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Tiergesundheit

Unterschriften gegen weitreichendes Antibiotika-Verbot

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am Montag, 09.08.2021 - 17:04

Der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) will am 10. August 2021 eine Unterschriftenkampagne gegen ein drohendes, weitreichendes EU-Antibiotikaverbot für Tiere bei seinen Mitgliedspraxen starten. Die Aktion soll bis zum 8. September laufen.

Laut dem bpt drohe ein komplettes Anwendungsverbot von Fluorchinolonen, Cephalosporinen der 3. und 4. Generation, Polymyxinen und Makroliden in der Tiermedizin. Von diesem Anwendungsverbot wären alle Tierarten betroffen, nicht nur Nutztiere.

"Tierhalter müssen erfahren, was in Brüssel weitgehend im Verborgenen vor sich geht und welche Konsequenzen die zu befürchtende Entscheidung für ihre Tiere haben wird. Fakt ist, dass das Europäische Parlament wissenschaftliche Fakten ignoriert und nicht nur, wie vorgegaukelt wird, Nutztiere von einem Anwendungsverbot betroffen wären, sondern alle Tierarten", so der bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder zu der Kampagne. "Zum Wohl aller Tiere müssen wir uns deshalb dafür einsetzen, dass alle für die Tiermedizin zugelassenen Antibiotika auch in Zukunft weiter zur Behandlung zur Verfügung stehen. Anderenfalls würde es schlimmstenfalls den Tod vieler Tiere bedeuten."

Es sei deshalb wichtig, dass alle Tierärzte/innen aller Spezies aktiv werden, damit sowohl Heimtierhalter, Pferdehalter und Landwirte angesprochen und Unterschriften gesammelt werden.

Hintergrund

Doch wie kam es zu dieser Offensive? Dazu erläutert der bpt: In einem Nachfolgerechtsakt zur 2019 verabschiedeten, neuen EU-Tierarzneimittelverordnung müssen nun EU-Kommission, Mitgliedsstaaten und EU-Parlament bis zum Inkrafttreten des Gesetzes im Januar 2022 festlegen, welche Antibiotika künftig für den Menschen vorbehalten und damit für die Tiermedizin verboten werden sollen.

Im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des EU-Parlaments (ENVI) wurde bereits Mitte Juli über einen von der Kommission vorgelegten Entwurf für die Verordnung über "Kriterien für die Einstufung antimikrobieller Mittel, die für die Behandlung bestimmter Infektionen beim Menschen vorbehalten sind" abgestimmt. Der ENVI hat den auf wissenschaftlicher Expertise basierenden Kommissionsvorschlag aber abgelehnt, obwohl er mit der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) sowie EFSA, ECDC, OIE und WHO abgestimmt war.

Wenn der im ENVI beschlossene Entschließungsantrag auch im Europäischen Parlament eine Mehrheit findet, dann wäre ein komplettes Anwendungsverbot der oben genannten Wirkstoffe in der Tiermedizin kaum mehr abzuwenden, heißt es in der bpt-Pressemitteilung.  

Auch Ausnahmen für Einzeltiere bei schwerwiegenden Infektionen seien dann nicht möglich, da die VO 2019/6 eine Reservierung von Wirkstoffen für die Humanmedizin vorsieht und dies über ein Ruhen bzw. Einziehen der Arzneimittelzulassung(en) erfolgen soll.

Online-Petition

Parallel zur Unterschriftenkampagne wurde auch eine Online-Petition unter https://ots.de/gWSW7W gestartet, die inhaltlich auf die bpt-Kampagne Bezug nimmt, aber nicht vom Verband initiiert ist. Die Online-Petition soll auch die Tierhalter/innen mitnehmen, die im Aktionszeitraum nicht in die Tierarztpraxen kommen und sich deshalb nicht direkt an der Unterschriftenkampagne beteiligen können.

Im Vorfeld der finalen Abstimmung in Brüssel Mitte September sollen schließlich die gesammelten Unterschriften an die deutschen Abgeordneten im EU-Parlament übergeben werden. Damit will der Verband ein politisches Zeichen setzen und deutlich machen, dass er das geplante Anwendungsverbot bestimmter Antibiotika bei Tieren für tierschutzwidrig hält. 

Mit Material von bpt