Login
Spezielles

Verbände: E10-Verbot 'wirkungslose Symbolpolitik'

von , am
16.08.2012

Bonn/Berlin - Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hat gestern einen 'sofortigen Verkaufsstopp' für E10 gefordert. Bioenergie und -kraftstoffverbände halten wenig von den Plänen.

Helmut Lamp, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes BioEnergie. © BBE
Helmut Lamp, BBE: 'Hätte das von Ihnen nicht erwartet'
 
Helmut Lamp, Vorsitzender des Vorstandes des Bundesverbandes BioEnergie (BBE) und Landwirt in Schleswig-Holstein wendet sich in einem offenen Brief an Entwicklungsminister Dirk Niebel: "Seit den Nachrichten über die Dürre in den USA erwartete ich schon solche und ähnliche Reaktionen - nur nicht von Ihnen. Ihr Haus hatte - zu Beginn Ihrer Amtszeit - ein wirklich ausgewogenes Konzept hinsichtlich der Zielsetzungen der Bioenergie in Entwicklungsländern vorgestellt."
 
Um Hunger in Schwellen- und Entwicklungsländern zu verhindern, solle man diese Länder bei der Umstellung auf zukunftsgerechte Anbaumethoden unterstützen - für höhere Ernten und größere Rentabilität. "Die Bruttoauszahlung der deutschen Entwicklungshilfe zur Förderung zukunftsgerechter Landbaumethoden in unterentwickelten Ländern verringerte sich von 108,8 Millionen euro in 1998 auf 56,35 Millionen Euro in 2006. Es wäre interessant zu erfahren, wie sich seitdem die Förderung entwickelt hat und welche Projekte unterstützt werden", fragt Lamp. Und weiter: "Es wäre wünschenswert, wenn Sie sich einerseits für zukunftsträchtige Landwirtschaftssysteme in Entwicklungsländern einsetzen und zudem Vorschläge entwickeln würden, wie der Vernichtung bzw. Entsorgung von über einem Drittel der weltweit einzufahrenden Ernte (FAO) verhindert werden könnte."

Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie: Wirkungslose Symbolpolitik

Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie. © VDB
"Ein Verbot von E10 wäre nichts anderes als Symbolpolitik, weil die bei weitem überwiegende globale Nachfrage nach Getreide und Mais nicht von den Bioethanolherstellern, sondern aus dem Futtermittelsektor kommt", sagt Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Ein E10-Verbot habe keine Auswirkungen auf die Ernährungssituation in Entwicklungsländern.
 
Hunger, so Baumann, entstehe durch Bürgerkriege, Korruption, Klimawandel und Armut. Bioethanol als Sündenbock zu präsentieren, führe nicht zu einer Lösung des Problems. Vielfach seien die Weltmärkte abgekoppelt von den lokalen Handelsplätzen in Entwicklungsländern, auf denen sich die Menschen mit Lebensmitteln eindecken. Preisschwankungen auf den Weltmärkten führten daher nicht automatisch zu Schwankungen der Preise im Inland. "Durch diese unbedachte Äußerung widerspricht er (Niebel, Anm. der Redaktion) nicht nur der bisherigen Politik seines Hauses, die Biokraftstoffe als Chance gerade für Entwicklungsländer begreift, sondern er verunsichert abermals die deutsche Industrie und bezieht damit eine ähnlich irrige Position wie seine Vorgängerin im Amt", sagte Baumann.
Auch interessant