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Milchviehhaltung Kühe im Winter: Kalt ist kein Problem

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Prof. Dr. Steffen Hoy
am
31.01.2019

Ob und wie Milchkühe im Winter auf niedrige Außen- oder Innentemperaturwerte reagieren haben Wissenschaftler der Universität in Gießen untersucht.

Wie sich hohe Temperaturen auf Kühe auswirken ist inzwischen weitgehend bekannt. Kurz gesagt – sie leiden unter Hitzestress. Über den Einfluss niedriger Temperaturwerte auf Kühe ist dagegen weit weniger bekannt. Als Optimalbereich für Milchkühe werden 0 bis 20 °C angegeben. Die Gießener Wissenschaftler untersuchten anhand von 39 Kühen der Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung Hofgut Neumühle, welche Auswirkungen moderate Frosttage auf die Leistungen von Milchkühen haben.

Außentemperatur bis –16 °C

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Die Kühe (HF) wurden im Laufstall mit Tiefboxen gehalten. Die Milchleistung pro Kuh/Jahr lag 2017 bei 10.434 kg. Die Außentemperatur sank im Auswertungszeitraum von 60 Tagen (aufgeteilt in drei Abschnitt) bis auf –16 °C an einem Tag ab, die niedrigste Stalltemperatur betrug etwa –8 °C. Während der Perioden mit Minustemperaturen konnten keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit der Kühe oder auf die technischen Funktionen von Stall- und Melktechnik festgestellt werden.

 

Futteraufnahme beachten

Bei hoher Temperatur schränken Kühe die Futteraufnahme ein, um sich thermisch zu entlasten. Bei tiefen Temperaturen ist daher eher eine höhere Futteraufnahme zu erwarten, um Energie für die Wärmebildung bereitzustellen. Im Versuch war hier allerdings nur eine leichte Tendenz zu erkennen, nämlich dass die Futteraufnahme bei Minusgraden mit 48,3 kg/d geringfügig höher als bei der höchsten Temperaturklasse war.

Bei den milderen Temperaturwerten gingen die Kühe etwas häufiger pro Tag zum Fressen (29-mal im Vergleich zu 27-mal) und blieben etwas länger an den Wiegetrögen (254 min/d) als bei den niedrigen Temperaturen (238 bzw. 241 min/d). Allerdings ist dabei zu beachten, dass Faktoren wie die Laktationsnummer und das Laktationsstadium die Futteraufnahme beeinflussen können. Daher wurden im nächsten Schritt die Futteraufnahme von Jung- bzw. Altkühen ausgewertet. Der Unterschied erwies sich als beträchtlich. Die Erstkalbskühe nahmen mit 44,6 kg Frischmasse viel weniger Futter auf als die älteren Kühe mit den Laktationsnummern 2 bis 5 mit 51,4 kg.

Wiederkaudauer ist niedriger

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Die tägliche Wiederkaudauer betrug bei den untersuchten 39 Kühen im Mittel der 60 ausgewerteten Tage 571 Minuten und lag damit im Vergleich mit anderen Herden deutlich höher. In der universitätseigenen Herde beträgt die mittlere Wiederkaudauer etwa 500 min. Es überraschte, dass die Jungkühe mit 605 min/Tag eine längere Ruminationsdauer aufwiesen als die älteren Kühe (565 min täglich). Meistens kauen die Altkühe länger wieder, da sie bedingt durch ihren voluminöseren Magen-Darm-Trakt eine größere Futtermenge aufnehmen.

Möglicherweise lag dies am Laktationsstadium. Die Jungkühe hatten einen mittleren Laktationstag von 93, die Altkühe befanden sich bereits am 146. Laktationstag. Je weiter die Laktation voranschreitet, umso niedriger ist die tägliche Wiederkaudauer – ein Unterschied von 60 Tagen in Milch kann durchaus eine Differenz von 30 bis 40 min Wiederkaudauer ausmachen. Ebenso steigt die Futtermenge mit der Laktationsdauer: 3 bis 4 kg für etwa 60 d Differenz in der Laktationsdauer ist möglich. Insofern wird in den Ergebnissen weniger ein Effekt des Alters der Kuh als vielmehr der Einfluss des Laktationsstadiums abgebildet.

Unter Berücksichtigung von Jung- und Altkühen, Laktationstag und Gewicht der Kühe trat bei den niedrigsten Temperaturen mit 562 min die kürzeste und bei den höchsten Temperaturen die längste tägliche Wiederkaudauer (613 min) auf (Abb. 2). Jungkühe und Altkühe zeigten bei unterschiedlichen Niveaus der Wiederkaudauer dieselbe Tendenz, dass mit zunehmender Temperatur die Dauer des täglichen Wiederkauens zunimmt. Es ist schwierig, eine klare Ursache dafür zu finden. Zwischen Wiederkau- und Liegedauer besteht ein positiver Zusammenhang. Bei niedrigen Temperaturwerten liegen die Kühe weniger. Somit könnte die Erklärung für die kürzere Wiederkaudauer in einer geringeren Liegedauer liegen.

Kaum Einfluss auf die Milchleistung

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Unter Berücksichtigung von Jung- bzw. Altkühen, Gewicht und Laktationstag betrug die Tagesmilchleistung im Zeitraum der niedrigsten Temperaturen im Mittel 33,3 kg. In den anderen beiden Zeiträumen war die tägliche Milchleistung um 0,7 kg höher. Bei den Jungkühen war der Effekt der niedrigen Temperatur etwas stärker ausgeprägt als bei den Altkühen. Als es am kältesten war, gaben die Erstkalbinnen 0,8 bis 0,9 kg Milch pro Tag weniger als bei den höheren Temperaturen. Bei den Altkühen war der Einfluss des kalten Stallklimas geringer und der Unterschied in der Milchleistung lag bei 0,5 bzw. 0,6 kg zugunsten der wärmeren Temperatur.

Muss man etwas tun?

Nicht viel: Im Winter sind Rinder durch die Eigenwärmeproduktion bei hoher Milchleistung und durch das (Winter-)Fell kältetolerant. Zugluft und zu hohe Luftfeuchtigkeit im Stall sollte verhindert werden. Im Liegebereich ist unbedingt für eine trockene, dicke Einstreu zu sorgen.

Im Außenklimastall müssen die Wasserleitungen und Tränkebecken frostsicher ausgelegt sein. Bei anhaltenden Temperaturen unter –15 °C kann es für die Technik jedoch kritisch werden, und unter –20 °C friert auch schon mal ein Melkroboter oder ein Selektionstor ein. Sind Curtains vorhanden, kann die Luftrate in bestimmtem Umfang geregelt werden. Im günstigsten Fall können diese Windschutzsysteme über Wettersensoren gesteuert werden. Ein Melkroboter kann mit Folie „eingehaust“ und über eine mobile Heizung erwärmt werden. Im Laufbereich können Kot und Urin anfrieren. Solange die Temperaturen im Minusbereich sind, ist das kein großes Problem, Gefährlich wird es, wenn es auftaut und rutschig wird.

 

Fazit

Kalte Temperaturen haben keine oder kaum leistungsdepressive Auswirkungen. Kühe sind kältetolerant, sofern sie gesund sowie wind- und feuchtigkeitsgeschützt untergebracht sind.

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