschließende energetische Nutzung von Biomasse spart fossile Rohstoffe und vermindert Treibhausgasemissionen. © Christian Mahlknecht/Fotolia
Das ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts, bei dem Wissenschaftler von der nova-Institut GmbH im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) die Ressourceneffizienz bei der Verwendung von Biomasse und Biokraftstoffen untersucht haben.
 
Wie das UBA berichtete, lassen sich durch den primären stofflichen Einsatz und die darauf folgende energetische Nutzung nachwachsender Rohstoffe fossile Rohstoffe einsparen, Treibhausgasemissionen vermindern und die Wertschöpfung steigern. Daher sollte Holz in einer längeren Verwertungskette vorzugsweise zuerst als Baumaterial oder für die Holzwerkstoffindustrie im Anschluss zum Beispiel für Möbel genutzt werden und erst danach als Holzpellet für die Energiegewinnung.

Beste Ökobilanz bei Nutzungskaskade

"Die beste Form, Biomasse einzusetzen, ist die Kaskadennutzung", so UBA-Vizepräsident Thomas Holzmann in seinem Resümee. Holz oder andere pflanzliche Stoffe müssten folglich im Sinne einer ressourcenschonenden Wirtschaftsweise so lange wie möglich stofflich genutzt werden. Das Umweltbundesamt und die Forschergruppe empfehlen deshalb, die Kaskadennutzung in den Mittelpunkt einer langfristigen Strategie für eine ressourceneffiziente und nachhaltige Biomassenutzung zu stellen. Nach Angaben des Projektteams zeigen Ökobilanzen, dass die stoffliche Nutzung von Biomasse viele Parallelen zur energetischen Biomassenutzung aufweist. Die Kaskadennutzung des Rohstoffs, bei der sich die energetische an die stoffliche Nutzung anschließe, sei jedoch einer rein energetischen Nutzung weit überlegen.

Stoffliche Nutzung bietet Vorteile

Den Angaben der Forscher zufolge bietet die stoffliche Nutzung auch ökonomische Vorteile, da sie, bezogen auf die gleiche Menge an Biomasse, die fünf- bis zehnfache Bruttowertschöpfung und ebensolche Beschäftigungseffekte schaffe.
 
Das UBA wies in diesem Zusammenhang jedoch darauf hin, dass die stoffliche Biomassenutzung derzeit nicht finanziell gefördert wird. Gegenüber der energetischen Biomassenutzung sei sie deshalb kaum wettbewerbsfähig, zumal der Anbau von Energiepflanzen, deren Verarbeitung und der direkte Einsatz zur Energiegewinnung stark subventioniert seien, was eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Kaskadennutzung verhindere.

Wettbewerbsverzerrungen verringern

Um die bestehenden Wettbewerbsverzerrungen zugunsten der stofflichen Nutzung von Biomasse zu verringern, schlägt das UBA vor, die Kaskadennutzung in der Erneuerbaren-Energie-Richtlinie der EU (RED) sowie bei deren nationaler Umsetzung, dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), deutlich besserzustellen als die direkte energetische Nutzung frischer Biomasse.

Erhöhung der Umsatzsteuer auf Brennholz?

Weitere Ansätze sieht das Umweltbundesamt beim Marktanreizprogramm (MAP), für das es eine schrittweise Kürzung der Förderung für die Wärmeerzeugung durch Biomasseanlagen empfiehlt. Dadurch soll die Nachfrage nach Scheitholz-, Hackschnitzel- und Pelletheizungen sinken und die Konkurrenz um Holz zwischen dem stofflichen und energetischen Sektor entschärft werden. Um dieses Ziel zu erreichen, plädiert das UBA darüber hinaus für eine Erhöhung der Umsatzsteuer auf Brennholz.
In Deutschland werden derzeit nach Angaben des Umweltbundesamtes etwa 90 Millionen Tonnen an nachwachsenden Rohstoffen eingesetzt. Knapp die Hälfte davon wird stofflich genutzt, die andere Hälfte energetisch. Mengenmäßig ist Holz der wichtigste nachwachsende Rohstoff.
 
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