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Ratgeber Steuern

Windkraftanlagen: Abschreibung setzt Ende des Probebetriebs voraus

Landwirtschaftliche Flächen mit Windkraftanlagen
am Mittwoch, 24.11.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Wer eine Windkraftanlage gewinnmindernd abschreiben will, muss Eigentümer der Anlage sein. Der Übergang in wirtschaftliches Eigentum setzt in der Regel allerdings einen abgeschlossenen Probebetrieb voraus.

Im Urteil des Finanzgerichts Münster, auf das sich das Beratungsunternehmen Ecovis bezieht, geht es um eine Windenergieparkbetreiberin, die die Absetzung für Abnutzung (AfA) für mehrere Windkraftanlagen geltend machen wollte. Weil sich die Windkraftanlagen noch im Probebetrieb befanden und ihre endgültige Abnahme deshalb noch nicht stattgefunden hatte, zog das Finanzamt keine AfA ab. Dagegen klagte die Betreiberin. Das Finanzgericht Münster wies die Klage als unbegründet zurück.

Schon für die Zeit des Probebetriebs, der 2017 startete, erhielt die Betreiberin laut Ecovis die Erlöse aus dem eingespeisten Strom. Endgültig abgenommen wurden die Windräder erst im darauffolgenden Jahr. Damit erst wechselten sie den Eigentümer. Für 2017 konnte die Betreiberin die AfA also nicht in Anspruch nehmen. Wenn Sie als Landwirt Eigentümer einer oder mehrerer Anlagen sind, können Sie für die Zeit des Probebetriebs also nicht mit einer Abschreibung rechnen.

Zum AfA-Abzug ist kein Beteiligter berechtigt

Wie Ecovis erläutert, kann für Windkraftanlagen im Probebetrieb weder der Anlagenhersteller noch der spätere Betreiber beziehungsweise Eigentümer die Abschreibung nutzen. Hier habe die Entscheidung aus Münster, aber auch ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) von 2016 für Klarheit gesorgt (Az. IV R 1/14). Schon damals war für die Richter des BFH der Zeitpunkt des Übergangs des wirtschaftlichen Eigentums für die AfA entscheidend gewesen. Auch in diesem Fall fand die Abnahme mit dem Eigentümerwechsel erst nach einem Probebetrieb statt.

Die Entscheidung aus Münster legt das BFH-Urteil zugrunde. Diese Argumentation zog das Finanzamt zuvor ebenfalls heran. Die Windenergieparkbetreiberin wollte allerdings nicht nur die Windkraftanlage, sondern auch die externe Verkabelung und die Zufahrt abschreiben. In der Gewinnermittlung seien die AfA-Abzüge ausgewiesen worden – das Finanzamt ließ keinen davon zu. In ihrer Klage kündigte die Betreiberin an, die Möglichkeit eines passiven Rechnungsabgrenzungsposten nutzen zu wollen, sollte das Gericht zu einer anderen Rechtsauffassung kommen. Damit wollte die Klägerin die Erlöse aus der Stromeinspeisung für die Zeit des Probebetriebs mindern.

Höhere Abschreibung durch geringere Nutzungsdauer

Die Bildung des passiven Rechnungsabgrenzungsposten erklärte das Finanzgericht Münster für unzulässig. Hierfür hätte es Einnahmen geben müssen, die nach einem Abschlussstichtag erzielt wurden. Die Einspeisevergütung für 2017 hat die Betreiberin jedoch erhalten und konnte sie dem folgenden Jahr nicht mehr zurechnen.

Laut Ecovis wurde im Urteil außerdem die Rückstellung für den Rückbau der Windenergieanlagen behandelt. Das Gericht kam zu dem Entschluss, dass die Bildung einer Rückstellung ebenfalls unzulässig ist. Wie auch bei der Abschreibung wäre Voraussetzung für die Rückstellung gewesen, dass das wirtschaftliche Eigentum an die Betreiberin bereits übergangen ist.

Dass die Abnutzung der Windkraftanlagen schon im Probebetrieb begonnen hat, stellte für die Richter laut Ecovis kein Problem dar. Carmen Eibl, Steuerberaterin bei Ecovis, erklärt, wie Sie diesen Nachteil als Eigentümer in den Folgejahren wieder ausgleichen können: „Man könnte später nach dem Übergang des wirtschaftlichen Eigentums an den Windenergieanlagen gegebenenfalls von einer geringeren Restnutzungsdauer ausgehen als in den amtlichen AfA-Tabellen vorgesehen. So ließe sich durch einen dementsprechend höheren Abschreibungssatz zumindest der Gewinn in den Folgejahren mindern.“

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