Login
Biogas

Uni Kassel erforscht Nutzung der Abwärme aus Biogas

von , am
19.08.2011

Witzenhausen - Wohin mit der Abwärme? Diese Frage stellen sich viele Betreiber und Investoren von Biogasanlagen, die häufig auf der "grünen Wiese" gebaut werden.

Die KTG Energie AG setzt positive Entwicklung im 1. Quartal fort. © Mühlhausen/landpixel
Im Hinblick auf die Nutzung der Wärme aus der Biogasverbrennung in Schweineställen und Gewächshäusern, bei der Getreidetrocknung oder Milchkühlung haben Wissenschaftler des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel in Witzenhausen ein Forschungsprojekt gestartet.
 
Dabei soll im Rahmen des Forschungsvorhabens Nutzung von Abwärme aus Bioenergie in der Landwirtschaft (NABEL) ein leicht zu bedienendes Software-Werkzeug entwickelt werden, das voraussichtlich Anfang nächsten Jahres allen Interessenten auf einer frei zugänglichen Internetplattform zur Verfügung stehen wird.

Online Wirtschaftlichkeit berechnen

Betreiber und interessierte Betriebsleiter können dann mit Daten zur Art der Anlage, des eingesetzten Substrats und einer Reihe von innerbetrieblichen Wärmenutzungsoptionen die Wirtschaftlichkeit ihrer Anlage durchrechnen. Wie die Universität weiter mitteilte, fragen sich viele Betreiber und Investoren, wie die Abwärme sinnvoll genutzt werden kann. Bisher entweiche die thermische Energie aus den Blockheizkraftwerken (BHKW) noch viel zu oft ungenutzt in die Luft, betonte die Universität. Diese Verschwendung enge den finanziellen Spielraum der Anlagenbetreiber ein und sei zudem wegen der Kohlendioxidemission gefährlich für das Klima. Eine bessere Nutzung der Abwärme könne den Anlagebetreibern zusätzliche Einahmen generieren und so die Rentabilität erhöhen.

Nachteile für große Anlagen

Nach Angaben der Universität geht der Trend beim Biogas zu immer größeren Anlagen. Vor zehn Jahren noch hätten große Anlagen eine elektrische Leistung von 500 kW gehabt, heute seien Bioreaktoren mit 1,5 MW Leistung keine Seltenheit, erklärte Betriebswirtschaftler Torsten Siegmeier, der mit den Professoren Detlev Möller vom Fachgebiet Betriebswirtschaft und Oliver Hensel, Fachgebietsleiter Agrartechnik, sowie Informatikern des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) zusammenarbeitet. Aber gerade mit der Größe der Biogasanlage wachse das Problem der überschüssigen Wärme, die neben dem Strom produziert werde. Denn nur rund 40 Prozent des Biogases würden im Blockheizkraftwerk in elektrische Energie umgewandelt, der Rest sei Wärme. Und davon werde nur etwa ein Drittel benötigt, um den Bakterien in den Gärbehältern die Arbeit zu erleichtern.

Überschüssige Wärme nutzen

Für die Betreiber großer Anlagen sei es schwierig, die Abwärme sinnvoll zu nutzen, erläuterte Siegmeier. Häufig fehle dem Biogaserzeuger ein Abnehmer, weil seine Anlage kilometerweit entfernt liege und ein Transport über Leitungen wirtschaftlich nicht darstellbar sei. Auf Basis von Zahlen des Bundesumweltministeriums von 2009 liege die ungenutzte Wärmemenge aus der Biogasverstromung bei bis zu 8 TWh, so die Einschätzung Siegmeiers. Andererseits schrumpften die Margen der Anlagenbetreiber, weil die staatliche Einspeisevergütung für ihren Strom sinke. Da biete die Nutzung der überschüssigen Wärme im landwirtschaftlichen Betrieb die Chance, leichter die Rentabilitätsschwelle zu erreichen, hob Siegmeier hervor. Allerdings seien dabei Landwirte im Vorteil, die nicht nur auf Biogas setzten, sondern noch weitere Betriebszweige hätten, die die Wärme auch verbrauchen könnten. Nicht umsonst hätten Biolandwirte mit ihren traditionell vielfältigen Hofstrukturen kaum Probleme, die überschüssige Wärme ihrer eher kleinen Biogasanlagen unterzubringen.
Auch interessant