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Kuhlinie von Familie Löhrlein: Tief verwurzelt

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am Donnerstag, 05.11.2020 - 10:20

Die E-Linie ist seit den 1960er-Jahren eine feste Größe in der Herde von Familie Löhrlein und kann heute mit einigen Bullenmüttern aufwarten. Doch es gibt noch mehr interessante Kühe zu entdecken.

Es gibt wohl nur wenige Fleckviehstiere die eine solch beeindruckende Karriere hinlegen wie der Bulle Erbhof. Angekauft wurde dieser Eilmon-Sohn von der Bayern Genetik im Mai 2012 auf dem Bayreuther Zuchtviehmarkt mit einem GZW von 125 (MW 125, FW 104) – aktuell liegt er bei GZW 130 (MW 124, FW 115), und das bei 18,2 Punkten Basisabschreibung. Bei der April-Schätzung 2020 konnte er mit einem GZW 134 sogar auf Rang 2 der nachkommengeprüften Bullen klettern.


Genauso beeindruckend ist die Kuhfamilie, die hinter Erbhof steht: Die E-­Linie von Familie Löhrlein aus dem oberfränkischen Eichenhüll bei Stadelhofen. »Wir können die E-Linie bis ins Jahr 1961 zurück verfolgen«, erzählt Betriebsleiter Josef Löhrlein stolz. Im Jahr 1978 siegte die Familie mit der Saulus-Tochter Elli auf der Oberfranken-Ausstellung und einige Jahre später stand die Weinold-Tochter Enrike im Betrieb – die Mutter von Erbhof.

»Enrike mussten wir in der dritten Laktation wegen einer Verletzung zum Schlachten geben, weil wir aber unbedingt noch Nachkommen von ihr wollten, haben wir am Schlachthof die Eierstöcke entfernen und Eizellen per In-vitro-Fertilisation befruchten lassen«, berichtet Josef Löhrlein rückblickend. Zwei Embryonen sind daraus entstanden und nur einer von ihnen ist angewachsen – es war Erbhof.

Enrikes Nachkommen

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Enrikes erstes Kalb ging ebenfalls in die Besamung, es war der Rorb-Sohn  Roehrlein. Bei ihrer zweiten Kalbung brachte sie dann ein weibliches Kalb, die Vanstein-Tochter Engel. Von ihr ging der Samland-Sohn Samlas in die Besamung, zudem wurde Engel über Embryo­transfer genutzt. So hinterließ sie einige gute Kühe und Bullenmütter, die die E-Linie erfolgreich fortführen.

Beispielsweise die beiden Vollschwestern und Reumut-Töchter Elite und Europa. »Von Europa stammt der Raldi-Sohn Ventura und Elite brachte den Sehrgut-Sohn Sehrcool in die Besamung«, berichtet Hofnachfolger Tobias Löhrlein. Engels Royal-Tochter Evita brachte die beiden Haribo-Söhne Helgoland und Hochgern in die Besamung und bescherte der Familie das derzeit am höchsten typisierte Messias-Jungrind mit GZW 130 und MW 129, das bald gespült werden soll. Auch aus dieser Linie ist die Iserschee-Tochter Eliv, die das Herzschlag-Jungrind Extra brachte – es glänzte bei der Typisierung mit GZW 134 und MW 138.
»Die Kühe der E-Linie sind völlig unauffällig und unkompliziert. Zudem haben sie hohe Zuchtwerte und typisieren immer sehr gut«, erklärt Josef Löhrlein.

Da ist es kein Wunder, dass rund 90 Prozent der Kühe, die gespült werden aus dieser Kuhfamilie stammen. Insgesamt werden drei bis fünf ETs pro Jahr gemacht. »Immer wenn ein Jungrind oder eine Kuh durch besonders gute Zuchtwerte auffällt oder uns besonders gut gefällt, dann spülen wir«, fügt Tobias Löhrlein hinzu. In diesem Jahr wurden bisher drei ETs durchgeführt von denen Löhrleins insgesamt 98 Embryonen erhalten haben – die Reumut-Tochter Eleni brachte stolze 44 Embryonen und aus zwei Spülungen mit einem Votary-Rind aus Europa kamen 21 bzw. 33 Embryonen hervor. Doch worin liegt das Geheimnis von solch guten ET-Ergebnissen? »Sobald klar ist, dass ein Tier gespült werden soll, kommt es auf Stroh – damit es keinen Stress hat. Zudem füttern wir ß-Carotin dazu und wir haben den weltbesten ET-Tierarzt Dr. Nohner«, betont Tobias Löhrlein. Mit ihm arbeiten die Züchter schon über 20 Jahre in Sachen ET erfolgreich zusammen.

 

Vielfalt bei den Kuhfamilien

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Doch auch wenn die E-Linie aus Löhrleis Herde herausragt, gibt es auch noch andere interessante Kuhfamilien. Beispielsweise die T-Linie mit der Wille-Tochter Thalismann, der Lieblingskuh von Tobias Löhrlein. Ihre Tochter Thalia (V: Rubion) war im vergangenen Jahr auf der VFR-Schau in Schwandorf ausgestellt. »Die T-Kühe sind sehr solide und bringen immer gute Leistungen«, so der Hofnachfolger.

Für Aufsehen sorgte auch die L-­Linie, genauer gesagt die Ermut-Tochter ­Leslie. Josef Löhrlein erinnert sich und erzählt: »Wir waren mit Leslie auf der Bundesschau in Miesbach, sie konnte zwar nicht auf den vordersten Rängen mitlaufen, aber Züchter aus Tirol wollten sie unbedingt kaufen weil sie ein so schönes Euter hatte.« Zudem über­zeugte die damals frischlaktierende Jungkuh mit einer 100-Tage-Leistung von knapp 4000 kg Milch. Hergegeben hat der Züchter seine Leslie nicht und so finden sich heute einige gute Nachkommen in der Herde, unter anderem durch ET. Zudem ging ihr Mint-Sohn ­Milkyway in den Besamungseinsatz, der mittlerweile nachkommengeprüft ist und mit einem Euterzuchtwert von 130 glänzt. Auch in früheren Jahren war die L-Linie schon erfolgreich – die Horst-Tochter Lissy war beispielsweise 1997 auf der Deutschen ­Fleckviehschau in Ulm ausgestellt.

Auf Ausstellungen waren Löhrleins auch mit Kühen der G-Linie schon vertreten. So waren die Hutera-Tochter Glamur und die Manton-Tochter Gwendo auf der Jubiläumsschau des Rinderzuchtverbandes Oberfranken 2018 in Bayreuth mit dabei. »Die Kühe der G-­Linie sind bei den Zuchtwerten nicht ganz so gut, aber es sind große Kühe mit guten Fundamenten und guten Eutern«, beschreibt Josef Löhrlein.

Die Linienvielfalt in Löhrleins Herde ist enorm. Und genauso vielfältig sind auch die Väter der Tiere. »Wir setzten maximal zehn Portionen von einem Stier ein«, betont Tobias Löhrlein. Dabei greifen sie zu 80 Prozent auf genomische Jungvererber zurück. Sein Vater fügt nachdenklich hinzu: »Ob das richtig ist weiß ich nicht, aber die Stationen fordern es wenn man Besamungsbullen verkaufen will.« Bei der Bullenauswahl sind der Züchterfamilie vor allem ein gutes Euter und gute Fundamente wichtig, zudem achten sie auf die Zellzahl und den Eutergesundheitswert. »Mit den Eutern müssen wir zweimal am Tag arbeiten, die müssen einfach passen«, betont Josef Löhrlein.

 

Gesunde Euter

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Die Eutergesundheit ist ein Merkmal, das sie gezielt verbessern wollen – aktuell liegt die Zellzahl der Herde bei 95 000 Zellen/ml. Dafür haben sie bereits die Hälfte der vorhanden, 20 Jahre alten Hochboxen durch Tiefboxen ersetzt und der Rest soll auch bald folgen. »Die Tiefbox ist für die Eutergesundheit einfach besser als die Hochbox, weil die Kühe trockener liegen«, erklärt Josef Löhrlein.

Zudem wollen sie durch die neuen Liegeboxen gezielt Klauen und Gelenke verbessern. »In den letzten zehn Jahren hatten wir immer wieder Probleme mit der Aufstallung und dadurch besonders Verletzungen an den Sprunggelenken. Da haben wir einige Kühe zu früh hergeben müssen«, gibt der Betriebsleiter zu – das soll nun besser werden. Doch nicht nur die Tiergesundheit wird durch die in die Jahre gekommene Aufstallung beeinträchtigt. »Wenn die Aufstallung besser wäre, hätten wir bestimmt 500 kg mehr Milch«, stellt Tobias Löhrlein klar.

Sehr zufrieden hingegen ist die Familie mit dem Doppel 4er Auto-Tandem-Melkstand, der auch schon seit 20 Jahren treue Dienste leistet. »Den möchte ich auf keinen Fall hergeben«, betont Josef Löhrlein. Die Familie schätzt vor allem die Ruhe beim Melken, da die Kühe einzeln in einer Box stehen. Etwa 60 bis 70 Kühe melken sie pro Stunde. Chefin bei der Melkarbeit ist Josefs Frau Petra Löhrlein.

Neue Technik hat vor kurzem in Sachen Brunsterkennung bei Löhrleins Einzug gehalten: Das Brunsterkennungssystem Bayern Watch der Bayern-Genetik. »In einem größeren Bestand hat man ohne die Technik einfach keinen guten Überblick, da rutscht dann schnell mal eine Kuh durch«, gibt Tobias Löhrlein zu bedenken, der mit dem neuen System sehr zufrieden ist. »Das System ist so zuverlässig, das wir uns nur noch auf den Computer verlassen«, so sein positives Fazit nach den ersten beiden Jahren im Einsatz. Ein weiterer Vorteil sei, dass man den optimalen Besamungszeitpunkt besser findet.

Das erste Mal belegt werden die Kühe 40 bis 60 Tage nach der Kalbung. »Spätestens am 100. Laktationstag sollten alle wieder tragen«, beschreibt Tobias Löhrlein. Beim Jungvieh hat die ­Familie das Brunsterkennungssystem ein Jahr später auch installiert. Hier belegen sie zum ersten Mal mit etwa ­17 Monaten, achten aber zusätzlich auf Größe und Gewicht der Tiere. Derzeit liegt das Erstkalbealter bei 28,1 ­Monaten. Alle Kälber, die am Hof ­geboren werden, typisiert die Züchterfamilie. »Manchmal findet man dadurch ­doch noch verborgende ­Schätze im Stall«, stellt Josef ­Löhrlein klar.