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Betriebsreportage

Ein ›vaenomenaler‹ Durchbruch

Dieser Artikel ist zuerst in der Fleckvieh erschienen.

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Ariane Haubner
am
24.05.2018

Mit der genomischen Zuchtwertschätzung stellte sich für die schon lange zuchtbegeisterte Familie Frieb aus Unterfinning endlich der lang erhoffte Erfolg ein. Mit Bullen wie Horizont oder Vaenomenal hatten sie bereits zwei Topseller am Weilheimer Zuchtviehmarkt.

Der Start der genomischen Zuchtwertschätzung war für viele Zuchtbetriebe ein Scheideweg. So einige Kuhfamilien, aus denen die Stationen gerne und viel einkauften, versanken plötzlich in der Bedeutungslosigkeit. Andere dagegen, die züchterisch wahrscheinlich über Jahrzehnte ebenfalls gut durchgezüchtet wurden, aber nach denen sich lange Zeit niemand umdrehte, schoben sich dafür plötzlich ins Rampenlicht.

Leidenschaftliche Rinderzüchter

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So ähnlich erging es auch der Familie Frieb in Unterfinning im oberbayerischen Landkreis Landsberg a. Lech. Vater Bruno und Sohn Ulrich sind leidenschaftliche Rinderzüchter. Sie halten und züchten Kühe der Rassen Fleckvieh und Holstein. Der Anteil der schwarzen Kühe ist in den letzten Jahren aber deutlich geschrumpft. Das hatte mehrere Gründe: Zum einen wurden die Tiere für den vorhanden Kuhstall einfach zu groß und bekamen Probleme, züchterisch dagegen zu steuern war kaum möglich. Außerdem wurde der Leistungsunterschied zwischen den beiden Rassen kleiner und der Verkaufserlös der männlichen Nutzkälber und der Schlachtkühe ist beim Fleckvieh einfach höher.

6.Platz beim Züchter des Jahres

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Dass der Fokus zur Zeit fast ausschließlich auf Fleckvieh liegt, hat sicherlich auch mit den aktuellen Zuchterfolgen der Familie zu tun. Mit Einführung der genomischen Zuchtwertschätzung starteten sie züchterisch voll durch und erreichten deshalb auch bei der Auswertung zum Züchter des Jahres auf Anhieb den sechsten Platz. »Wir waren schon immer zuchtbegeistert«, erklärt Bruno Frieb, aber nach unseren Kühen hat sich sonst kaum jemand umgedreht. Es begann schließlich im Jahr 2011 mit dem Bullen Iserschee, einem Resolut-Sohn, der zu den ersten Bullen gehörte, die ›genomisch‹ angekauft wurden. Iserschee steht zwar heute im GZW nicht ganz vorne, aber er ist einer der wenigen Resolut-Söhne im vorderen Drittel, die keinen Erbfehler haben. Natürlich haben Friebs ihren Bullen selbst auch eingesetzt und einige sehr gute Töchter erhalten. Die Iserschees setzen am Anfang in der ersten Laktation zwar nicht so hoch ein, steigerten sich aber ordentlich, haben hohe Inhaltsstoffe und super Euter.

on_20-07-2017 DE0949344559 Frieb WILLE ©

Dass Iserschee so gut mit seinen Töchtern kam, war sicherlich ein Pluspunkt beim Verkauf des Vlax-Sohnes Vaenomenal, der zum ersten Topseller der Familie Frieb wurde. Vier weitere genomische Jungbullen folgten, Vaenomals Halbbruder Optimal (V: Humpert,) der Ischersee-Sohn Ikarus, der Valeur-Sohn Verrari und der Hubraum-Sohn Horizont, der erneut zur begehrten Auktionsspitze wurde. »Bisher haben wir pro zehn Kandidaten einen angekauften Jungbullen hervorgebracht«, fasst Bruno Frieb stolz zusammen, bayernweit liegt das Verhältnis bei etwa 1:25.

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Die Bullen stammen aus drei verschiedenen, alteingesessenen Kuhfamilien, von denen die M-Linie inzwischen rund 40 Prozent des Bestandes ausmacht. Die Kuhfamilie ist weit verzweigt und obwohl Horizont und Verrari aus dieser Linie stammen, liegen doch neun Generationen zwischen dem ersten gemeinsamen weiblichen Vorfahren. Die R-Linie, aus der Ischerschee, Optimal und Vaenomeal stammen, ist aktuell nur mit zwei Kühen in Milch am Betrieb vertreten. Aus einem ET mit Ruby, der Mutter von Vaenomenal, stehen aber drei weibliche Hürde-Jungrinder in Aufzucht.

Fleckviehbullen aus allen Gebieten

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Mit der planmäßigen Zucht hat Bruno Frieb vor genau 36 Jahren begonnen. Er erzählt: »Ich wollte schon immer gute Stiere einsetzen und habe mir schon früh Bullen auch von anderen Stationen geholt. Ich habe damals vor allem nach rahmigen Allroundern gesucht und vor 25 Jahren auch die RH-Einkreuzungswelle mitgemacht, aber schnell wieder aufgehört, als sich Probleme mit dem Herdbuch abzeichneten. Geblieben sind uns aber Rahmen und gute Euter.« Auch heute bedienen sich die beiden Eigenbestandsbesamer in der ganzen Population, achten aber wesentlich mehr auf Details. Jede Kuh wird individuell angepaart, deshalb haben die beiden recht viele, teilweise auch sehr unterschiedliche Bullen im Stickstoffkübel. Neben der Fitness sind vor allem Zellzahl und Strichstellung Punkte, die schon wegen des Roboterbetriebes verstärkt beachtet werden. Von genomischen Bullen werden maximal fünf Portionen eingesetzt und auch Nachkommengeprüfte werden inzwischen seltener verwendet.

Familie Frieb mit Kuh

Noch relativ wenig haben Friebs im hornlosen Bereich gemacht. Meistens finden sie im gehörnten Bereich die für sie interessanteren Bullen. »Auf der weiblichen Seite blieb leider bisher auch nicht viel übrig«, zieht Ulrich Frieb Bilanz. Aktuell ruht aber die Hoffnung auf einigen Sensation-Jungkühen, die jetzt zum Kalben kommen.

Pläne für den Neubau

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Züchterisch läuft bei den Friebs zur Zeit alles rund. Damit das auch im Management so bleibt, hat die Familie Pläne. Ihr fast 30 Jahre alter Laufstall entspricht nicht mehr den heutigen Standards und Kuhmaßen. Zwar gab es im Jahr 2011, als der Melkroboter angeschafft wurde, zusätzlich einige Verbesserungen für den Kuhkomfort, doch die Pläne für einen neuen Kuhstall ohne Jungvieh sind bereits gemacht. Wieder mit dabei ist ein Melkroboter. Der brachte der Familie Arbeitserleichterung und Flexibilität. »Anschaffungskosten und laufende Kosten sind zwar beim Roboter höher, aber dafür macht er uns ja die Arbeit«, fasst der Hofnachfolger zusammen. Eine automatische Fütterung kommt für ihn dagegen nicht in Frage. »Wir achten bei Anbau, Ernte und Futtervorlage sehr auf eine hohe Grundfutterqualität und haben dadurch auch eine recht hohe Futteraufnahme (24 kg TM/Tag, Grundfutterleistung >5300 kg)«, erläutert der Junglandwirt. Das sieht die Familie mit der Vorratsfütterung in Gefahr, vor allem im Sommer. »Lieber fahre ich zweimal täglich mit dem Mischer durch«, ergänzt der Senior. Auch die Anschaffungskosten sind den Friebs bei der geplanten Kuhzahl von wieder 70 bis 75 zu hoch. Und mehr Kühe sollen es auf keinen Fall werden. »Schließlich wollen wir von unserem Leben auch noch etwas haben«, darüber ist sich die Familie einig.

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