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Wind

Windenergieflächen: Potential in Deutschland größer als gedacht

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von , am
19.06.2013

Leipzig - Für die Erzeugung von Energie aus Windkraft sind offenbar deutlich mehr Flächen auf dem deutschen Festland geeignet als bisher angenommen.

Länderöffnungsklausel fällt bei Anhörung im Bundestag durch. © Mühlhausen/landpixel
Wie das Umweltbundesamt (UBA) auf Basis einer neuen Studie mitteilte, lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen wie der Einbeziehung modernster Anlagen bis zu 13,8 Prozent der deutschen Landesfläche für die Windenergie nutzen, ohne sensible Schutzgebiete erheblich zu beeinträchtigen oder Abstriche beim gesetzlichen Lärmschutz zu machen.
 
Theoretisch ließe sich auf dieser Fläche eine Strommenge erzeugen, die den in bisherigen Szenarien angenommen Bedarf an landseitiger Windenergie deutlich übersteigt.

Keine Windkraft in Schutzgebieten

"Grundsätzlich ist für den Ausbau der Windenergie an Land mehr Platz vorhanden als wir praktisch brauchen, selbst dann, wenn man innerhalb des Erneuerbaren-Energie-Mixes den Anteil der Windenergie an Land vergrößert", erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Um die aktuellen Klimaziele zu erreichen, müsse das Potential nur zu einem kleinen Teil ausgeschöpft werden. Bundesweit betrachtet bestehe damit ein großer Gestaltungsspielraum für den Ausbau der Windenergie an Land und für den künftigen erneuerbaren Energiemix insgesamt.
 
Angesichts des absehbar größeren Flächenpools für Windenergie forderte der Präsident vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), Olaf Tschimpke, Windkraftanlagen künftig nur noch auf Flächen auszuweisen, die für die Natur unbedenklich seien.

Theoretischer Bedarf weit überschritten

Das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) hatte im Auftrag des UBA berechnet, welche Fläche in Deutschland sich prinzipiell für die Windenergienutzung eignet. Das errechnete Flächenpotential war dabei an detaillierte Annahmen geknüpft. Neben den Siedlungsbereichen wurden Nationalparke und andere Schutzgebiete sowie Straßen, Wasserflächen und Flughäfen ausgeschlossen.
 
In der Summe ließen sich laut IWES theoretisch knapp 14 Prozent der Landesfläche für Windenergieanlagen nutzen. Das entspricht einer Leistung von 1.200 GW. Diese Menge übersteigt bei weitem die Leistung an Windkraft, die das UBA voraussetzt, um die Stromerzeugung mit Offshore-Windenergie, Photovoltaik, Wasserkraft und Geothermie zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen. Danach würde man im Jahr 2050 etwa 60 GW Windenergie an Land benötigen.

Offshore-Windenergie bleibt wichtig

Flasbarth zufolge stellen die Ergebnisse der UBA-Studie die Windkraft auf See und deren weitere Förderung nicht in Frage. Bis zur Mitte des Jahrhunderts müsse aber darüber nachgedacht werden, in welcher Größenordnung der Ausbau der Windkraft auf See erfolgen solle. "Trotz des hohen Windenergiepotentials an Land ist die Kombination mit anderen regenerativen Energiequellen wie Photovoltaik und Windenergie auf See wichtig und sinnvoll", betonte der UBA-Präsident.
 
Verschiedene Studien zeigten, dass ein hoher Anteil von erneuerbaren Energien an der Stromversorgung nur mit einem geeigneten Technologiemix erreichbar sei, um die fluktuierende Verfügbarkeit unterschiedlicher erneuerbarer Energiequellen auszugleichen. Die Potentialstudie mache aber deutlich, dass beim Ausbau der Windenergie an Land Spielraum bestehe.

Bewohner frühzeitig beteiligen

"Die vom UBA ermittelte Fläche ist mehr als genug, um den Strombedarf Deutschlands mehrfach zu decken; daher sollten künftig grundsätzlich keine Windkraftanlagen mehr in Schutzgebieten wie Nationalparken, Natura2000- und Naturschutzgebieten geprüft, geschweige denn erlaubt werden", verlangte Tschimpke. Der NABU setze sich zudem dafür ein, bei Windenergieprojekten, die einen entsprechenden Abstand zu Wohnhäusern wegen Lärm, Schattenwurf, Reflektionen an Rotorblättern oder Beleuchtung erforderten, die Bewohner frühzeitig und umfassend an der Planung und Umsetzung der Anlagen zu beteiligen. Auch die Auswirkungen auf Natur und Landschaft müssten künftig stärker berücksichtigt werden, so der NABU-Präsident.

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