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Recycling

Nach Ende der EEG-Vergütung: Windräder rückbauen oder weiterbetreiben

Windenergieanlage
am Dienstag, 29.11.2022 - 09:45 (Jetzt kommentieren)

Bis 2025 werden Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 15.000 MW aus der EEG-Vergütung fallen. Für viele Betreiber stellt sich dann die Frage, Weiterbetrieb oder Rückbau und recyceln? Das sind die Vor- und Nachteile und Herausforderungen.

Zum Stichtag am 31. September 2022 waren in Deutschland insgesamt 28.404 Windenergieanlagen (WEA) mit einer kumulierten Leistung von 57.320 Megawatt (MW) am Netz. Davon waren Ende 2021 laut Erhebung der Fachagentur Windenergie an Land rund 2.300 WEA mit einer Leistung von 6.300 MW auf Waldflächen in Betrieb. Von den insgesamt 11,4 Millionen ha Waldfläche in Deutschland werden weniger als 0,01 Prozent für die Windenergie genutzt. Zur Anzahl der WEA auf landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen dem Bundesverband WindEnergie e.V. keine Zahlen vor.

Bis zum Jahr 2025 werden Anlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 15.000 MW aus der EEG-Förderung fallen. Auch nach dem Ende der Vergütung können die Anlagen selbstverständlich weiterbetrieben werden; eine Pflicht zu Dekomissionierung nach Ablauf der Förderung gibt es laut BWE nicht. Ob die Anlagen ohne die EEG-Förderung jedoch noch wirtschaftlich zu betreiben sind, ist in erster Linie vom Strompreis abhängig. Die Frage des Weiterbetriebs liegt somit letztlich in den Händen der Betreiber. Windenergieanlagen können nach Ablauf ihrer Lebenszeit (in der Regel 20 bis 25 Jahre) laut BWE vollständig rückgebaut und wiederverwertet werden.

So läuft der Rückbau von Windenergieanlagen ab

Die Bedingungen für den Rückbau werden in der Regel in der Baugenehmigung erwähnt und im Pachtvertrag geklärt. Landesrechtlich ist geregelt, in welcher Form die Baugenehmigungsbehörde die Einhaltung der Verpflichtung sicherstellen. So wird in manchen Bundesländern laut BWE verlangt, die Rückbaukosten bereits bei Projektbeginn durch eine Bürgschaft abzusichern. Die Höhe der Sicherheitsleistung richtet sich laut BWE nach den Kosten, die voraussichtlich für den vollständigen Rückbau der Windenergieanlage - einschließlich der Wiederherstellung eines ordnungsgemäßen Zustandes des Grundstücks aufgewandt werden müssen. Erwartete Erträge aus dem Verkauf von Teilen werden dabei berücksichtigt.

Oft ist es rentabel eine Windenergieanlage vor ihrer Ablaufzeit abzubauen und durch eine neue, größere Anlage zu ersetzen (sogenanntes Repowering). Dies ist möglich, wenn die Fläche planungsrechtlich weiter für die Nutzung der Windenergie gesichert ist. Die alte Anlage kann dann womöglich sogar wiederverkauft und weiterhin genutzt werden. Es besteht laut BWE noch ein gut funktionierender Markt für Altanlagen. Die ehemaligen GUS-Staaten und Südosteuropa sind dabei wichtige Abnehmer, aber auch einzelne afrikanische Staaten.

Windenergieanlage lässt sich in Recyclingkreisläufe zurückführen

Angesichts des vermutlich ansteigenden Rückbaus arbeitet die Branche laut BWE intensiv an Recyclingkonzepten. Wird der Rückbau einer Anlage erforderlich, lassen sich 80 – 90 Prozent der Komponenten, die metallhaltigen Anlagenteile, die gesamte Elektrik sowie die Fundamente und der Turm (Stahl-, Kupfer-, Aluminium- und Betonkomponenten) in etablierte Recyclingkreisläufe zurückführen.

Stahl und Kupfer werden für den Rohmaterialpreis weiterverkauft und für andere Konstruktionen wiederverwertet. Beton und Fundamentteile werden zerstückelt und zum Beispiel für den Straßenbau als Aufschüttung verwendet. Auch die aus Faserverbundstoffen bestehenden Rotorblätter von Windenergieanlagen sind für die Recyclingbranche kein Neuland, da Bootsrümpfe, Flugzeugteile und andere Faserverbundteile (zum Beispiel aus der Automobilindustrie) ebenfalls entsorgt werden. Neben der thermischen Verwertung arbeitet die Branche laut BWE intensiv an neuen Konzepten, um die Rohstoffwiederverwertung zu verbessern. Insgesamt sind alle einschlägigen Vorschriften zum Umgang mit Abfällen in der Technischen Anleitung (TA) Abfall definiert.

Der BWE sieht noch einige Herausforderungen beim Recycling von WEA

Bisher wurden verhältnismäßig wenige Anlagen zurückgebaut. Ein Teil dieser Anlagen wurde auf den Zweitmarkt, zumeist außerhalb der EU umgesetzt. Die in Recyclingkreisläufe rückzuführenden Stoffmengen sind deshalb bisher sehr überschaubar. Dadurch konnten sich noch keine allgemein gültigen Verfahren oder Standards etablieren. Es gibt eine Vielzahl von Unternehmen, die sich mit dem Rückbau von Windenergieanlagen befassen und dafür in Abstimmung mit den unteren Abfallbehörden eigene Regeln erarbeitet haben.

Derzeit fehlt noch ein passender Abfallschlüssel für GFK/CFK in der Abfallverzeichnis-Verordnung. Um ein guten Verwertungsprozess zu ermöglichen, sind detaillierte Informationen über die Materialzusammensetzung der Windenergieanlagen erforderlich. Da ein Teil der Hersteller inzwischen nicht mehr am Markt ist, gestaltet sich dies für den bestehenden Anlagenpark schwierig.

Die Nachfrage nach sekundären Rohstoffen ist aktuell zu gering und von Vorbehalten auch durch die Qualitätsverluste des recycelten Materials geprägt. Um recycelte Materialien gezielt in neuen Produktgruppen einzusetzen, braucht es eine Informationsoffensive, die ähnlich wie bei der Verwendung von Recyclingpapier für eine breite Akzeptanz sorgt. Zudem spricht sich der BWE ausdrücklich für einen europäischen Standard aus.

Mit Material von BWE

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