Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Im aktuellen Heft

Fleckviehbetrieb Herrmann: Guter Start in ein langes Leben

rinderzucht-fleckvieh-ramona-dominik-hermann-unterfranken-milch-kuh-simmental
am Dienstag, 12.05.2020 - 09:59

Familie Herrmann aus dem unterfränkischen Gaukönigshofen legt mit einer intensiven Kälberaufzucht und einer konsequenten Selektion den Grundstein für eine leistungsstarke und langlebige Fleckviehherde.

Seit 2018 lassen Ramona und Dominik Herrmann aus Gaukönigshofen jedes weibliche Tier genomisch untersuchen, das am Betrieb geboren wurde. "Davor haben wir bereits einzelne Tiere typisieren lassen", erzählt Betriebsleiter Dominik Herrmann rückblickend. Ursprünglich angefangen haben Herrmanns damit, um besser selektieren zu können – zum einen, um die schlechtesten auszusortieren und zum andren, um die besten Tiere zum Spülen zu finden. Mittlerweile nutzen sie die genomischen Zuchtwerte auch für die Anpaarung ihrer rund 75-köpfigen Fleckviehherde.

Die ersten typisierten Tiere haben bereits gekalbt und zeigen nun, ob sie das halten, was ihre Werte versprochen haben. Die bisherige Bilanz der beiden Züchter lautet: Die grobe Richtung passt. Jedoch gab es auch die eine oder anderen Ausreißer. "Wir haben eineiige Zwillinge, die natürlich dieselben genomischen Werte haben, aber jetzt in der Leistung ganz unterschiedlich sind", berichtet Ramona Herrmann. Beide Kühe haben bisher zweimal gekalbt und die eine hat in ihrem Leben bisher rund 2000 kg mehr Milch gegeben als die andere. Eine Erklärung dafür findet die Milchviehhalterin, wenn sie an die Aufzucht der beiden Kühe zurückdenkt: "Die Kuh, die jetzt weniger Milch gibt, hatte als Kalb Grippe." Das zeige, wie wichtig ein gutes Management und eine hohe Tiergesundheit sind, betont sie.

Ab GZW 110 wird aussortiert

rinderzucht-fleckvieh-ramona-dominik-hermann-unterfranken-milch-kuh-simmental-stall

Das bisher höchste Typisierungsergebnis lag bei GZW 135. "Werte um 130 kriegen wir immer mal wieder", berichtet Dominik Herrmann zufrieden. "Wenn ein Tier mal weniger als 120 Punkte im Gesamtzuchtwert hat, ist man schon fast enttäuscht", ergänzt er schmunzelnd. Aussortiert werden aber erst die Tiere mit weniger als 110 Punkten im GZW – sie werden verkauft oder dienen als Empfängertiere für Embryonen.

Seit kurzem nehmen Herrmanns an FleQS, dem Projekt zur weiblichen Lernstichprobe beim Fleckvieh in Bayern teil. "Wir haben davor auch schon zu 75 Prozent genomische Jungvererber eingesetzt, unsere weiblichen Tiere typisieren wir auch schon alle und die Teilnahme an ProGesund hilft uns einfach auch im Betrieb weiter", erklärt der Betriebsleiter, für den die Teilnahme an FleQS deshalb schnell klar war. Am meisten zusätzlicher Aufwand für die Familie ist dabei die Eingabe der Klauenpflegedaten. "Der Rest läuft am Stall-PC einfach mit", berichtet Ramona Herrmann. Allerdings könnte das noch komfortabler laufen. "Wir hoffen, dass wir bald Daten vom Melkroboter automatisch in ProGesund übertragen können, zudem könnten die Eingabemasken übersichtlicher sein." Die Milchviehhalterin ist davon überzeugt, dass sich dann mehr Betriebe daran beteiligen würden. Denn Herrmanns sind sich sicher, dass die Gesundheitsdaten ein wichtiges Werkzeug sind und dass viele Betriebe dazu Aufzeichnungen haben – in welcher Form auch immer.

Auf die Technik ist Verlass

rinderzucht-fleckvieh-ramona-dominik-hermann-unterfranken-milch-kuh-simmental-betrieb

Der wichtigste Datensammler der beiden Milchviehalter ist ihr Melkroboter. "Auf die Brunsterkennung und die Zellzahlmessung zusammen mit der Messung der Leitfähigkeit können wir uns zu 100 Prozent verlassen", erklärt Dominik Hermann. Bei der Brunstbeobachtung verlässt er sich nur auf die Technik, die seit vier Jahren auch bei den Kalbinnen zum Einsatz kommt, und mithilfe der Leitfähigkeits- und Zellzahlmessung wird jede Mastitis zuverlässig erkannt. Außerdem sei die Messung der Wiederkauaktivität ein wertvoller Indikator für die Gesundheit der Kühe. "Wenn die Wiederkauaktivität nicht passt, stimmt etwas nicht, da kann man sich absolut sicher sein", so seine Erfahrung. Die Herdengesundheit konnte so deutlich verbessert werden, das zeigt unter anderem die konstant niedrige Zellzahl, im Jahresschnitt 2019 lag sie bei 80.000.

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Die komplette Reportage können Sie in der Fleckvieh-Ausgabe 2/2020 nachlesen.
Für ein kostenloses Probeheft melden Sie sich hier an.