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Tiervermarktung

Rindervermarktung in Corona Zeiten

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am Dienstag, 12.05.2020 - 11:13

Wie schnell sich Rahmenbedingungen unerwartet ändern, zeigt die Rindervermarktung. Die Schlagzeile beim letzten Großviehmarkt in Miesbach im Februar hieß noch „optimale Bedingungen auf dem Großviehmarkt“.

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In den nachfolgenden Monaten März und April konnte an den geplanten Marktterminen nur eine Festvermarktung durchgeführt werden. Der Maimarkt wurde vom Landratsamt Miesbach mit Auflagen genehmigt. Zutritt zum Markt wurde nur Käufern und Verkäufern gewährt, Besucher waren ausgeladen. Käufer und Verkäufer sind jedoch sehr erwünscht. Mundschutz und Sicherheitsabstand lässt das Flair eines Marktes jedoch nicht entstehen. Zu einem Großviehmarkt gehört nicht nur das Vermitteln von Zuchtkühen. Zum Markt gehört auch ein Ratsch über züchterische Fragen, ein Fachsimpeln über landwirtschaftliche Fachfragen, ein Kantinenbesuch mit Bekannten und manchmal auch Spitzenpreise für Zuchtstiere und Jungkühe. All dies konnte am Maimarkt nicht geboten werden. Angeboten wurden 29 Zuchtstiere und 55 Jungkühe.

Bei den Zuchtstieren fanden 19 einen Interessenten. Bei weiteren 10 Stieren war das Gebot dem Verkäufer zu gering. Diese Stiere könnten jedoch jeder Zeit ab Stall vermittelt werden. Bei 2150 € Versteigerungspreis erhielt ein im Exterieur starker Mainstream-Sohn aus dem Zuchtbetrieb Kajetan Leitner, Klarerhof in der Gemeinde Bayrischzell als teuerster Stier den Zuschlag. Förderlich für den Preis war sicherlich, dass ihm Kalbinneneignung und eine gute Eutervererbung prognostiziert wird. Weiterhin werden 50 % seiner Kälber genetisch hornlos sein. Für die 4 hornlos vererbenden Stiere lag der mittlere Versteigerungspreis genau bei 2000 €. Die 15 gehörnt vererbenden Stiere wechselten dagegen für im Mittel 1743 € den Besitzer. Schwierig abzusetzen sind derzeit sehr junge Stiere, denen noch die ausreichende Robustheit fehlt.

Jungkühe

An Jungkühen wurden 55 Stück aufgetrieben. Die durchschnittliche Milchleistung dieser Kühe lag bei 28,1 kg Milch. Die stricklose Versteigerung wird immer besser angenommen, so dass bei diesem Markt über 50 % der Jungkühe freilaufend versteigert wurden. Die Spitze in der Preisstaffelung fehlte bei diesem Markt etwas, was aber verständlich ist, da niedrige Schlachtpreise, die schöne Witterung und Unsicherheiten in der Milchvermarktung durch Corona nicht verkaufsfördernd sind.

Die teuersten Jungkühe des Marktes erhielten diesmal den Zuschlag bereits bei 1900 €. Mit einem Tagesgemelk von 33 kg Milch und einer Melkbarkeit von 2,4 kg pro Minute konnte der Zuchtbetrieb Lechner GbR aus Tödtenberg, Gemeinde Vogtareuth, eine Wendlstein-Tochter zum Verkauf anbieten. Eine Ettal-Tochter aus dem Zuchtbetrieb Georg Wasensteiner aus Oberfeld, Gemeinde Lenggries, erreichte den gleichen Preis. Auch ihre Leistung lag bei über 30 kg Milch und 2,5 kg Milch pro Minute in der Melkbarkeit. Beide Jungkühe blieben wie auch weitere 21 Jungkühe und 13 Zuchtstiere im Verbandsgebiet. Drei Stiere und 17 Jungkühe sicherten sich bayerische Züchter. 1 Stier und 5 Jungkühe treten die Reise in Milchviehbetriebe in den Niederlanden an. Weitere 6 Jungkühe gehen an Zuchtbetriebe in Südtirol. Der durchschnittliche Steigerungspreis aller Jungkühe lag diesmal bei 1475 €.

Die nächste Großviehversteigerung in der Oberlandhalle findet voraussichtlich in vier Wochen statt.