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Biomasse

US-Bioethanolexporte in die EU sollen auf den Prüfstand

von , am
09.11.2011

Brüssel - Nach den Biodieselherstellern klagt jetzt auch die EU-Bioethanolbranche über unlauteren Wettbewerb durch US-Unternehmen.

Europäische Hersteller von Bioethanol beklagen sich über die Handelspraktiken von US-Unternehmen. © Mühlhausen/landpixel
Der EU-Dachverband ePURE verlangt von der Europäischen Kommission die Prüfung, ob unfaire Handelspraktiken vorliegen. In einer Pressemitteilung wirft ePURE den Vereinigten Staaten vor, eine umfassende Subventionspolitik "auf allen Regierungsebenen" zu fahren. Vergünstigungen der Verbrauchs- und Einkommenssteuern seien nur die Spitze des Eisbergs.
 
Eine solche Förderung sei nur legitim, solange dadurch die Entwicklung der Bioethanolerzeugung für Treibstoffzwecke nicht in anderen Ländern beschnitten werde. Da sich jedoch der US-Markt kurz vor der Sättigung befinde, hätten die Hersteller beschlossen, einen immer größeren Teil ihrer Produktion in die EU zu liefern.

Aggressive Preisstrategie erlaubt

Nach Angaben der europäischen Branchenvertreter sind Importe aus den USA allein von 2008 bis 2010 um mehr als 500 Prozent gestiegen. Für das laufende Jahr wird eine weitere Verdopplung befürchtet. Diese Entwicklung sei die direkte Folge der US-Subventionen; dadurch werde den Herstellern auf der anderen Seite des Atlantiks erlaubt, auf dem EU-Markt eine aggressive Preisstrategie zu fahren. Der Generaldirektor von ePURE, Rob Vierhout, sieht dadurch die wirtschaftliche Entwicklung des EU-Sektors ernsthaft beschädigt. Schließlich sei die europäische Bioethanolindustrie verglichen mit der US-Konkurrenz klein und befinde sich noch in der Startphase.

Strafzölle auf US-Importe erheben

Die Situation sei umso bedrohlicher, da in Europa aufgrund der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie äußerst günstige Marktaussichten für Bioethanol vorherrschten. Vierhout zeigte sich überzeugt, dass die Kommission der Argumentation von ePURE folgen und Strafzölle auf US-Ethanollieferungen erheben werde. Bereits vor einer Entscheidung sollen die US-Importe registriert werden, um rückwirkende Strafzahlungen zu ermöglichen. Der europäische Biodieselsektor profitiert bereits seit 2009 von hohen Zusatzzöllen, die auf Einfuhren von US-Ware aus Sojaöl erhoben werden. Damals entschied die Kommission im Sinne der EU-Hersteller, die sich über unfaire US-Subventionen massiv beschwert hatten.
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