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Fleckvieh Mehrwert

Vorgestellt: Tiroler Projekt 'Kalbinnen und Ochsenmast auf der Alm'

Dieser Artikel ist zuerst in der Fleckvieh erschienen.

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Ochsenmast Alm Tirol
© Ariane Haubner
von , am
29.09.2017

Dass Almkühe beste Milch liefern, aus der hochwertige Milchprodukte hergestellt werden, ist weitläufig bekannt. Doch dass man auf den Gebirgsweiden auch Fleisch von höchster Qualität produzieren kann, ist sowohl bei Landwirten als auch Verbrauchern noch nicht so geläufig. In diese Lücke möchte nun die 'Tiroler ViehMarketing' stoßen und startete vor etwa acht Monaten das Projekt 'Kalbinnen- und Ochsenmast auf der Alm'.

Der Tiroler Projektleiter Matthias Mair erklärt: "Wir wollen mit diesem Programm eine Alternative für Betriebe schaffen, die Grünland und Maschinen zur Verfügung haben, leicht in diesen Produktionszweig einsteigen können und diesen mit wenig Fixkosten weiterführen können." Ziel ist, ein Tiroler Markenprodukt zu schaffen, welches sich auch am anspruchsvollen regionalen Markt absetzen lässt.

Um das Projekt mit seiner relativ langen Mastdauer attraktiv zu machen und um das Markenprodukt fair zu entlohnen, zahlt die Tiroler ViehMarketing einen Aufschlag auf den aktuellen Schlachtpreis. "Die Betriebe, speziell im Berggebiet, können hiervon nochmal ordentlich profitieren", wirbt Mair für sein Projekt.

Gerade Kalbinnen und Ochsen lagern während der Mast vermehrt intramuskuläres Fett ein, welches das Fleisch aromatisch und zart macht. "Wir wollen ausgewachsene, geschlechtsreife Tiere vermarkten, die das Vermögen haben, mindestens eine R3-Klassifizierung zu erreichen", stellt Mair klar. Fleischbetonte Kalbinnen oder Ochsen sollten von Beginn an extra für dieses Projekt ausgesucht werden. Durch die langsame Mast über etwa 30 Monate wird die Fleischqualität zusätzlich gesteigert und durch die höhere Fettabdeckung ist eine längere Reifung und somit mehr Produktqualität möglich. Rahmige, fleischbetonte Fleckviehtiere und Fleckviehkreuzungen mit Fleischrassen eignen sich für dieses Projekt sehr gut. Das Schlachtgewicht soll zwischen 320 und 400 kg liegen. Um das zu erreichen, sind meist zwei Sommer auf der Alm nötig.

 

Bildergalerie: Tiroler Projekt

Mair Matthias Ochsenmast Fleckvieh Tirol Alm
Für das Almmast-Projekt zuständig: Matthias Mair von der 'Tiroler ViehMarketing' © Ariane Haubner
Ochsenmast Leonhard Waltl fleckvieh weide alm tirol
Rund 15 Bio-Fleckvieh-Ochsen sowie Kalbinnen zieht Leonhard Waltl pro Jahr auf seinen steilen Gebirgsweiden oberhalb von Fieberbrunn auf. © Ariane Haubner
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Die Tiere von Leonhard Waltl verbringen den Sommer in steilen Gebirgsweiden. © Ariane Haubner
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Bei der Schlachtung sind die Tiere etwa 30 Monate alt. © Ariane Haubner

Biolandwirt Leonhard Waltl

So auch bei Leonhard Waltl aus Obwall bei Fieberbrunn, einem von bisher knapp 20 Projektteilnehmern. Schon seit 1997 mästet der Biolandwirt auf 900 bis 1000 Höhenmetern auf seinen steilen Gebirgsweiden Ochsen und hat nun zusätzlich einige Kalbinnen aufgestellt. Pro Jahr vermarktet er etwa 15 Tiere, die er zunächst an Fleckvieh-Ammenkühen aufzieht, bevor sie auf die Almweiden gehen. Erst zwei bis drei Monate vor der Schlachtung erfolgt eine Endmast mit Getreide. Der Großteil des Futters ist aber Grundfutter wie Gras, Heu oder auch Silage. Pro Tier setzt er etwa 350 kg Getreide ein.

Damit die Jungrinder ab etwa April auf die Weiden und Almen gehen können, kalben seine Kühe saisonal im Spätsommer ab. Pro Kuh wird noch ein Kalb zugekauft. Falls die Kuh die Milch gut hält, wird nach dem Absetzen der ersten beiden Jungtiere noch ein weiteres Kalb zugekauft. Über vier Monate hinweg dürfen die Kälber zweimal täglich zur Kuh zum Saufen. Über den Winter sind alle Tiere in einem Boxenlaufstall mit Auslauf untergebracht. Auf diese Weise produziert Waltl, der 2016 als Management-Profi von der Rinderzucht Tirol ausgezeichnet wurde, mit reinrassigen Fleckviehtieren bestes Bio-Markenfleisch und kann seinen Betrieb, zu dem noch einige Hektar Wald gehören, im Vollerwerb führen. Seit Projektstart vermarktete er bereits drei Tiere über das noch junge Almmast-Projekt der Tiroler ViehMarketing und konnte seinen Erlös pro Tier dadurch nochmals steigern. 

Projekt sucht weitere Teilnehmer

Derweil beziffert Mair das Projektziel mit rund 150 bis 200 geschlachteten Tieren pro Jahr. Im Moment wird etwa ein Tier pro Woche geschlachtet und dabei extrem auf die Qualität geachtet, um eine gute Ausgangsbasis zu schaffen. Damit das Projekt jedoch langfristig Erfolg hat, braucht es noch mehr Teilnehmer. »Nur wenn wir regelmäßig eine gleichmäßig hohe Qualität liefern, können wir auch unseren regionalen, anspruchsvollen Markt überzeugen«, ist sich Mair sicher.

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