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Tierseuche

Geflügelpest: Die besorgniserregende Entwicklung in Deutschland

Die Geflügelpest breitet sich in Deutschland weiter aus
am Donnerstag, 08.09.2022 - 13:00 (Jetzt kommentieren)

Die Niedersächsische Ministerin für Landwirtschaft informiert über die aktuelle Lage der Geflügelpest.

Die hochansteckende Geflügelpest breitet sich immer weiter und stärker aus. In Deutschland gab es im Zeitraum vom 01.10.2021 bis zum 31.06.2022 insgesamt 90 Ausbrüche der Geflügelpest beim Hausgeflügel. Im selben Zeitraum wurde in Niedersachsen das Geflügelpestvirus in 32 Hausgeflügelhaltungen in 14 Landkreisen festgestellt.

Allein seit Juli mussten schon mehr Tiere getötet werden als im gesamten Herbst 2021/22. Zehn Ausbrüche in sieben Landkreisen gab es dem 1. Juli laut dem Landwirtschaftsministerium Niedersachsen (ML). In allen Fällen sei unter anderem bei Puten und Legehennen das Virus vom Subtyp H5N1 nachgewiesen worden. Insgesamt mussten seit dem 1. Juli 2022 Ministerin Barbara Otte-Kinast zufolge bereits rund 616.000 Tiere getötet werden, im letzten Herbst und Winter waren es 510.000 Tiere. Die Kosten des Geflügelpestgeschehens 2021/2022 betrugen dem Ministerium zufolge gut 9,8 Mio. Euro.

Geflügelpest ist derzeit ganzjährig im europäischen Raum

"Anders als in all den Jahren zuvor ist das Geflügelpestvirus im Sommer 2021 erstmals nicht mit den Zugvögeln verschwunden, sondern in den heimischen Wildvögeln verblieben", erläuterte Otte-Kinast. Die Brutkolonien von Seevögeln an Nord- und Ostsee hätten durch die Vogelgrippe einen massiven, existenzgefährdenden Einbruch erlitten. „Damit hat das Geflügelpest-Geschehen eine neue, sehr besorgniserregende Qualität angenommen“, sagte sie. Die Branche ist nun in großer Sorge. Die Angst der Geflügelhalter sei sehr groß, so Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (NGW). Trotz des hohen Standards von Biosicherheitsmaßnahmen sei das Virus nicht aus den Ställen herauszuhalten, besonders in der Nähe von Gewässern.

Ähnlich kritisch sieht das Friedrich-Loeffler (FLI)-Institut die Lage. In seiner Risikoeinschätzung vom 08.07.22 geht das FLI von einer derzeit ganzjährigen Präsenz von Geflügelpestviren im europäischen Raum aus.

Geflügelpest: Bisherige Entschädigungskosten belaufen sich auf 4,9 Mio. Euro

Der Niedersächsischen Tierseuchenkasse liegt erst ein Teil der Anträge auf Entschädigung der getöteten Tiere vor. Die Kosten allein für die bisher beantragten Entschädigungen und Tötungsmaßnahmen belaufen sich auf geschätzt 4,9 Mio. Euro. Niedersachsen sei in Hinblick auf die Geflügelpest gut gerüstet, so die Ministerin im Agrarausschuss des Landtags. Betrieben stünden für die Biosicherheit verschiedene Beratungsmöglichkeiten zur Verfügung, das LAVES unterstütze bei Krisenplänen. 

Langfristig anfällige Geflügelproduktionssysteme umstrukturieren

Eine weitere Maßnahme, mit der die Gefahr einer Infektion von Hausgeflügel mit der Geflügelpest reduziert werden kann, sei die Verringerung der Dichte kommerzieller Geflügelhaltungen in Gebieten mit einer hohen Geflügeldichte. Das bedeutet: Kurz- bis mittelfristig kann dies im Falle eines Seuchenausbruchs in Gebieten mit einer Geflügeldichte von mehr als 500 Stück Geflügel je Quadratkilometer durch ein zeitlich begrenztes, erweitertes Wiederbelegungsverbot für bestimmte Geflügelarten bewirken werden. Beispielsweise macht der Landkreis Cloppenburg von dieser Möglichkeit bei Ausbrüchen der Geflügelpest in Gemeinden mit einer hohen Geflügeldichte regelmäßig Gebrauch.

Langfristig empfiehlt das Friedrich-Loeffler-Institut in seiner aktuellen Risikoeinschätzung Geflügelproduktionssysteme, die sehr anfällig für die Geflügelpest sind, umzustrukturieren.

So sollten Betreibern von Putenhaltungen in Gebieten mit einer hohen Geflügeldichte ermöglicht werden, ihre Ställe für die Haltung anderer Geflügelarten zu nutzen. Allerdings seien diese in der Regel eher flächenschwach und würden bei einem Umbau und Wechsel des Haltungsverfahren ihren Privilegierungstatbestand verlieren, so die Ministerin. Ein Umstieg von der Putenhaltung auf die Masthühnerhaltung sei daher praktisch nicht möglich. Hierfür habe Otte-Kinast dem Kabinett einen Entwurf eines Artikelgesetzes zur Erleichterung tierwohlbezogener Bauvorhaben vorgelegt, mit dem eine Ausnahmeregelung für Gemeinden mit einer besonders hohen Geflügeldichte geschaffen werden soll.

Mit Material von animal-health-online, Niedersächsisches Ministerium

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