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Wärmewende

Wärmepumpen-Offensive: Von diesen Förderungen profitieren Landwirte

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am Mittwoch, 06.07.2022 - 14:00 (Jetzt kommentieren)

Wärmepumpen sollen ein wichtiger Bestandteil bei der Umstellung der Heizungssysteme sein. Die Bundesregierung hat ambitionierte Ziele und fördert die Installation von Wärmepumpen. Auch Landwirte mit Tierhaltung können von den Förderungen profitieren.

Die deutsche Bundesregierung will im Zuge der Wärmewende unabhängig von fossiler Energien aus Russland werden und den Klimaschutz vorantreiben. Wärmepumpen sollen Gas- und Ölheizungen weitgehend ersetzen, aber es herrscht ein großer Mangel an Fachkräften, der die geplante Wärmepumpen-Offensive der Bundesregierung bremst.

6 Millionen Wärmepumpen bis 2030

Wirtschafts- und Klimaschutzminister Rober Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) sprach in einem virtuellen Treffen mit Unternehmern und Verbänden von einem erreichbaren Ziel. Bis zum Jahr 2030 sollen in Deutschland rund 6 Millionen Wärmepumpen installiert werden. Im vergangenen Jahr seien es immerhin 150.000 Wärmepumpen gewesen, die in Deutschland neu eingebaut wurden. Im Jahr 2024 müssten es 500.000 neue Wärmepumpen sein, um das Ziel zu erreichen. Laut Habeck sei das erreichbar.

Wo kommen Wärmepumpen in der Landwirtschaft zum Einsatz?

In der landwirtschaftlichen Produktion spielen Wärmepumpen vor allem in der Tierhaltung eine wichtige Rolle. Besonders bei der Geflügel- und Schweinemast entstehen hohe Energiekosten aufgrund des kontinuierlichen Wärmebedarfs. Für Wärmepumpen in der Landwirtschaft dienen beispielsweise die Güllegrubbe, Wasserquellen und Brunnen oder Erdwärmekollektoren als Energiequellen für die Wärme. Wärmepumpen können die Wärme auch über die Dachabsaugung beziehen. Bei Stallgebäuden mit ohnehin großen Dachflächen eine sinnvolle Nutzung der anfallenden Wärme durch Sonneneinstrahlung. Der Einsatz einer Wärmepumpe im Stall kann dabei helfen, die Energiekosten im Betrieb zu senken.

Wie werden Wärmepumpen gefördert?

Über zwei Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sollen energetische Stadtsanierung und gebäudeübergreifende Quartierssanierung mitentwickelt werden. «Wärmepumpen müssen sich auch jene leisten können, die mit schmalem Geldbeutel haushalten müssen», sagt Klara Geywitz (SPD), die Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Der Einbau einer Wärmepumpe wird bisher auf Antrag entweder in Form eines Zuschusses vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder in Form eines zinsgünstigen Kredits der KfW-Bank gefördert. Die Fördergelder des BAFA und der KfW sind in der „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) zusammengefasst.

Wie hoch sind die Förderungen für Wärmepumpen?

Das förderfähige Mindestinvestitionsvolumen im BEG liegt bei 2.000 Euro brutto. Der Fördersatz für Wärmepumpen liegt bei 35 Prozent. Beim Austausch von Ölheizungen durch Wärmepumpen wird zusätzlich ein Bonus in Höhe von 10 Prozent gewährt. Mit einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) im Rahmen der Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude sind weitere 5 Prozent Bonus möglich. Bei der vollen Ausschöpfung aller Fördermöglichkeiten wird die Neuinstallation einer Wärmepumpe mit 50 Prozent aus staatlichen Mitteln mitfinanziert. Energieerzeugungsanlagen, die nach dem Gesetz für den Ausbau Erneuerbarer Energien (EEG) oder nach dem Gesetz für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG) gefördert werden, können nicht über das BEG gefördert werden.

Lange Lieferzeiten und Fachkräftemangel

Das Interesse an Wärmepumpen ist zuletzt stark gestiegen, so dass es bereits jetzt zu langen Lieferzeiten und Engpässen bei der Installation sowie bei den Netzanschlüssen kommen könne. Von der Produktion bis zum Handwerk fehle es an Fachkräften, heißt es aus Habecks Ministerium. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Industriegewerkschaft Metall (IGM) sind dagegen der Meinung, es gäbe genug Fachkräfte. Aber schlechte Arbeitsbedingungen und Bezhalung würden zur Abwanderung in andere Branchen führen.

Energie-Expertin fordert mehr Biogas

Die Energieexpertin Lamia Messari-Becker von der Uni Siegen äußerte sich gegenüber der dpa: «Wärmepumpen funktionieren gut im Neubau. Doch die Herausforderungen des Klimaschutzes liegen im Bestand.» Es gebe nicht die eine Lösung, stattdessen sollte die Bundesregierung dringend vielfältige technische Wege zulassen. «Es fehlt eine echte Wärmewende. Man ist immer noch auf Strom fokussiert», so Messari-Becker weiter. Die Expertin fordert, vermehrt auf Geothermie und Biogas zu setzen.

Mit Material von dpa, Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Viessmann, Arwego
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