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Reportage: Zucht braucht Zeit

Dieser Artikel ist zuerst in der Fleckvieh erschienen.

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Ariane Haubner, Fleckvieh
am
15.01.2018

Die Familie Knon aus Hundsruck im Landkreis Passau ist froh, dass sie ihren Betrieb langsam entwickeln konnte und nicht auf einmal einen riesigen Schritt machen musste. Auch in der Zucht sollte man nichts übereilen, so die Meinung der erfolgreichen Fleckviehzüchter.

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Den neuen Laufstall baute die Familie Knon aus dem niederbayerischen Hundsruck im Jahr 2012/13. Mit rund 65 Kühen und einer Leistung von 8500 kg Milch zog sie im April 2013 aus dem alten Anbindestall in den hellen und luftigen Neubau um. Zum Abschluss 2017 erreichten 117 Kühe eine Herdenleistung von etwas über 9000 kg Milch, nach 9300 kg in 2016. Die Aufstockung ist damit nach rund vier Jahren abgeschlossen.

Im neuen Stall sind nur noch Kühe untergebracht. Das Jungvieh steht heute im umgebauten Anbindestall und in einer umgebauten angrenzenden Scheune. "Dieser Scheune haben wir es zu verdanken, dass es uns heute noch gibt", berichtet Josef Knon rückblickend. Im Jahr 2002/03 baute die Familie die Scheune für die Jungviehaufzucht um. Dadurch wurde im Kuhstall des alten niederbayerischen Vierseithofes mehr Platz für Kühe zum Melken. "Wir konnten so langsam wachsen, jedes Jahr kamen ein paar Kühe mehr dazu und wir mussten dadurch nicht einen großen, Kräfte zehrenden Schritt machen", erzählt Knon zufrieden.

Im neuen, funktionell angeordneten Stall findet man wenig Schnick-Schnack. Aufstallung und Melktechnik wurden so einfach und zeitsparend wie möglich gehalten. Nachdem Knons zum Schluss pro Melkzeit etwa drei Stunden benötigten, war dies der Familie ein besonderes Anliegen.

Melkroboter oder Melkstand

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Ursprünglich war sogar die Anschaffung eines Melkroboters in der Überlegung, aber bei der angestrebten Kuhzahl wäre es mit nur einem Automat nicht gegangen. Die Familie entscheid sich deshalb für eine Doppel-8er-Fischgräte, ausgestattet lediglich mit einer Abnahmeautomatik und einer Milchflussanzeige. So schafft jetzt eine Person das Melken von knapp doppelt so vielen Kühen in zwei Stunden. "Dann ist aber auch schon wieder alles sauber", betont Josef Knon sen.

Die Kühe sind auf Hochbuchten und Spaltenboden aufgestallt. "Von Seiten des Tierkomforts wären Tiefboxen sicherlich besser gewesen", räumt Josef Knon ein, "aber bei uns am Betrieb sind Arbeitskräfte und Flächen knapp. Wir können diese Tierzahl nur 'fahren', weil uns zwei viehlose Betriebe Gülle abnehmen." Im Gegenzug kaufen Knons dort Futter zu.

Gefüttert wird mit einem 15-qm-Selbstfahrermischwagen. Im Jungviehbereich kommt ein Silokamm zum Einsatz. Bis auf das Einfahren der Grassilage macht die Familie auch die ganze Außenwirtschaft selbst. Viel selber macht Josef Knon heute auch in Sachen Fleckviehzucht. "Ich mache und entscheide, wenn möglich, alles Züchterische selber, denn die Zucht muss in bäuerlicher Hand bleiben", legt er seine Meinung dar. Er schließt im Vorfeld von Besamungen und Embroytransfers keine Verträge ab und entscheidet auch selbst, welche Tiere er typisieren lässt. Lediglich bei der genomischen Untersuchung von weiblichen Tieren wird mit dem Zuchtverband zusammengearbeitet.

Von den Jungzüchtern profitiert

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Woher der aktive Jungzüchter das Faible für Zucht hat, kann er selber nicht so genau erklären, es sei wohl im Laufe der Zeit langsam gewachsen. Maßgeblich dazu beigetragen habe aber die Mitgliedschaft im Jungzüchterclub Passau, dessen Vorsitz er auch eine Zeit lang inne hatte. "Wir haben früher nur mit Deckbullen gearbeitet, bis ich mit 16 anfing, gezielt KB-Stiere einzusetzen. Ich mache sehr viel nach Bauchgefühlt", gibt Knon offen zu. Das Bauchgefühl lässt er auch walten, wenn es an den Zukauf von interessantem Zuchtvieh geht. Sei es auf Eliteauktionen oder bei Bestandsauflösungen, wenn dem Züchter ein Tier gefällt und es in einem preislich zumutbaren Rahmen liegt, schlägt er gerne mal zu. 

Erfolgreicher Zuchtbullenverkauf

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Mit Blick auf die aktuellen züchterischen Erfolge muss man Josef Knon ein wirklich gutes Bauchgefühl attestieren. Von 33 in diesem Jahr in Niederbayern angekauften Zuchtstieren, stammten alleine fünf aus seiner Zucht. Und sogar der aktuell höchste reinerbig-hornlose Fleckvieh-Jungstier kommt aus Hundsruck. Es ist der Mahango-Sohn Moremi PP* aus der Marmor-Tochter Tamaris mit GZW 131, MW 118, FW 115, FIT 118, Fu 109 und Eu 103. Seine Mutter war die erste hornlose Kuh am Betrieb.

Da Knons etwas Pech hatten und aus vielen Besamungen mit hornlosen Bullen gehörnte Tiere geboren wurden, hat er erst relativ wenige hornlose Kühe in Milch. Etwas anders schaut es aber inzwischen beim Jungvieh aus, hier sind bereits 20 Prozent hornlos.

Aus Zukaufstieren konnte der engagierte Züchter bereits einige größere und kleinere interessante Kuhfamilien aufbauen. Auch die, durch einige ETs stattliche T-Linie, aus der Moremi PP* stammt, geht auf eine Zukaufskuh zurück, nämlich die Eilig-Tochter Tabea, die am Elitemarkt in Ansbach vom Betrieb Eberlein zugekauft wurde.

Gute Kuhfamilien im Stall Knon

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Mit der L-Linie (Lilli) hat eine weitere Kuhfamilie mit Ursprung Betrieb Eberlein eine neue Heimat in Niederbayern gefunden und sich durch ET schnell ausgebreitet. Die Resolut-Tochter Lilli aus der Liniwini wurde am 700. Ansbacher Jubiläumszuchtviehmarkt erstanden. "Eine Linie, die durch funktionelle Kühe auffällt, die auch oft gut typisieren und ihre männlichen Vertreter auch in den Wiedereinsatz bringt", fasst Josef Knon zusammen. Angespornt durch den Erfolg dieser Kühe erstand Knon bei der Bestandsauflösung der Herde Eberlein eine weitere Kuh aus der L-Linie, nämlich die hornlose Golfino-Tochter Liberty, ebenfalls eine Tochter der Everest-Mutter Liniwini. Knons bisher größter Erfolg aus dieser Linie ist der Ikebana-Sohn Indianer, der aktuell beste Sohn seines Vaters. Aus dieser Familie stammen außerdem die Mint-Söhne Madness, Mikel und Miguel sowie vier weitere Lilli-Söhne.

Zu den großen Kuhfamilien zählt auch der S-(Seite)-Stamm. Eine Linie, die durch besonders fruchtbare und langlebige Kühe und somit sehr unproblematische Tiere auffällt. Aus dieser Linie stammt der Vulkan-Sohn Volkbrand. Kühe müssen unauffällig sein, so lautet ein Leitsatz von Josef Knon.

Dies trifft auch auf die Kühe seines K-Stammes zu, aus dem der Mandl-Sohn Marmolada (MV: Rubel, MMV: Hofer) stammt – der bisher größte Zuchterfolg der Familie. "Die Kiki-Linie wurde züchterisch nur wenig bearbeitet und hat sich trotzdem etabliert", erzählt Knon zufrieden. Aus der Linie sind je ein Imperativ-, ein Mandrin- und ein Hoffnung-Sohn in Aufzucht.

Die Zucht ist schnelllebig geworden

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Auch wenn es züchterisch für Knons gerade sehr gut läuft, steht die Zucht für sie nicht an erster Stelle. "Wir sind Milchviehhalter und beziehen daraus unser festes Einkommen", lautet die Maxime. Die Bullenauswahl wird darauf abgestimmt. Bei den genomischen Jungstieren versucht Knon gut zu streuen, mehr wie drei bis vier Portionen setzt er von einem genomischen Jungstier in der Regel nicht ein, von nachkommengeprüften Bullen werden zunächst zehn Portionen bestellt. "Die Zeit ist so schnelllebig geworden, da kommt dauernd etwas Neues, vermeintlich Besseres nach. Wenn man allerdings züchterisch vorne mitmischen will, das heißt hohe Zuchtwerte haben will, muss man auch mal etwas mit den Jungen probieren und riskieren", erklärt der Züchter und spült deshalb ab und zu ein Jungrind. Lieber wäre es ihm aber anders.

"Es ist wichtig, dass man sich die Tiere auch noch anschaut. Ich paare viel lieber Kühe an, da sieht und weiß man schon viel mehr als beim Rind. Das ist einfacher und gezielter. Dennoch, gerade im genomischen Zeitalter, braucht es nach wie vor gute, durchgezüchtete Kuhfamilien hinter den Bullen", davon ist Knon überzeugt. Zucht braucht eben doch Zeit.

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