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Milchmarkt

Molkerei empfiehlt Rinderzucht auf A2-Milch

Milchkannen vor Haus
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Ariane Haubner, Fleckvieh
am
21.03.2018

Immer häufiger ist in den Medien über das Thema A2-Milch zu hören bzw. zu lesen. Reine A2-Milch sei für den Menschen besser verträglich und gesünder als A1-Milch. Zwar sei der Gesundheitswert der A2-Milch wissenschaftlich hoch umstritten, wie die Molkerei Milchwerke Berchtesgadener Land in Piding in ihrem Rundschreiben vom 16.3.2018 anmerkt, aber der Trend sei nicht abschätzbar.

Empfehlungen für die Rinderzucht

In dem Rundschreiben empfiehlt die Molkerei deshalb ihren Lieferanten damit zu beginnen, ihren Tierbestand über züchterische Maßnahmen auf reine A2-Tiere umzustellen. „Wir empfehlen daher schon heute die Besamung mit A2A2-Bullen“, ist fettgedruckt zu lesen. Außerdem können die Landwirte ihre Kühe und Kälber auf den A2-Status hin selektieren. Die Molkerei hat dazu bei einem Labor Sonderkonditionen für ihre Landwirte ausgehandelt.

Vorausschauend oder populistisches Marketing

Logo Molkerei Berchtesgadener Land

Eine züchterische Bearbeitung sei mit viel Zeit verbunden. Sollte sich aber die A2-Milch durchsetzen, befürchtet die Molkerei, dass A1-Kälber in Zukunft schlechter zu vermarkten sind, als reine A2-Tiere. Ob die Molkerei plant, die aus den züchterischen Maßnahmen und Anstrengungen der Landwirte resultierende reine A2-Milch dann auch besser zu bezahlen, oder die aktuelle A2-A1-Mischmilch vielleicht sogar schlechter, geht aus dem Rundschreiben nicht hervor. 

A1/A2-Milch – was steckt dahinter?

A1 und A2 bezieht sich auf das Beta-Kasein der Milch, welches unter den vielen Kasein-Eiweißen, mit rund 30 Prozent, den höchsten Anteil hat. Innerhalb der bisher bekannten 15 Betakasein-Varianten sind die Beta-Kaseinvarianten A1 und A2 am häufigsten anzutreffen. A2 gilt als die ursprüngliche Variante, weitere Varianten wie A1 sind im Laufe der Evolution des Rindes entstanden.

Die Beta-Kasein-Varianten A1 und A2 sind bei den verschiedenen Rinderrassen unterschiedlich stark verbreitet. Beim Fleckvieh z.B. liegt die Frequenz des A2-Allels bei 60 bis 65 Prozent.

Folgen für die Fleckviehzucht

Eine radikale Selektion auf die A2-Variante hätte Folgen für die aktuelle Fleckviehzucht. Zwei Drittel der Selektionskandidaten kämen nicht mehr in Frage. Sortiert man in der Zuchtwertdatenbank die nachkommengeprüften Stiere nach A2A2, bleiben aktuell 70 Bullen übrig. Bei den genomischen Jungvererbern finden sich knapp 300 in der Datenbank. Ein verlangsamter Zuchtfortschritt wäre nur eine Folge. Das länderübergreifende Zuchtwertschätzteam (D/AT/CZ) rät deshalb abzuwarten bis belastbare, wissenschaftlich abgesicherte Fakten zur A1/A2-Thematik vorliegen.

Mehr dazu:

https://www.lfl.bayern.de/itz/rind/172423/index.php

 

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