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Tierzucht

Besnoitiose in Deutschland?

von , am
20.07.2015

In der aktuellen Ausgabe der vom Friedrich-Loeffler-Institut herausgegebenen Zeitschrift „der LabLoeffler“ (Ausgabe 10/2015, Heft 1) befassen sich Dr. Gereon Schares und Kollegen mit der Verbreitung der Besnoitiose in Deutschland.

Die Besnoitiose ist eine bei Rindern vorkommende Infektionskrankheit, die durch 'Besnoitia besnoiti' hervorgerufen wird und die erstmals zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Pyrenäenraum beschrieben wurde und bisher ausschließlich in subtropischen Regionen Afrikas und in Südeuropa verbreitet war.
 
Es handelt sich um eine Protozoe, also einen einzelligen, heterotrophen und eukaryotischen (d. h. mit Zellkern und Zellkompartimentierung versehenen) Organismus, der den Apicomplexa zuzuordnen ist. Zu dieser Gruppe gehören z. B. auch die Erreger der Malaria oder der Toxoplasmose.
 
Bei Rindern verursacht der Erreger eine massive und komplexe Klinik, die starkes Leid der Tiere verursacht und auch wirtschaftliche Schäden zur Folge haben kann. Die Mortalität ist gering. Es kommt jedoch zu Fieber und schmerzhaften Schwellungen im Unterbauchbereich und in den Beinen. Außerdem sind verdickte Lymphknoten, mangelnde Fresslust, Durchfall, Lahmheit, Lichtscheuheit sowie Hodenentzündungen zu beobachten, die zur Unfruchtbarkeit männlicher Tiere führen können. Auch die Haut wird stark beschädigt und kann somit nicht mehr vermarktet werden.
 
Möglichkeiten zur Therapie oder Impfung bestehen nach Angaben der EFSA nicht. Wildwiederkäuer und Nager kommen als Reservoir in Frage. Die Übertragung erfolgt nach derzeitigem Kenntnisstand über hämatophage Insekten. Die Möglichkeit eines horizontalen Übertragungsweges etwa durch Natursprung wird noch untersucht.
 
Rinder bilden im komplexen Entwicklungszyklus offensichtlich einen Zwischenwirt. Der Endwirt ist noch unbekannt. Der Nachweis von B. besnoiti erfolgt über DNA- oder Antikörpernachweis, womit Tiere auch freigetestet werden können.
 
In Deutschland wurde der Erreger erstmals 2008 bei Rindern festgestellt. Nach einigen Jahren der Ruhe sind in diesem Jahr wieder einige Fälle bei Fleischrindern beobachtet und durch das FLI verifiziert worden. Derzeit wird noch versucht, die Eintragswege nachzuvollziehen. Nach Angaben der EFSA bereitet sich B. besnoiti in Europa stark aus und sollte als „emerging disease“ betrachtet werden. Das FLI bittet darum, bei weiteren Fällen einbezogen zu werden und epidemiologische Untersuchungen so zu unterstützen. Weitere Informationen unter: www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/1499.htm. © Text ADR / Foto: Max Riesberg
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