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Kälberdurchfall: Hilfe zur Selbstheilung

Dieser Artikel ist zuerst in der Fleckvieh erschienen.

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Dr. Ingrid Lorenz, TGD Bayern e. V.
am
31.10.2018

Wenn Kälber Durchfall haben, ist ihre Darmschleimhaut geschädigt und muss sich erst wieder regenerieren.

In den ersten Lebenswochen wird Durchfall fast immer von Parasiten (Kryptosporidien) oder Viren (Rotaviren, Coronaviren) ausgelöst. Diese Erreger verursachen den Durchfall dadurch, dass sie die Darmschleimhaut schädigen und so in ihrer Funktion stören. Das bedeutet auch, dass die Kälber so lange Durchfall haben, bis die Darmschleimhaut wieder ausgeheilt ist. Die dafür benötigte Zeit ist abhängig von der Schwere der Erkrankung. Es gibt keine Medikamente, die die Heilung beschleunigen können.

Unabhängig von den jeweiligen Ursachen gehen dem Kalb als Folge des Durchfalls mehr oder weniger große Mengen an Flüssigkeit, Elektrolyten und Puffersubstanzen verloren. Der zusätzliche tägliche Flüssigkeitsverlust des kranken Kalbes liegt bei mittelschwerem Durchfall bei rund 10 % des Körpergewichts. Das sind etwa vier Liter bei einem 40 kg schweren Kalb. Bei sehr starkem Durchfall können die täglichen Flüssigkeitsverluste aber auch doppelt so hoch sein.

Flüssigkeitsverlust an den Augen erkennen

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Eine weitere Folge des Durchfalls ist eine Blutübersäuerung. Diese entsteht durch den Verlust von Puffersubstanzen und der Ansammlung von zusätzlichen Säuren durch vermehrte Gärungen im Darmtrakt. Kälber mit Blutübersäuerung zeigen ein zunehmend depressives Verhalten, sind müde, schläfrig oder komatös. Hinzu kommt  eine Beeinträchtigung des Stehvermögens. Solange sie noch stehen können, wirken sie bisweilen wie betrunken. Bei Fortschreiten der Übersäuerung kommt es zum schlaffen Festliegen ohne jede Körperspannung. Auch in diesem Zustand ist alleinig eine Infusionstherapie erfolgversprechend.

Die wichtigste Therapiemaßnahme besteht darin, die Verluste, die das Kalb über den Durchfallkot erleidet, zu ersetzen. Zu den bereits beschriebenen zusätzlichen Flüssigkeitsverlusten bei Durchfall kommt ein normaler Flüssigkeitsbedarf von etwa vier Litern hinzu, den auch ein gesundes Kalb hat. Das bedeutet, dass ein Durchfallkalb am Tag 8 – 10 l Flüssigkeit aufnehmen muss, um nicht auszutrocknen. Etwa die Hälfte davon sollte den Kälbern in Form einer Elektrolyttränke von guter Qualität verabreicht werden.

Milch unterstützt die Heilung der Darmschleimhaut

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Idealerweise werden 2 l der Elektrolyttränke zwischen den Milchmahlzeiten verabreicht. In jüngerer Zeit werden auch Systeme propagiert, bei denen die Elektrolyte in Milch verabreicht werden. Dies kann nur dann gefahrlos funktionieren, wenn die Kälber von den ersten Lebenstagen an freien Zugang zu Wasser gewöhnt sind. Steht den Kälbern kein Wasser zu Verfügung, kann durch die Verfütterung von Elektrolyten in Milch eine lebensgefährliche Kochsalzvergiftung ausgelöst werden.

Antibiotika nur bei schwerem Krankheitsverlauf sinnvoll

Wenn das Kalb sehr müde oder matt ist und nicht mehr trinkt, oder wenn die Augen beginnen einzusinken – dann ist es unwahrscheinlich, dass das Kalb nur mit Elektrolyttränken wieder auf die Beine kommt. In diesem Fall kann der Tierarzt zusätzlich gezielt durch Infusionen Flüssigkeit, Elektrolyte und Puffersubstanzen zuführen. Eine Behandlung mit einem Schmerzmittel kann ebenfalls helfen, das Allgemeinbefinden zu verbessern. Der Tierarzt wird auch entscheiden, ob eine antibiotische Behandlung angezeigt ist.

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