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Tierzucht

Das Geschlecht des Kalbes bestimmen – Teil 2: Embryo untersuchen

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Christine Endres, Fleckvieh
am
19.04.2018

Mit der Präimplantationsdiagnostik kann das Geschlecht des Kalbes bestimmnt werden. Auch Erbfehler, Hornstatus und genomische Zuchtwerte lassen sich ermitteln.

Beim Menschen gibt es die Präimplantationsdiagnostik (PID) seit Anfang der 90er Jahre, erste Ansätze gibt es nun auch beim Rind. Dr. Jakob Scherzer, ET-Tierarzt bei der Bayern Genetik stellte die Methode und erste Erfahrungen damit in Augsburg vor. „Direkt nach dem Spülen beim Embryotransfer wird eine Biopsie am Embryo durchgeführt“, erklärte er. Die Geschlechtsbestimmung könne dann direkt erfolgen. „Eine Genauigkeit von rund 95 Prozent wird so erreicht“, betonte der Experte. Direkt im Anschluss können die Embryonen dann frisch übertragen werden.

Hornstatus, Erbfehler und genomische Selektion

Neben dem Geschlecht können auch Hornstatus sowie mögliche Erbfehler bestimmt werden. „Diese Untersuchung dauert allerdings 24 Stunden“, fügte er hinzu. Die Embryonen können dafür einen Tag lang in einer Zwischenkultur gelagert und anschließend frisch transferiert werden. Auch die genomische Untersuchung des Embryos ist möglich. Diese Untersuchung nehme aber mehrere Tage in Anspruch, so der Experte. Die Embryonen müssten dann tiefgefroren werden.

Niedrigere Anwachsraten

Bei den biopsierten Embryonen sind die Anwachsraten niedriger. „Bei frisch übertragenen Embryonen werden Trächtigkeitsraten von über 50 Prozent erreicht, bei tiefgefrorenen wachsen im besten Fall 10 Prozent an“, gab Scherzer zu bedenken. „Die Technik zum tiefgefrieren der biopsierten Embryonen muss unbedingt weiter verbessert werden“, erklärte der ET-Tierarzt und berichtete, dass derzeit an einer Dissertation zu neuartigen Einfriertechniken gearbeitet wird.

Mehr Effizienz durch frühe Selektion

„Mit Hilfe dieser Methode können Selektionsentscheidungen bereits vor dem Übertragen getroffen werden“, betonte Scherzer. Eine erhebliche Effizienzsteigerung in den Zuchtprogrammen könne so erreicht werden, fügte er hinzu. In Deutschland gibt es bei der Bayern Genetik und bei Masterrind aktuelle Arbeitsgruppen, die sich mit der PID beim Rind befassen und auch in Kanada, Frankreich und Holland wird daran gearbeitet.

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