Login
Im neuen Heft lesen Sie ...

Reportage: Märchen vom Wolf

Dieser Artikel ist zuerst in der Fleckvieh erschienen.

Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

rinderzucht-fleckvieh-wolf-bedrohung-gefahr-weidevieh
© andamanec/stock.adobe.com
Johannes Urban
am
18.04.2018

Als Kuscheltier mit wohligem Gruseleffekt wird der Wolf einem gläubigen Publikum verkauft. Wölfe aber stellen eine massive Gefährdung der Weidetierhaltung und damit der Kulturlandschaft dar.

Etwa 80 Prozent unserer Gesellschaft sind städtisch geprägt, man fährt aus Erholungsgründen gerne hinaus ins Grüne und hat von Ackerbau und Viehzucht nicht so recht die Ahnung. Da wird mit Wohlwollen die Botschaft aufgenommen: Der Wolf ist ein Stück ungebändigte Natur, und wenn der wieder da ist, dann ist die Welt in Ordnung, so die romantische Vorstellung.

Für die Bauern ist die Botschaft nur halb richtig: Romantisch ist da gar nichts, aber das mit der ungebändigten Natur, das stimmt – leider. Denn die Schadensbilanz, die der, ob nun auf vier Pfoten oder motorisiert, zurück gekehrte Wolf aufzuweisen hat, ist trotz der noch wenigen Exemplare schon recht beachtlich.

 

Herdenschutzmaßnahmen nur schwierig umsetzbar

rinderzucht-fleckvieh-alm-dolomiten-rind-weide-wolf-gefahr-gebirge-berg
Zaunbau zum Schutz vor Wölfen im hochalpinen Gelände: ein Ding der Unmöglichkeit. © Ariane Haubner

So sind wolfssichere Zäune auf steilen Almflächen nicht machbar und Herdenschutzhunde sind kein Allheilmittel. Jede einzelne Herde braucht zwei von wegen artgerechter Haltung. Woher nehmen, wer richtet die ab, wer zahlt das Futter? Und dann die Probleme mit den Touristen, und vor allem deren Hunden. Herdenschutzhunde werden zum Teil als "Kampfhunde" eingestuft, und benehmen sich auch so. So will der Tourismusverband im Sarganserland in der Schweiz, wo heuer bereits fünf Schafalmen nicht mehr bestoßen werden, Herdenschutzhunde verbieten.

Schutzstatus in Deutschland

Deutschland hat, da es damals noch keine Wölfe im Land hatte, den strengen Artikel IV unterschrieben, der die Entnahme der Großen Beutegreifer mit hohen Hürden versieht. Auf Grund der FFH-Richtlinie unterliegt der Wolf dem Naturschutzrecht; die Landwirtschaft, die die Schäden hat, hat da nichts zu melden. Vielmehr haben die Landwirte ganz selbstverständlich alles Erdenkliche zu tun, um ihre Weidetiere zu schützen: wolfssichere Zäune, Nachtaufstallung, Herdenschutzhunde und ähnliches. Allerdings zeigen Statistiken aus Frankreich, dass Herdenschutzmaßnahmen nur etwa drei Jahre die Zahl der Risse stagnieren lassen. Dann hat der Wolf – clever wie er ist – gelernt, damit umzugehen.

Auch interessant