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Zucht und Besamung

Das Geschlecht des Kalbes gezielt bestimmen – Teil 1: Samensexing

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© Ariane Haubner
von am
16.03.2018

Mit gesextem Sperma kann das Geschlecht des späteren Kalbes bei der Besamung bestimmt werden. Tierarzt Dr. Jakob Scherzer von der Bayern-Genetik stellte dieses Verfahren bei der RegioAgrar in Augsburg vor und erläuterte die Vorteile für den Landwirt.

Jedes Spermium besitzt ein x- oder ein y-Chromosom und legt damit am Ende das Geschlecht des Kalbes fest. Beim Samensexing werden die Spermien anhand ihres Chromosoms sortiert, der Landwirt kann dann bei der Besamung über Geschlecht des späteren Kalbes gezielt entscheiden.

Höhere Befruchtungsraten mit SexedUltra

Das Trennen der Spermien nach x- und y-Chromosomen geschieht in einem speziellen Labor. „Dieses Sortieren ist auch ein gewisser Reinigungsprozess. Das Ejakulat hat danach eine höhere Qualität“, erklärte Scherzer. Eine Reinheit von 90 % werde dabei garantiert. Neben den Standard-Portionen mit rund 2 Millionen Spermien gibt es auch sogenannte SexedUltra-Portionen, die eine höhere Befruchtungsrate versprechen. „In diesen Portionen sind jeweils 4 Millionen Spermien enthalten“, berichtete der Experte. Im Rahmen einer Studie seien mit diesen SexedUltra-Portionen bei Jungrindern die gleichen Non-Return-Raten erreicht worden wie bei konventionellem Sperma, so Scherzer.

Mit gesextem Sperma später besamen

Die Samenablage funktioniere genauso wie bei konventionellem Sperma, so der Tieratzt. Zum Thema Auftauen erklärte Scherzer: „Gesextes Sperma sollte in ein Wasserbad mit 35 bis 36 °C für 40 Sekunden gegeben und anschließend warm gehalten werden.“ Zudem sei eine sehr eisprungnahe Besamung wichtig. „Der beste Zeitpunkt für die Besaumg mit gesextem Sperma ist 16 bis 24 Stunden nach Beginn der Hauptbrunst“, betonte der Experte.

Mehr Milch durch weibliche Kälber

Es gibt verschiedene Gründe, warum Züchter auf gesextes Sperma zurück greifen. Scherzer nannte unter anderem die Leichtkalbigkeit, einen höheren Zuchtfortschritt im Betrieb oder auch die gezielte Produktion von Besamungsbullen. Ein weiterer Ansatzpunkt könnte eine höhere Milchleistung in der ersten beiden Laktationen sein. Scherzer stellte dazu die Ergebnisse einer Studie vor, bei der 1,49 Millionen Kühe und 2,39 Millionen Milchleistungen untersucht wurden. Tiere, die ein weibliches Kalb bei der ersten Abkalbung brachten, gaben in den ersten beiden Laktationen im Schnitt 445 kg mehr Milch, auch wenn bei der zweiten Kalbung ein Bullenkalb folgte.

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