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Tierschau Schweiz

Swiss Expo: Madison-Feeling in Lausanne

Champions Lausanne
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Max Riesberg, Wochenblatt
am
18.01.2018

Die Swiss Expo im Schweizer Lausanne ist eine der bedeutendsten Milchviehschauen der Welt. Die Züchter präsentieren dort weit über 1000 Zuchttiere auf Spitzenniveau. In diesem Jahr ging die Ausstellung, die auf die private Initiative einer Hand voll eingefleischter Züchter zurückgeht, bereits in ihre 22. Auflage.

Akaley_Unic_Berger

Der Zustrom nach Lausanne, gerade aus dem Ausland, wächst stetig und bewegt sich heuer auf Rekordniveau. Hier kann man das Feeling der World-Dairy-Expo in Madison live erleben und das Mitten in Europa.

Den Anfang machte auch heuer der Richtwettbewerb der Zweinutzungsrassen. Hier startete man mit den Swiss Fleckvieh- und Simmentaler-Kühen. Ein spannender Wettbewerb, der in beiden, parallel gerichteten Ringen eindrucksvoll zeigte, für welch starkes Exterieur und exzellente Euter die Schweizer Zuchtarbeit steht. Bei den Simmentalern entschied sich Preisrichter Peter Brügger aus Frutigen für folgende Siegertiere:

  • Champion Kühe: Akaley (V: Unic) von Michael und Jakob Berger, Milken
  • Reservechampion Kühe: Bethia (V: Unic) von Ueli Bach, Turbach
  • Champion Schöneuter: Azalea (V: Fabbio) von Ueli Schärz, Aeschi
  • Reservechampion Schöneuter: Xamira (Unic) von Hans Dubach aus Diemtigen
  • Champion Rinder: Taiga (V: Roman) von Christoph Rey aus Le Châtelard
  • Reservechampion Rinder: Rosalie (V: Amarone) von Max und Hubert Reichenbach aus Lauenen

Brügger, der selbst eingefleischter Simmentaler-Züchter ist und schon einige Erfahrungen als Preisrichter sammeln konnte, zeigte sich beeindruckt von der durch die Bank außerordentlich guten Qualität der präsentierten Simmentaler-Schönheiten. Sein Plädoyer an die Züchterkollegen lautete: „Wir müssen diese Liga auch in Zukunft halten!“

Swiss Fleckvieh

rinderzucht-fleckvieh-lausanne-christian-berger-gina-lynn-Jan-Jungen

Beim Swiss Fleckvieh fielen den Preisrichter Jan Jungen die Championentscheidungen ob des hohen Niveaus auf dem sich die Kühe bewegten, keine Spur leichter. Er entschied sich schließlich für folgende Sieger:

  • Champion Kühe: Desire (V: Pedro) von Jakob und Micheal Berger aus Milken
  • Reservechampion Kühe: Gina-Lynn (V: Spezi) von Christian Berger aus Aeschi
  • Champion Schöneuter: Galilea von Hans Bohren aus Langnau
  • Reservechampion Schöneuter: Nova (V: Pierolet) von Ueli und Niklaus Berger aus Burgistein
  • Champion Rinder: Wandora (V: Spezi) von Lukas Wampfler aus Höfen
  • Reservechampion Rinder: Dolyna von Rudy Bühler, la Ferrière

In einem spannenden, rasseübergreifenden Finale gemeinsam mit den Champions der Rassen Montbéliard und Original Braunvieh machten schließlich die beiden Champion-Kühe aus dem Stall der Familie Berger in Milken, das Rennen um den diesjährigen Surpreme Champion Titel der Zweinutzungsrassen unter sich aus. Familie Berger war ganz aus dem Häuschen, als die Wahl der vier Preisrichter im großen Finalring auf ihre Swiss-Fleckvieh-Ausnahmekuh Desire fiel. Das dann auch ihre Simmentalerkuh Akaley zum Vize-Surpreme Champion gekört wurde, setzte dem Ganzen für die eingefleischten Züchter aus dem Schwarzenberger Land die Krone auf. „So einen Erfolg gibt es nur einmal im Leben“, sagte der überglückliche Sieger Jakob Berger.

Erfolgszuchtstätte Berger

Familie-Berger-Milken

„Unser Zuchtziel ist die leistungsfrohe Zweinutzungskuh mit starkem Fundament und straffem Euter, die auch im Sommer auf der Alp keine Probleme macht und zur Fuß rauf und runter kommt“, erklärt Jakob Berger seine Philosophie. Er ergänzt: „Ich sage immer: Im Sommer sind die Kühe für uns da und im Winter sind wir für sie da!“ Der Stalldurchschnitt seiner Swiss-Fleckvieh- und Simmentaler-Herde liegt bei knapp 8000 kg Milch bei 4,1, % Fett und 3,4 % Eiweiß.

Die Genomik und die Zahlen sind nicht alles“, mahnt der Betriebsleiter, dessen Tiere von den „reinen Werten auf dem Papier“ nicht die höchsten seien, wie er selbst sagt. „Doch die Wirtschaftlichkeit passt und das Exterieur stimmt. Das ist wichtiger“, ist er sich sicher.

Seit 2004 sind Bergers auf der Swiss Expo in Lausanne vertreten, nur im vergangenen Jahr mussten sie pausieren. Zu den bislang größten Erfolgen zählten: 2014 ein Champion-Titel bei Swiss Feckvieh sowie der Rinder-Surpreme-Champion. Auch einige Vize-Champion-Platzierungen konnte man schon von Lausanne mit nach Hause nehmen. Doch dieses Jahr glückte mit dem Surpreme-Champion- und Reservechampion der Swiss Expo das absolute Non-plus-Ultra.

Wiege der Fleckviehzucht

Peter Zimmermann

Auch Peter Zimmerman aus Lenk im Simmental, der Wiege der Fleckviehzucht, ist regelmäßig auf der Swiss Expo vertreten. „Seit 2006 bin ich in Lausanne mit Tieren aus meinem Stall dabei“, berichtet er. Vier Mal konnte er schon einen Klassensieg mit seinen Simmentaler-Kühen erzielen. „Eigentlich bin ich immer im Finale mitgelaufen“, erzählt Zimmermann. Diesmal ging er mit der Erskalbskuh Selma, der Zweitkalbskuh Berna, seiner Favoritin und der Viertkalbskuh Babsi an den Start. Es schauten wieder gute Rangierungen dabei raus. Zum Klassensieg reichte es allerdings diesmal leider nicht. „Es braucht schon viel züchterisches Fingerspitzengefühl und natürlich auch eine gehörige Portion Glück“, schildert der Simmentaler Landwirt, der auch eine Alp am Bühlberg bewirtschaftet, seine Erfahrungen.

Zurück zu den „Flecken“

Christian_Berger

Für den Geschäftsführer der Verbandsgenossenschaft für Simmentaler Alpenfleckvieh und Alpwirtschaft (VSA) sowie Mitorganisator des berühmten „Munimarkts“ in Thun, Christian Berger aus Aeschi bei Spiez, hat es indes mit seiner außerordentlich typstarken Spezi-Tochter Gina-Lynn immerhin für den Reserve-Champion-Titel bei den Swiss-Fleckvieh-Kühen gereicht. „Ein Wahnsinns-Erfolg“, kommentiert der engagierte Jungzüchter die Entscheidung des Preisrichters Jan Jungen. 25 Milchkühe, darunter auch einige Holstein, hält Berger auf seinem Betrieb. „Aber ich gehe wieder ganz zum Fleckvieh zurück“, erklärt er. Die Wirtschaftlichkeit sei der springende Punkt. Beim derzeit extrem guten Fleischpreis in der Schweiz können die Holsteins den Flecken einfach nicht das Wasser reichen. Rund 20 Stück Jungvieh vermarktet Berger im Jahr.

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